2017 kein neues Straßenbauprojekt

Rund 400 Bürger beim Neujahrsempfang der Stadt in der Römerhalle

Dieburg - Aufs neue Jahr stießen gestern Nachmittag rund 400 Dieburger mit den Repräsentanten der Stadt in der Römerhalle an. Auch Vertreter der Kirchengemeinden, der Landrat sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete waren gekommen. Von Lisa Hager 

Als erster Bürger der Stadt begrüßte Stadtverordneter Dr. Harald Schöning die Gäste. Der Tatsache, dass das Jahr 2016 im Rückblick wegen Terror und globaler Unsicherheit nicht so gut wegkam, setzte er Positives entgegen. „Die allgemeine Lebenserwartung ist gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken, die Zahl der Hungernden in der Welt auch.“ In Dieburg selbst gebe es neben den negativen Dingen, zu denen er 2016 den Verlust des Krankenhauses und das Verkehrschaos zählte, auch viel Positives zu erwähnen. Man habe ein Carsharing-Angebot geschaffen, das Blockheizkraftwerk für die Kläranlage gebaut, Windelcontainer aufgestellt. „Und die Abdeckung in der Kinderbetreuung ist sehr gut“, sagte er. Positiv sei auch die 20-jährige Partnerschaft mit Mladá Boleslav zu bewerten – umso höher in einer Zeit, in der in vielen Ländern Europas der Nationalismus wieder erstarke.

Die Sanierung der Dieburger Straßen würden in diesem Jahr fortgesetzt und auch auf dem städtischen Sportplatz und im Freibad werde sich 2017 einiges tun, gab er einen Ausblick. „Sorge bereitet mir aber die Entwicklung in der Innenstadt“, so der Stadtverordnetenvorsteher. „Halten Sie den Geschäften im Zentrum die Treue“, rief er die Anwesenden im Saal auf. Bürgermeister Dr. Werner Thomas spielte in seiner Neujahrsansprache auch mit dem Spannungsfeld zwischen Negativem und Positivem. „Der Pessimist“, so sagte er, „sieht Schwierigkeiten bei jeder Gelegenheit.“ Der Optimist aber sieht Gelegenheiten bei jeder Schwierigkeit.

Er bat um Verständnis für die negativen Begleiterscheinungen der dringend notwendigen Straßenbaumaßnahmen. „Wir haben schließlich im Stadtgebiet rund 90 Straßenkilometer und ebenso viele Kanalkilometer zu pflegen“, sagte er. Beifall gab es für den Zusatz, dass in diesem Jahr kein neues Straßenbauprojekt angefangen würde. Man dürfe nicht übersehen, wie viel Positives geschafft worden sei, die moderne Stadtbibliothek in der Zuckerstraße beispielsweise. Ausdrücklich bedankte er sich bei Anne Sattig, die vormals im Rathaus den kleinen Vorläufer der heutigen Bücherei installiert hatte.

Gegen die Möglichkeit, das Rochus-Krankenhaus zu verlieren, habe er sich mit dem ihm eigenen Optimismus lange Zeit gestemmt, gab Thomas zu. Trotzdem werde er jetzt alles daran setzen, um einen Gesundheitscampus auf dem Gelände zu realisieren. Der starken Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbeflächen werde man mit der Ausweisung von Baugebieten im Süden und Westen und auf den Allmendländern begegnen. Aber auch die Verdichtung innerstädtischer Flächen müsste dafür herangezogen werden. Mit Blick auf persönliche Veränderungen – der Amtsinhaber tritt ja zur Bürgermeisterwahl nicht mehr an – meinte er zum Schluss: „Wenn Ihnen meine Ansprache zu lang gedauert hat – ich verspreche Ihnen, es wird nicht wieder vorkommen.“

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