Neues Schulangbot im Konvikt

Rückkehr zu den Wurzeln

+
Ein imposantes Ensemble ist das Konvikt in Dieburg. Rechts ist der Anbau zu sehen.

Dieburg - Ab September ist wieder junges Leben im Konvikt – ganz im Sinne von Bischof Ketteler. In dem zuletzt als Exerzitienhaus genutzten Gebäude entstehen Schulräume.  Von Lisa Hager

In einem Gang streicht ein Maler die Schattenfugen der Decke. Eine grasgrüne Wand leuchtet in einem der Einzelzimmer für Internatsschüler als optischer Blickfang.

Pflasterer verlegen vor einem Eingang Steine und von ganz hoch oben hört man, wie Dachdecker mit Schieferschindeln klappern. Emsiges Treiben herrscht im Konvikt, das vor zweieinhalb Jahren aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist. Nichts erinnert mehr an die düstere Atmosphäre, die für das von Brombeergestrüpp umgebene Sandsteingebäude so typisch war. Ein ehrgeiziges Ziel hat das Bistum Mainz, das Eigentümer des Gebäudes, ist: „Vermutlich ab 2. September werden die ersten Schüler unterrichtet“, sagt Rainer Wolf, geschäftsführender Verwaltungsleiter des Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrums in Offenbach. Das neue Schulangebot, das in dem zuletzt als Exerzitienhaus genutzten Gebäude entsteht, wird als Ableger der Bischof-Ketteler-Schule im St. Josephshaus in Klein-Zimmern geführt. Die wiederum gehört unter das Dach des Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrums, dessen Leitlinien auf den Mainzer Sozialbischof Wilhelm-Emmanuel Ketteler zurückgehen.

Vereinsvorsitzender Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt hatte Kommunalpolitiker kürzlich selbst über den Stand der aufwändigen Sanierungsarbeiten informiert. Dabei hat es auch unliebsame Überraschungen gegeben. Nicht nur mit Asbest kämpften die Baufachleute unter Federführung des Architekturbüros Möller (Bad Nauheim): Als es an die Dachsanierung ging, kamen zudem noch Holzfäule und Hausschwamm zum Vorschein. Das Gegenmittel konnte aber wegen der anhaltenden Kälte erst Ende April eingesetzt werden. So kam es zu Verzögerungen, so dass die Arbeiten erst parallel mit der Inbetriebnahme abgeschlossen werden können.

Mit dem Namen Ketteler schließt sich der Kreis: Der Sozialbischof hat das Konvikt 1869 als Knabeninternat auf einer Teilfläche des früheren Groschlagschen Schlossgartens bauen lassen. Über Jahrzehnte hat es in Dieburg den unterschiedlichsten kirchlichen Zwecken gedient. Die neue sozialpädagogische Nutzung des für rund sechs Millionen Euro sanierten und erweiterten Gebäudes setzt die Tradition fort. Das Dieburger „Kettelerhaus“ kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Es bietet als staatlich anerkannte Privatschule mit dem Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung und Schule für Kranke künftig 60 Plätze an. Da der Einzugsbereich weit über die Region hinausgehen dürfte, werden drei Wohngruppen mit je zehn Plätzen und eine heilpädagogische Tagesgruppe mit zwölf Plätzen im Rahmen der Erziehungshilfe eingerichtet. Dazu kommen 18 externe Schüler. Zwölf Lehrer werden künftig in ebenso vielen Klassenräumen unterrichten.

Jede Wohngruppe hat ihre eigene Küche - dort wird dezentral gekocht - mit viel Raum zum gemeinsamen Essen. Jeder Schüler hat ein Einzelzimmer, teilweise mit eigenem Sanitärraum. Die Gruppen verteilen sich bis in den dritten Stock, wo die Dachschräge beginnt. Die Ebene hieß zu Zeiten des Konvikts der „Olymp“, hier residierte die Oberstufe.

Der Dachboden selbst ist zwar isoliert, aber noch nicht ausgebaut. Hier soll später ein Veranstaltungssaal für rund 80 Menschen entstehen.

Einen modernen Anbau, der aus Platzgründen nötig war, hat die Denkmalpflege ebenso genehmigt wie das neue Schieferdach und den Anbau eines Holzdecks mit Haupteingang im Süden des Gebäudes, das dadurch eine neue Ausrichtung erfährt. Im Nebengebäude, der Remise, hatten Vandalen alle Fenster eingeworfen. Denkmalgeschützt ist hier nur der Giebel. „Und so haben wir uns entschlossen, das Gebäude komplett wieder instand zu setzen“, sagt Wolf. Als Lager für Geräte oder Möbel könne man es auf jeden Fall nutzen.

Die von Schlinggewächsen zugewucherten Garagen im Außenbereich wurden abgerissen, wilde Brombeerhecken entfernt, Bäume gestutzt. Auch der Obelisk, der das Gelände in der Sichtachse mit dem Schlossgarten verbindet, steht wieder frei.

Besonders deutlich wird die Rückbesinnung auf die Tradition an diesem Detail: Ein Mosaikfenster aus dem früheren „Kardinalszimmer“ wird repariert und in die neue kleine Hauskapelle im Erdgeschoss eingebaut. Früher war das im Zimmer versteckte Fenster die alte Apsis der Kapelle aus Konviktszeiten. Der besinnliche Raum soll den künftigen Bewohnern immer offen stehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare