Forstamt Dieburg

Schnelle Hilfe im Wald

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In einer detaillierten Karte sind alle Rettungsstationen im Landkreis vermerkt.

Dieburg - Ein Jogger, der auf einmal umknickt, ein Fahrradfahrer, der auf dem Split ausrutscht und sich am Knie verletzt oder aber ein Arbeiter, der sich beim Baumfällen den Fuß einklemmt – die Szenarien von Unfällen im Wald sind vielfältig. Von Corinna Hiss 

Darum ist es besonders wichtig, dass schnell Hilfe kommt, wenn doch mal was passiert. Thomas Schmalenberg vom Forstamt Dieburg kennt sie alle, und weiß: „In Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet und der Naherholung im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind die Wälder besonders belebt. Da steigt natürlich auch das Unfallrisiko.“

Damit Personen dort abgeholt werden können, wo sie sich verletzt haben, gibt es in ganz Hessen insgesamt 4 300 Rettungspunkte. Sie alle sind zwar im Wald gelegen, können jedoch von Feuerwehr, Notarzt oder der Polizei leicht erreicht werden. Zwischen Dieburg und Babenhausen sind allein 100 Rettungspunkte vermerkt, die über eine Fläche von 15.000 Hektar verstreut sind. Auch die Wälder um Eppertshausen oder Groß-Zimmern sind genügend abgesichert. Dabei sind die Stationen nicht wahllos befestigt. „Es wurde darauf geachtet, dass sie sich an Orten befinden, die besonders häufig frequentiert sind“, beschreibt Schmalenberg. So fällt beim Blick auf die Karte, in der auf mehreren Seiten jeder Rettungspunkt verzeichnet ist, auf, dass zwischen Dieburg und Messel gleich mehrere rote Punkte zu sehen sind. Das hat einen einfachen Grund: „An der ehemaligen B 26 finden viele Waldarbeiten statt. Also kann sich dort schneller jemand verletzen, der dann Hilfe braucht.“

Netz der Rettungspunkte engmaschig

Auch wenn des Netz der Rettungspunkte engmaschig ist – im Wald verliert so mancher leicht die Orientierung. Und woher sollte der Verletzte auch wissen, wo er sich gerade befindet, wenn um ihn herum nichts als hohe Bäume und dichtes Gestrüpp zu sehen ist? Um auch im Ernstfall den Überblick zu behalten, hat jetzt Hessen Forst eine neue App entwickelt, die mittels GPS im Smartphone den eigenen Standort ermittelt und gleichzeitig den nächstgelegensten Rettungspunkt angibt. Wer sich trotz Unfall noch fortbewegen kann, findet den Weg zur Station schnell über die Navigationsfunktion. „Die App sagt mir, wie weit es bis zum nächsten Rettungspunkt ist und wie er heißt“, erklärt Schmalenberg. Dabei spielt der Name eine wichtige Rolle, denn darüber haben die Rettungskräfte sofort eine genaue Beschreibung, wo sich der Verletzte aufhält. Die Stationen in Dieburg und Umgebung haben alle die Bezeichnung „DA“ und die jeweilige Nummer.

Thomas Schmalenberg zeigt, wie die Rettungsstationen in Dieburgs Wäldern aussehen – wie hier nahe der Polizeistation an der K 128.

Waldarbeitern sind die Rettungspunkte in der Regel geläufig. Auf ihrem Auftragsblatt steht meist schon der Name der nächsten Station drauf. „Jogger, Radfahrer und Wanderer sind oft noch nicht so vertraut mit dem System“, sagt Schmalenberg. Mit der neuen App soll sich das ändern, denn sie hilft nicht nur, sich selbst im Wald zu orientieren, sondern vereinfacht auch die Arbeit von Polizei, Feuerwehr oder Notärzten. Die Treffpunkte für die Rettungskräfte sind einheitlich gekennzeichnet und somit leicht zu erkennen: Grüne Schilder mit einem weißen Kreuz, der Abkürzung des jeweiligen Landkreises und einer ein- bis vierstelligen Nummer weisen die Rettungspunkte aus. „Im Notfall ist es elementar, dass die Helfer nicht noch lange nach dem Verletzten suchen müssen“, betont der Förster.

Erst kürzlich wurde er von der Polizei gerufen, weil sich ein Jugendlicher auf dem nächtlichen Heimweg im Wald verirrt hatte. „Er kannte weder unsere App noch die Rettungspunkte – und konnte somit nur einen vagen Anhaltspunkt geben, wo er sich gerade befindet“, so Schmalenberg. Das Dilemma im Dunkeln ging dennoch gut aus: Nachdem der Förster den Jugendlichen gefunden hatte, konnte er ihn wohlbehalten nach Hause bringen. Obwohl das System von Hessen Forst Sicherheit gibt, hat Schmalenberg einen elementaren Tipp: „Seid im Wald niemals alleine unterwegs!“

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