Schon immer ein feuriges Anwesen

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Im ältesten noch existierenden Dieburger Gebäude ist heute unter anderem das Restaurant „Mephisto“ zuhause.

Dieburg - Nichts ist beständiger als der Wandel. Dieburg macht da keine Ausnahme: Was einst das Stadtbild prägte, ist heute teilweise in Vergessenheit geraten. Was vormals wichtig war, fristet heute ein Schattendasein. Von Jens Dörr

Manches ist auch geblieben und hat sogar an Bedeutung gewonnen – auf jeden Fall hat sich vieles verändert. In seiner Serie „Dieburg – früher, heute“ blickt der DA in loser Folge auf markante Stellen der Stadt, beschreibt in Wort deren Entwicklung und vergleicht zudem in Bild, was einstmals war und heute ist.

Die Recherche zur Serie unterstützt der Heimatverein Dieburg, allen voran dessen Ehrenvorsitzende Anne Sattig. Die Repros gehen teilweise auf den Fotonachlass von Josef Blank – freundlicherweise zur Verfügung gestellt von dessen Schwiegersohn Hans Rohmann – zurück. Aber auch weitere Dieburger stellen für diese Serie Bilddokumente bereit. Viele von ihnen wissen etwas zur Historie ihrer Stadt beizutragen. So wurde für die heutige Folge auf eine Zusammenfassung von Lutz Stör für das „Mephisto“ am Dieburger Marktplatz zurückgegriffen. DA-Leser haben überdies jederzeit die Möglichkeit, Anregungen zur Serie zu äußern. Der Autor ist erreichbar, unter 0151 18458014, oder per E-Mail: jensdoerr@gmx.de.

Die heutige Folge widmet sich – wie im Prolog erwähnt – dem „Mephisto“ am Dieburger Marktplatz.

Das „Mephisto“

Ja, es geht in der heutigen Folge von „Dieburg – früher, heute“ um das „Mephisto“ am Dieburger Marktplatz –und nein, es geht nicht um Burger oder Kochkäs-Schnitzel, gleichwohl sich deren schmackhafte Vertreter dort heute ordern lassen. Denn das beliebte Bistro – mit seinem „Mephisto-“ sowie seinem „Kronekeller“ – hat noch wesentlich mehr zu bieten: nämlich ein langes Stück Dieburger Geschichte. Genauer: die längste Geschichte, was heute existierende Dieburger Gebäude betrifft. Das „Mephisto“ befindet sich im Gebäuderest des ältesten Hauses der Stadt.

Erbaut wurde es 1358, war damals doppelt so breit und doppelt so tief wie heute. Das Haus war zweigeschossig, das Erdgeschoss etwa vier bis fünf Meter hoch. Zwischen dem vorderen (sich dem Marktplatz zuwendenden) und hinteren Bereich gab es aufgrund einer sich durchziehenden Wand keine Verbindung. Der vordere Teil des Erdgeschosses war eine mit Fresken ausgemalte Halle, die um 1360 entstandenen sind.

Die repräsentative Gestaltung lässt vermuten, dass es sich um ein öffentliches Gebäude handelte. Anne Sattig, Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, hält ein einstiges „Mainzer Amtshaus“ für wahrscheinlich. Denkbar ist auch, dass das Haus im Besitz eines sehr reichen Privatmannes gewesen war.

Brand im Jahr 1437

Was sich durch die Jahrhunderte zieht: Das Gebäude hatte stets mit Bränden zu kämpfen und weist insofern eine teuflisch-tragische Historie auf. Vor diesem Hintergrund könnte der Name „Mephisto“ kaum besser gewählt sein. Nach einem Brand im Jahr 1437 wurde das Gebäude auf seine heutige Größe reduziert, gleichzeitig wahrscheinlich in die heutigen drei Geschosse geteilt. Der Keller reichte dabei über das verkleinerte Haus hinaus. Im 16. Jahrhundert wurde die alte Tiefe des Hauses durch einen zweigeschossigen Anbau wiederhergestellt.

Die Repro aus den 60ern zeigt, dass im heutigen Gebäude mit „Mephisto“ und Impuls früher noch das Gasthaus „Zur Krone“ beheimatet war.  

Kurz nach 1600 wurde das Haus von dem Dieburger Schuster Philipp Kretzer erworben; davon zeugt eine Inschrift mit Namensnennung und der Darstellung einer Schusterahle sowie eine Steuerliste aus dem Jahr 1608.

Kretzer ließ die beiden unteren Geschosse massiv in Sandstein ausmauern. Er und seine Familie fielen dem Hexenwahn zum Opfer und wurden 1627 hingerichtet.

Im Jahr 1753 fand der letzte wesentliche Umbau des Hauses statt. Dabei wurde der Giebel gedreht und durch einen barocken Mansard-Giebel ersetzt, dessen Tropfkante seither zum Marktplatz weist.

Erforschung der Baugeschichte

Die Erforschung der Baugeschichte des Hauses und die Entdeckung der Fresken fand im Rahmen von Untersuchungen der Dieburger Bausubstanz in den 1980ern statt.

Im Laufe von Restaurierungsmaßnahmen - die Sattig zufolge etwa 100 000 Euro kosten sollten - brannte das Haus 1992 ab. Hierbei wurde der größte Teil der Fresken vernichtet. Zwei der Wandbilder konnten jedoch gerettet werden und sind heute im Museum zu besichtigen.

Der Originalbestand des ältesten Hauses Dieburgs reduziert sich heute im Wesentlichen auf die Gewölbekeller und kleinere Teile des Erdgeschosses.

Wer im „Mephisto“ vespert, schnuppert nicht nur am Burgerfleisch oder Kochkäse-Happen, sondern immer auch ein bisschen an einem spannenden Kapitel Dieburger Geschichte.

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