Ein römischer Soldat bläst den Marsch

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Anstelle des Bürgermeisters empfängt ein römischer Soldat (Hagen Pätzold) mit historischen Cornu die Besucher zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung.

Dieburg - Gespannt warten viele Dieburger vor dem Rathaus auf Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Das Stadtoberhaupt hat eingeladen zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „UNESCO-Welterbe Limes – Römisches Erbe in Hessen“. Von Sebastian Kniza

Als um kurz vor 16 Uhr noch niemand aus dem Rathaus zu sehen ist, fragt sich mancher, was los ist. Pünktlich um 16 Uhr ertönt aber dann ein pompejanisches Cornu, das Diplom-Musiker Hagen Pätzold an die Lippen gesetzt hat: Als römischer Soldat verkleidet löst er die erwartungsvolle Anspannung auf.

Gemeinsam ziehen die Besucher im Takt des Triumphmarsches ins Museum ein. Im Vortragssaal empfängt dann auch der sehnlich erwartete Bürgermeister die Gäste. In seiner Begrüßung geht er auf die Bedeutung Dieburgs zur Römerzeit ein. Die jüngsten stummen Zeugen römischen Lebens wurden bei den Bauarbeiten an der Bahnunterführung gefunden – einer davon, ein römischer Bronze-Eimer, ist in der Sonderausstellung erstmals öffentlich zu sehen.

Mehr als 200 Wachtürme

Museumsleiterin Maria Porzenheim gibt einen Überblick über die Geschichte Dieburgs und die Verbindung zu den Römern. Dieburg war nicht nur über 100 Jahre lang Verwaltungssitz im Bereich des Stammes der Auderienser, sondern auch ein wichtiger Versorgungspunkt für den Obergermanisch-Raetischen Limes. Der Limes bildete als Grenzsicherungssystem die Reichsgrenzen des Römischen Reichs.

Den Einführungsvortrag zur Ausstellung hält Bezirksarchäologe Thomas Becker. Der Limesbeauftragte für Hessen hebt in seinem Vortrag die militärische und wirtschaftliche Bedeutung des Limes hervor, der auf einer Strecke von 550 Kilometern durch das heutige Deutschland führte. Allein der hessische Teil war mit mehr als 200 Wachtürmen und 18 großen und 31 kleinen Kastellen gesichert.

Seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe

Die damalige Wirtschaft in Dieburg hat prosperiert durch die römischen Soldaten, die am Limes stationiert waren. Waren aus dem Hinterland mussten den Limes passieren und gelangten dadurch in die Stadt. Ähnlich wie heute mussten Waren verzollt werden, die Ströme der Güter und Menschen überwacht werden. Die im Hinterland stationierten Soldaten hatten somit direkten Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen in Dieburg.

Obwohl der Limes eine Grenze bildete, war er zur Abwehr von Angriffen nur bedingt geeignet. „Man kann ihn vielmehr als eine Schnittstelle zwischen den römischen Ländereien betrachten“, so Becker. Seit 2005 ist der Limes UNESCO-Weltkulturerbe. Erstmalig wird die Ausstellung in den Kontext römischer Funde in Dieburg gestellt.

Im Museumsshop ist eine Begleitbroschüre zur Ausstellung, die bis 20. Januar zu sehen ist, erhältlich. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.

Internet: www.museum-schloss-fechenbach.de

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