Schlange stehen auf der Orgelmeile

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Lang war die Besucherschlange vor der evangelischen Kirche.

Dieburg - „Das ist ja wie an Weihnachten“, scherzte der Kirchenvorstandsvorsitzende Dieter Klages, als er zur Begrüßung der Besucher seinen Blick durch die vollbesetzte evangelische Kirche schweifen ließ. Von Verena Scholze

In der Tat hatte die Orgelmeile zu ihrem fünfjährigen Jubiläum eine so große Resonanz zu verzeichnen, das bereits beim ersten Veranstaltungsort nachbestuhlt werden musste. „Mit so einem Andrang haben wir nicht gerechnet“, freute sich Richard Berg, der als Ideengeber der Orgelmeile gilt und auf die Warteschlange vor der Kirche wies.

Viele der Besucher hatten bereits im Vorfeld ihre Karten gekauft. Andere entschlossen sich spontan für den Besuch der Konzerte, so wie Elisabeth Koch und Renate Friedrich. Die beiden Darmstädterinnen waren vor zwei Jahren das erste Mal Gäste der Orgelmeile. „Uns hat es damals schon so gut gefallen, dass wir heute alle Konzerte besuchen werden“, erklärten die beiden.

Über die kommunalen Grenzen hinaus bekannte

Thomas Swartman begeisterte das Publikum zum Auftaktkonzert mit Horn und Alphorn (Bild). Die Kirche musste nachbestuhlt werden.

Diese über die kommunalen Grenzen hinaus bekannte Musikveranstaltung ist eingebettet in den Kultursommer Südhessen. Als vor einigen Jahren Richard Berg auf die Idee kam, eine abendliche Orgel-Konzertreihe zu veranstalten, wurde er zunächst belächelt. „Orgelmusik ist zu schwer und zieht nicht“, lautete die allgemeine Meinung. Berg jedoch hatte bereits ein besonderes Konzept im Kopf und trug diese Idee an den Bürgermeister und die Kirchen Dieburgs heran. Denn das Konzept der Orgelmeile paart leidenschaftliche Orgelmusik mit anderen Instrumenten oder einem Vocalensemble. Hinzu kommt die Möglichkeit der kurzen Spaziergänge von Kirche zu Kirche, wo für die Besucher Verköstigungen bereit stehen. „Ich freue mich sehr zu sehen, wie viele Besucher diese Veranstaltung in die Kirchen zieht“, sagte Klages.

Jedes Jahr wechselt der Auftakt zwischen evangelischer Kirche und katholischer Kirche St. Wolfgang. „Wir hatten dieses Jahr noch mehr Besucher als 2012“, freute sich Berg. Ebenso äußerte er sich lobend über die gute Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligten: „Wir ziehen von Anfang an alle an einem Strang.“

Hochkarätig war auch wieder das Programm, das die Konzertdirektion Berg auf die Beine gestellt hatte. Den Auftakt der Orgelmeile bildeten Thomas Swartman (Horn und Alphorn) und Albert Schönberger (Mainzer Domorganist i. R.). Abwechselnd boten die beiden Musiker Stücke an ihren jeweiligen Instrumenten und zogen das Publikum bereits von Beginn an in den Bann. „Wie schafft er es, aus dem Alphorn solche Töne hervorzubringen?“, fragte sich eine Gruppe von Besuchern nach dem Konzert vor der Kirche bewundernd und voller Respekt.

Von der evangelischen Kirche ging es für die meisten Besucher weiter zu Fuß in Richtung Wallfahrtskirche, wo das nächste Highlight auf sie wartete. Michèle Müller und Ruth Schwachhöfer (Violine), Johannes Kasper (Violoncello) und Andreas Boltz (Orgel) boten mit italienischer Barockmusik eine andere Musikrichtung als die des Auftaktkonzertes und begeisterten auch hier das Publikum. Dritte und meistbesuchte Anlaufstelle war die Pfarrkirche St. Peter und Paul, wo das Konzerthighlight des Abends auf die Besucher wartete. Matthias Schlubeck mit der Panflöte und Ludger Janning an der Orgel begeisterten die Besucher. „Auf das Konzert von Herrn Schlubeck haben wir uns besonders gefreut“, sagte Ingrid Heinemann, die gemeinsam mit ihren Mann Peter aus Eppertshausen kam. „Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich ihn auf der Panflöte spielen höre“, ergänzte sie.

„Jedes Konzert ein Genuss“

Das ebenfalls begeistert aufgenommene Abschlusskonzert bildeten Roman Kuperschmidt (Klarinette) und Stanislav Rosenberg (Orgel) in der Kirche St. Wolfgang.

„Jedes Konzert ist für sich ein Genuss“, zog eine Besuchergruppe am Ende eine kurze Resonanz. „Jede Kirche besitzt eine einzigartige Atmosphäre und die Musikauswahl war wieder von sehr hoher Qualität“, waren sich die Besucher einig. Auf die häufige Frage der Besucher, welches Programm nächstes Jahr denn geplant sei, ließ Berg die Antwort noch offen und freute sich erst einmal über die rundum positive Resonanz. Fest steht jedenfalls, dass es auch nächstes Jahr wieder eine Orgelmeile geben wird.

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