Rote Zahlen lassen das Grün wuchern

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Der Dieburger Ali Schultz arbeitet seit über 20 Jahren für das städtische Gartenamt. Gestern ging es den Hecken- und Rosensträuchern in der Max-Planck-Straße an den Kragen.

Dieburg - Dirk George wirkt ganz und gar nicht wie ein Mensch, der den Tod herbeisehnt, wenn er früh morgens um 6 Uhr sein Tagwerk beginnen muss. In diesen Wochen allerdings würde er wohl öffnen, falls der Sensenmann doch einmal an die Tür des Bauhofs klopfen sollte. Im schwül-warmen Wechselspiel des Wetters wächst dem Chef des städtischen Gartenamts und seiner Mannschaft die Arbeit über den Kopf. Da wird jede Klinge gebraucht. Von Barbara Hoven

Wir haben sehr viel zu tun, kommen kaum nach - entsprechend sieht das Stadtbild derzeit nicht besonders aus“, sagt George. Wegen der leeren Stadtkassen muss er in diesem Sommer auf Saisonkräfte verzichten, die dem Gartenamt im letzten Jahr eine große Hilfe waren. „Letztes Jahr waren vier Kräfte rein fürs Unkraut dauerhaft im Einsatz und haben Straßen und Beete gepflegt“, erzählt George nicht ohne ein wenig Wehmut. „Dafür haben wir jetzt einfach keine Leute mehr.“ Derzeit könne man mit den 13 Mitarbeitern des Gartenamts nur nach der Devise „Was nicht geht, bleibt liegen“ arbeiten.

Dass die Stadt indes noch nicht von Unkraut überwuchert ist und sich damit auch die Beschwerden der Bürger noch in Grenzen halten, liege vor allem an der guten Vorarbeit des letzten Jahres. „Hätten wir so mit voller Kraft weiterarbeiten können, dann hätte Dieburg in drei Jahren wieder ein optimales Bild abgegeben“, so George. „Doch jetzt wird das schon im nächsten Jahr wieder ganz anders aussehen.“ Um unschönen Unkraut-Wucher zu minimieren, treffen die Gartenamtmitarbeiter schon jetzt Vorbereitungen. Fünf Probebeete mit Wildblumenmischungen - eins in der Groß-Zimmner Straße und vier im Burgweg - wurden angelegt. Solche Beete bedürften weniger Pflege, seien jedoch für den Bürger teils unansehnlicher, weil nicht das ganze Jahr etwas blühe. „Aber an solche Kompromisslösungen müssen wir die Leute halt ranführen, weil wir sparen müssen“, so George.

Auch für die optisch nicht gerade ansprechenden Blumenkübel - im Bild ein Exemplar an der Phillip-Reiss-Straße - wird bald das letzte Stündlein schlagen.

Auch bei anderen Themen wirbt der Chef des Gartenamts um mehr Verständnis und Vertrauen in seine Arbeit und die seiner Kollegen – denn es gebe doch recht viele selbst ernannte Experten unter den Bürgern. Ein Paradebeispiel: das Thema Bewässerung. „Viele beschweren sich teils bitterböse, wenn sie sehen, dass wir bei Regen wässern“, erzählt George. Dabei gebe es kaum einen besseren Zeitpunkt, eine Pflanze effektiv mit Wasser zu versorgen, als vor oder nach einem Regenschauer. Denn dann sei der Boden gelockert und aufnahmefähiger für Wasser und Luft. „Ein Baum braucht im Stadtbereich im Durchschnitt 150 Liter Wasser wöchentlich oder wenigstens zweiwöchentlich, das sind also 150 Milchpäckchen“, erklärt George. „Wenn´s dann mal fünf Liter Regen pro Quadratmeter gibt, reicht das dem Baum vorne und hinten nicht.“ Natürlich werden die Niederschlagsmengen im Amt akribisch überprüft. Die Männer vom Bauamt kümmern sich neben Unkraut und Bewässerung um 3 500 Bäume im Stadtgebiet, Wiesen, das Grün am Straßenrand, die insgesamt 16 Spielplätze oder den Beschnitt von rund 2 700 laufenden Heckenmetern – Schwimmbad und Friedhof ausgenommen.

Ungeliebte Betonklötze verschwinden bald

Dazu kommen neue Aufgaben, wie die Neophytenbekämpfung, die zusätzliche Zeit und Arbeitskraft kosten. Um diese vielen und noch weitere Aufgaben zu bewältigen, kommt die Möglichkeit, Fremdfirmen zu beauftragen, für George nicht nur wegen des Sparzwangs nicht mehr in Frage. „Mehr Kontrollaufwand als Entlastung“ hätten die in der Vergangenheit oft verursacht.

Daher muss die Devise für das Gartenamt - abgesehen von prestigeträchtigen Aufgaben wie der Aufbereitung des Schlossgartens, bevor die Gäste zum großen Fest anreisen – immer öfter lauten: „Was Arbeit macht, kommt weg“. Davon betroffen sind beispielsweise die Blumenkübel, die schon seit geraumer Zeit nicht gerade zu den Lieblingsobjekten der Stadtverordneten gehören.

Nachdem bereits vor zwei Jahren gut 50 Stück entfernt wurden, verschwinden derzeit auch die verbliebenen Betonklötze – ausgenommen solche, die etwa einen Zweck zur Verkehrberuhigung haben oder explizit von Anwohner gewünscht wurden und daher auch von ihnen gepflegt werden.

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