I-Nord: An der Noah-Moschee lärmt es nachts regelmäßig

Ruhestörung: Manche denken ans Wegziehen

Dieburg - Anrufe wegen Ruhestörung gehören für Polizei wie Ordnungsamt zum Tages- und Nachtgeschäft. Wer selbst aber um den Schlaf gebracht wird - und das nicht einmal, sondern regelmäßig -, für den wächst sie sich zur ernsten Belastung aus. Von Jens Dörr

So derzeit der Fall im Industriegebiet-Nord: Nachbarn der Noah-Moschee (neben dem „Pearl“-Bowling-Center in der Benzstraße) klagen über häufigen Lärm am Abend und in der Nacht. Jüngst erregte zudem eine große kurdische Trauerfeier auf dem Parkplatz mit Aufbahrung eines Sargs Anstoß, weil die Parkplätze nicht ausreichten und die umliegenden Straße mehr oder weniger legal zugeparkt wurden. Einige Anwohner denken nun an Wegzug, weil sich keine Besserung abzeichnet.

„Sie können sich nicht vorstellen, was wir hier mitmachen“, sagt eine Anwohnerin, die Polizei und Ordnungsamt „Hauptbeschwerdeführerin“ nennen, die aber betont, dass es auch Beschwerden der Nachbarn sowie eines benachbarten Gewerbetreibenden bei den Behörden gegeben habe. Etwa alle zwei Wochen sei der abendliche und nächtliche Lärm, der besonders bei offenen Fenstern aus der Moschee schalle, aber auch vom Parkplatz komme, nicht mehr zu ertragen. „Es ist unmöglich, dann zu schlafen - im Sommer bei eigenem gekippten Fenster schon gar nicht.“ Seit Ende des vergangenen Jahres gehe das schon so. Während des Ramadan sei es besonders schlimm - aber eben nicht nur während des Fastenmonats.

Die kurdischen Moslems aus Dieburg und Umgebung treffen sich seit einiger Zeit in eben jener Noah-Moschee. Das Gebäude neben dem Bowling-Center kaufte Mehmet Kurtay der Volksbank ab, vermietet in dem grün gestrichenen Bau einerseits Wohnungen, richtete im Erdgeschoss andererseits eine Noah-Moschee ein. „Ich hatte beim Kauf zumindest gehofft, sie als solche nutzen zu dürfen.“ Genehmigt worden sei allerdings „nur“ der Betrieb einer Gaststätte. Dort träfen sich kurdische Moslems auch, um über Religion, Kultur und Politik zu diskutieren.

Kurtay ist dabei wichtig: „Die nächtlichen Störungen kommen meist durch Besucher des Parkplatzes, die weder die Gaststätte noch das ,Pearl’ besuchen.“ Er räume allerdings ein, dass es gerade beim Kommen und Gehen seiner Gäste auch zu Lärm komme. „Ich bitte die Leute immer wieder, ruhig zu sein.“ Die Polizei sei in der Tat schon mehrfach da gewesen, habe etwa die Schließung der Fenster angeordnet, der man auch nachgekommen sei. Die Anwohnerin sagt, nach dem Abgang der Polizisten gehe es meistens unvermindert weiter.

Polizeisprecher Ferdinand Derigs, der im Sommer sechs Fälle registrierte, „meistens gegen 20, 21 Uhr sowie um 2 Uhr nachts“, räumt ein, dass man nur bedingt kontrollieren könne, was geschehe, wenn man wieder weg sei. „Die Polizei ist da dran“, verspricht er aber auch.

Zur Trauerfeier mit laut Anwohnern 300, laut Kurtay 150 Gästen, sagt der Inhaber der Immobilie und Betreiber der Gaststätte, die faktisch aber auch als Moschee - wie es auch das Türschild benennt - genutzt wird, sie bleibe eine einmalige Sache. In seinem Bekanntenkreis sei ein Mädchen gestorben, man habe einen Platz gesucht, an dem sich der große kurdische Familien- und Freundeskreis habe verabschieden können. Da habe er zugesagt, man könne die Veranstaltung an einem Freitagvormittag auf dem Parkplatz des „Pearl“ durchführen. „Es tut mir leid, dass nicht korrekt geparkt wurde. Wir hatten einfach zu wenige Parkplätze auf dem Gelände.“

Während mehrere der Anwohner wegen anhaltend gestörter Nachtruhe nun ernsthaft einen Wegzug erwägen, sind dem Dieburger Ordnungsamt die „Beschwerden bekannt“, die Hände vorerst aber gebunden. Man benötige nun seitens der Anwohner ein Lärmprotokoll nach dem Ordnungswidrigkeiten-Gesetz mit mindestens zwei Unterschriften und Zeitangaben. Dann könne man ein Bußgeld verhängen. „Das Protokoll liegt mir aber bis heute noch nicht vor“, sagt Christiane Preiß, die sich mit dem Fall beschäftigt hat. Sie brauche „etwas Handfestes“, um weiter vorzugehen. „Die Anwohner können aber jederzeit zusätzlich privatrechtliche Schritte unternehmen.“

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