Schlossgespräch des Rotary Clubs Dieburg-Babenhausen

Soziale Medien als Gefahr und Chance zugleich

Dieburg - In der heutigen Medienwelt fragen sich Eltern, wie viel Facebook, Instagram und WhatsApp gut für das eigene Kind ist. In seinem jüngsten Schlossgespräch ging der Rotary Club Dieburg-Babenhausen deshalb der Frage nach, was soziale Medien mit uns machen. Von Michael Just 

Soziale Medien – ein vielschichtiges Themenfeld. Um es aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, hatte der Rotary Club Dieburg-Babenhausen zu seinem jüngsten Schlossgespräch ins Dieburger Schloss Fechenbach sechs Experten eingeladen. Einer von ihnen: Johannes Hornung, Lehrer und Medienschutzbeauftragter an der Babenhäuser Joachim-Schumann-Schule. Er hob heraus, dass viele Schulen nicht wie Polizisten die Internet-Tätigkeit der Schüler überprüfen können. Das gehe schon mit Blick auf den Lernstoff nicht. „Vielen Eltern muss einfach bewusster werden, dass sie bei der Erziehung auch für den medialen Raum zuständig sind“, erklärte Hornung. Eine stärkere Verzahnung von Eltern, Kind und Schule sieht er als wünschenswert an.

Ingo Radermacher vom Kreiselternbeirat Darmstadt-Dieburg führte an, dass es nicht damit getan sei, Facebook und Co. zu verbieten. Eltern wären aus seiner Sicht besser beraten, die Entwicklung willentlich und wissentlich zu begleiten. „Bestimmte Eltern erreichen wir zu diesem Punkt aber nicht. Das ist das größte Problem“, sagte Radermacher.

Eine nachdenklich machende Darstellung seiner Arbeit hatte Robert Frank vom therapeutischen Zentrum in Eppenhain mitgebracht. Er berichtete über Jugendliche, die sich komplett in Online-Communities zurückgezogen hätten. Das Resultat: Der Verlust sämtlicher Bezüge zur realen Welt. Die Therapie finde laut Frank mit einer Totalabstinenz statt. Dennoch würde man die Betroffenen nach einer Zeit wieder online schicken: „Die neuen Medien sind wichtig. Ohne sie kann heute niemand im Beruf existieren“, gab er zu verstehen. Der erneute Einstieg passiere allerdings unter dem Vorbehalt der Selbstkontrolle.

Abiturient Johannes Scharner verdeutlichte, dass er viel Zeit im Netz verbringt. Die neuen Medien ordnet er deshalb eher positiv als negativ ein. Vor allem die Chance, Netzwerke aufzubauen, betrachtet er als großen Vorteil. „Es funktioniert nicht mehr ohne“, machte der 19-Jährige klar.

Ein besonderes Augenmerk lag auf Daniel Ullrich, Wissenschaftler an der LMU München und in Darmstadt. Zum Thema trat er bereits als Autor in Erscheinung: In seinem Buch „Digitale Depression“ recherchierte er, wie die neuen Medien das Wohlbefinden der Menschen verändern. Um dieses zu erhalten, ist für ihn vor allem Medienkompetenz und Hintergrundwissen notwendig. Wie entstehen neue Medien? Wie werden sie gemacht? Solche Fragen sollte für ihn jeder in Bezug auf die sozialen Netzwerke oder der Virtual Reality von Computerspielen beantworten können. Damit sei auch die Erkenntnis über die nicht vorhandene Moral der Internet-Konzerne verbunden: „Soziale Bedenken spielen hier keine Rolle. Es geht nur um Möglichkeiten und um Geld.“

Das Schlossgespräch war das 20. seiner Art. Die Resonanz im Schloss Fechenbach hätte durchaus etwas größer ausfallen dürfen vonseiten der jungen Generation blieb das Interesse gering. So lag es vor allem am Podium und am Publikum, das sich vornehmlich im mittleren Alter befand, zu resümieren, ob die neuen Medien eher Fluch oder Segen sind. Die Antwort liegt dazwischen, bilanzierte Frank. Er sehe Gefahren und Chancen zugleich. Grundlegend sei es, viel darüber zu wissen, um gegensteuern zu können.

Kein Tag zum Feiern: Die Pressefreiheit ist weltweit bedroht

Keine exakte Antwort gab das Podium darauf, ab welchem Alter ein Smartphone für Kinder sinnvoll ist und ob man die tägliche Nutzung zeitlich begrenzen sollte. „Die Reife eines Kindes ist entscheidend. Eltern sollten ihre Töchter und Söhne kennen“, formulierte Radermacher. Ullrich schlug zudem eine Art Online-Knigge vor, der von Benutzer-Seite kommen müsste. Eine Benimmregel könnte sein, dass man in eine Bar kein Handy mehr mitnimmt. Oder die grundlegende Erkenntnis, dass man der Technologie keinen Vorrang vor Menschen einräume. Ganz nach der Tatsache, dass sich „die Realität immer schöner als das Online-Sein“ darstellt.

Quelle: op-online.de

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