Agentur Richard Berg sucht neue Sponsoren / Treue Gäste

Schlussakkord in Moll für Schlosskonzerte

Das „Campanella Trio“ begeisterte kürzlich das Publikum im Schloss Fechenbach. Nach weiteren zwei Konzertabenden stehen die Dieburger Schlosskonzerte vor dem Aus.

Dieburg - (eha/ves) Mit den letzten Tönen des Klezemer-Konzerts Ende November erklingt auch der Schlussakkord für die Dieburger Schlosskonzerte: Da die Stadt wegen des Haushaltssicherungskonzepts die Zuschüsse streicht, steht die bei Kennern beliebte Konzertreihe im Schloss Fechenbach vor dem Aus.

„Wenn es mir nicht gelingt, Sponsoren zu finden, kann ich die Reihe nicht mehr fortsetzen“, sagt Richard Berg von der gleichnamigen Konzertagentur, der dieses „Baby“ vor 20 Jahren in die Welt gesetzt hat und jetzt von ihm Abschied nehmen soll.

Nach 120 Konzerten - es stehen noch zwei Veranstaltungen aus - fällt der Vorhang. „Die 700 bis 800 Euro, die ich pro Konzert als Zuschuss bräuchte, um das Niveau zu halten, kann ich nicht selbst aufbringen“, sagt Berg. Jetzt sucht er Sponsoren, mit denen er kammermusikalische Konzerte dieser Art weiter in Dieburg anbieten könnte.

Kürzlich war es das „Campanella Trio“, das dem begeisterten Publikum Orchesterstücke berühmter Komponisten wie Paganini, Sarasate, Händel und Brahms päsentierte. Evgenia Gelen und Egor Grech verzauberten mit eindrucksvollem Violinenspiel. Begleitet wurden sie von Robert Weinsheimer am Klavier.

„Ich bin immer wieder von der musikalischen Qualität dieser Schlosskonzerte beeindruckt“, schwärmte ein Besucher. Der ältere Herr kommt seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau regelmäßig zu den Abenden ins inzwischen sanierte Schloss. „Ich bedauere es zutiefst, dass die Konzertreihe nach der Saison abgesetzt wird“, erklärte er erschüttert. Er hofft auch, dass sich ein Sponsor findet, der die Schlosskonzerte am Leben erhält. „Ansonsten müssen die Liebhaber dieser Musik nach Darmstadt oder Frankfurt fahren, um ähnliche Musikereignisse erleben zu können“, so der Rentner.

Dass der Osten des Landkreises mit dem Wegfall der Schlosskonzerte zum „weißen Fleck“ für Kammermusik werden könnte, befürchtet auch Richard Berg. Denn in Reinheim und Groß-Umstadt beispielsweise „läuft in diesem Bereich ja schon lange nichts mehr“.

Stolz ist er auf die Auswahl „seiner“ Künstler in den vergangenen 20 Jahren, unter denen so mancher schon eine Weltkarriere hingelegt hat. Berg erinnert beispielsweise an den inzwischen 21-jährigen Isang Enders, der es zum Solocellisten der Stadtkapelle Dresden gebracht hat. Und der Geiger Sergej Khachatryan, der schon im Schloss Fechenbach gastierte, hat 2005 den Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel gewonnen, der als schwerster der Welt gilt.

„Jetzt kommt am 24. Oktober noch das Klavierduo Lars Keitel und Thomas Hermann unter anderem mit dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns“, sagt Berg, „und am 21. November Roland Kuperschmidt mit seiner Klezmerband - dann ist es aus, wenn sich keine Lösung findet.“

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