Schranke weicht pünktlich

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Ein vertrauter Anblick an der Schranke in der Frankfurter Straße: Schlangestehende Autos, Fußgänger und Radfahrer. Die Arbeiten am Abhilfe schaffenden Tunnel sollen termingerecht Ende 2011 zu einem Happy End kommen.

Dieburg (hov) ‐ Die Bahnunterführung ist nicht gerade Heinz Schneiders Lieblingsthema, auch wenn er immer wieder darüber spricht. Fast täglich, wenn er nach Dieburg fährt, um seine Tochter zu besuchen, ist das Warten ein Thema für den Münsterer.

Wenn auf der Baustelle ja wenigstens was passieren würde, wäre es ja in Ordnung“, erklärt Schneider. „Aber seit Monaten tut sich nichts, und trotzdem steht man ständig vor der geschlossenen Schranke. Es ärgert mich laufend, dass nicht weiter gearbeitet wird.“ Wie Schneider werden viele Autofahrer, die nach Dieburg rein oder aus Dieburg raus in Richtung Münster oder auf die Anschlussstelle Richtung B 45 wollen, immer wieder auf eine arge Geduldsprobe gestellt - denn manchmal bleibt die Schranke bis zu 20 Minuten geschlossen.

Für Schneiders Tochter, Anja Buchsbaum, die in der Frankfurter Straße 23 a und damit „voll im Smog-Einzugsgebiet“ wohnt, ist die Warterei aber längst nicht das einzige Ärgernis: Nicht enden wollende Autoschlangen blockieren morgens wie abends die Ein- und Ausfahrt zur Tiefgarage. Weil alle Fenster der Wohnung zur Straße gerichtet sind, ist Lüften im Sommer nur spät abends möglich. Auch der Balkon ist seit Monaten verwaist, denn Gestank, Wende-Aktionen und gelegentlich auch Hupkonzerte zerstören jede Erholung. Natürlich war die von Buchsbaum gewählte Wohnlage auch vor der Zeit der „Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs“, wie das mehr als 13 Millionen Euro teure Dieburger Großprojekt im Behördendeutsch heißt, nicht immer die ruhigste. „Aber jetzt ist es nicht nur für meinen elfjährigen Sohn, sondern selbst für Erwachsene lebensgefährlich, über die Straße zu gehen“, erzählt Buchsbaum. „Denn wenn die Schranke gerade mal offen ist, rasen die Leute auch mal mit 70 Sachen durch, um nicht wieder warten zu müssen.“

Bahn beendete Arbeiten früher als geplant

Trotz der zweifellos zahlreichen Sorgen und Nöte, die Anwohner und Autofahrer mit der Landesstraße 3094, der stark belasteten Ost-West-Achse zwischen Darmstadt und Dieburg, haben, gibt es doch auch gute Nachrichten für alle Geplagten: Es tut sich durchaus was auf der Baustelle Bahnunterführung.

Der Auftrag für die nächsten Bauabschnitte ist erteilt, die vorbereitenden Arbeiten laufen bereits“, sagt der städtische Bauamtsleiter Karl Schmitt. Bei Ortsterminen wurde in dieser Woche gemeinsam mit den Kollegen vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV), das für den nächsten Bauabschnitt verantwortlich ist, bereits vermessen und geplant. Bald rücken die Materialcontainer an, in ein bis zwei Wochen sollen dann die eigentlichen Arbeiten an der 300 Meter langen Straßenunterführung beginnen. Wenn bei den Bürgern der Eindruck entstanden sei, dass die Baustelle in den letzten Monaten stilllag, so liege dies keinesfalls an schlechter Planung oder Pannen.

Ende 2011 rollen die Autos endlich durch den Tunnel

Im Gegenteil: Grund für die mehrwöchige Arbeitspause war die Tatsache, dass der von der Deutschen Bahn durchgeführte erste Bauabschnitt - die Errichtung der Eisenbahnbrücke - schneller fertig wurde als geplant. „Es ist verständlich, dass die Leute sich ärgern, wenn sie niemanden arbeiten sehen“, räumt auch Arndt Jäger, stellvertretender ASV-Pressesprecher, ein. „Doch alles ist im Soll, die Bahn ist sogar weit früher fertig geworden, als es der Zeitplan verlangte.“ Dies sei normal, da man bei Arbeiten dieser Größenordnung stets großzügige Zeitpuffer einplanen müsse.

Und Jäger hat gleich noch eine gute Nachricht zu vermelden: „Wie auf den Schildern angekündigt, werden wir den Endtermin halten können.“ Ende 2011 sollen die Autos also endlich durch den Tunnel rollen. Dann hätte eine über 20-jährige Geschichte ihr Happy End gefunden, die die Mehrheit der Dieburger 1993 im ersten Bürgerentscheid Hessens selbst zu erzählen begonnen haben. Bis es soweit ist, fließt der Verkehr weiterhin über den „Ausweich-Übergang“ westlich der Frankfurter Straße - wenn er denn mal fließt.

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