Schalk und Sonne im Genick

Dieburg - Mit rund 90 000 Besuchern (laut Polizei) feierte der Karnevalverein Dieburg bei strahlendem Sonnenschein am Dienstag seinen großen Umzug - den Höhepunkt der Kampagne „Sitzt der Schalk dir im Genick - isses Fassnoacht, woas e Glick“. Von Dirk Beutel

Zum ersten Mal wurde der Zugweg im Epizentrum des Narrentums geändert. Nicht wie gewohnt bewegte sich der Narren-Lindwurm mit seinen 111 Zugnummern durch die enge Zuckerstraße, sondern machte ab dem Steinweg eine Schleife drumherum. Mit lautstarken Äla-Rufen begleitet zogen die 70 Fastnachtsgruppen als schwertschwingende Samurais, Handkäs´ mit Musik, wilde Hunnen und verliebte Engel verkleidet durch die Stadt. In Frack, Dirndl und Lederhosen ließen die „Schelleklobber“ im wahrsten Sinne des Wortes die Kuh fliegen.

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Die grünen Blattfresser der „08/15“-Bücherwürmer zeigten mit Lesebrille und Doktorhut, dass sie „intelligentere“ Kost bevorzugen. Während die „Ollwell“-Gruppe, getreu dem Motto „Sauer macht lustisch“ als quietschgelbe Zitronen für närrische Stimmung sorgte. Das galt auch für den „KC-Promill“, der sich mit kleinen Ölkanistern bewaffnet als „Die Ölscheichs vom Marienplatz“, über die Grundwassertests für den geplanten Marienplatzkreisel lustig machte. Dagegen wollten vermutlich die Mitglieder des Sportclubs „Haxenknacker“ den berühmten Hollywood-Regisseur James Cameron mit ihren Avataren so richtig neidisch machen.
Kein Wunder, denn die außerirdischen „Krieger der blauen Lunge von der Gersprenz“ sahen nicht nur auf Blu-Ray gut aus. Völlig friedlich feierten die „Puhlwerm“ auf ihrem Planwagen die Dieburger Fastnacht. Da vertrugen sich sogar Rothäute und Bleichgesichter miteinander. Kritischere Narrentöne kamen da von den „Krummtrährern“ des SC Hassia. Ihren Mottowagen zierte die Inschrift „Römerhalle - Schuldenfalle“. Dass es aber auch durchaus Dieburger Bauprojekte gibt, denen die Bürger wohlgesonnen sind, wie etwa die Bahnunterführung, daran erinnerten die „Bleschohr´n“ als Sultane aus 1001 Nacht ausstaffiert.
Wahrscheinlich wurden auch die „Strooßeflitzer“ von der amerikanischen Filmindustrie inspiriert. Genauer: von Alice im Wunderland. Die rauchende Raupe, die riesige Dampfwolken ausspeit, zierte den Mottowagen, hinter dem die bunt kostümierten Hutmacher fröhlich lachten und tanzten. Auch das aktuelle Prinzenpaar Kerstin I. und Gregor I. präsentierte sich am Ende des Zuges als Augenweide, traditionell vor dem „Aschermittwochskater“, der schon androhte, dass bald alles vorbei ist. Doch bis dahin feierte die Dieburger Narrenschar noch lange ausgelassen auf dem Marktplatz, in Wirtschaften und Kneipen.

Rubriklistenbild: © Patrick Liste

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