Schülerunion kritisiert Handyverbot

Mobiltelefon statt Wörterbuch?

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Handy in der Schule? An der Alfred-Delp-Schule kein Problem. In der Pause dürfen die Schüler telefonieren und surfen. Nur im Unterricht muss das Gerät ausgeschaltet sein.  

Dieburg - Die Schülerunion Hessen fordert eine Lockerung des Handyverbots an Schulen und die Integration von Neuen Medien im Unterricht. Wie sieht es in Dieburg und Groß-Zimmern aus? Von Bettina Link

Ist das Handyverbot an Schulen richtig geregelt? Ja, sagen die Schulen. Wenngleich die Goetheschule Dieburg und die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Groß-Zimmern ein strengeres Verbot haben als etwa die Alfred-Delp-Schule (ADS) oder die Landrat-Gruber-Schule (LGS). Dennoch sind sich Schulleitung und Schülervertretung einig: Das Verbot ist angemessen.

In einer Pressemitteilung hat die Schülerunion Hessen kürzlich gefordert, Handys besser in den Schulalltag zu integrieren, sie spricht sogar von einem „irrationalen Verbot“, das „in die Freiheit der Schüler eingreift“. In der Konsequenz fordert sie eine Lockerung des Verbots genauso wie die Nutzung für Recherche oder Übersetzung im Unterricht.

Doch ihre Befürchtung, die Bildungseinrichtungen würden einzig mit einem Verbot auf den Fortschritt der modernen Technik reagieren, bestätigen die Schulen in Dieburg und Groß-Zimmern nicht.

Handys aus und in die Tasche

An der Goetheschule gilt zwar: Die Handys müssen aus und in der Tasche verstaut sein. Schulleiter Christof Maruschka ist dennoch wichtig, dass die Schüler den Umgang mit Medien auch in der Schule lernen. „Wir arbeiten stetig an einem Medienkonzept, ich kann mir auch vorstellen, dass die moderne Technik - wie ein Tablet - im Unterricht zum Einsatz kommt“, sagt Maruschka.

An dem Handyverbot in Unterricht und auf dem Schulhof rüttelt er indes nicht: „Wir haben diese Regelung gemeinsam mit Eltern und Schülern getroffen und sie wird akzeptiert“, sagt Maruschka.

Die Schulsprecherin Fiona Danz (16) bestätigt das, „auch wenn die Meinungen der Schüler auseinander geht“. Und natürlich werde die Regel an der Gesamtschule auch gebrochen: „Mindestens dreimal täglich wird ein Handy abgenommen“, weiß die Zehntklässlerin. Das einzige Problem für manche: „Die Eltern müssen das Gerät in der Schule abholen“, sagt Maruschka.

Verwendung im Unterricht ein Problem

Schüler, Eltern und Leitung an der Goetheschule sind sich einig, dass die Verwendung von Handys im Unterricht ein Problem bedeutet: Wer kein internetfähiges Smartphone habe, werde zum Außenseiter. „Das setzt Kinder unter Druck“, meint Maruschka.

Ähnlich wird das Handyverbot in Groß-Zimmern an der Albert-Schweitzer-Schule gehandhabt. Auch dort muss das Handy während des Unterrichts ausgeschaltet und in der Tasche sein. Ganz Zuhause muss das Handy aber nicht bleiben, denn Bärbel Tippe vom Team der Schulleitung befürwortet durchaus, dass Kinder im Notfall jemanden anrufen können. „Im Notfall dürfen die Kinder es anschalten, um etwa ihre Eltern anzurufen“, sagt Bärbel Tippe. Auch auf Wanderungen mit der Klasse sei das Gerät eine Hilfe, „wenn die Schüler in Gruppen alleine unterwegs sind, können sie mich jederzeit anrufen, wenn etwas ist“, sagt Bärbel Tippe. Doch im Unterricht hat das Telefon nichts zu suchen und für Übersetzungen setzt Tippe immer noch auf das Wörterbuch: „Damit müssen die Kinder schließlich auch umgehen können.“ Und in einer Klausur steht den Schülern sowieso nichts anderes zur Verfügung. Denn an allen Schulen – das sieht auch die Schülerunion ein – wird das Handy während der Klausur vom Platz verbannt. Während es in der Goetheschule und der ASS sowieso ausgeschaltet sein muss, wird es an der ADS vor der Prüfung eingesammelt.

Auch zur Recherche nutzen

Was die Schülerunion fordert, ist an der ADS schon längst Alltag. Zwar dürfen die Handys den Unterricht nicht durch Klingeln stören, aber „sie dürfen auch mal zur Recherche genutzt werden, allerdings nur, wenn es vom Lehrer angesagt wird“, erklärt Schulleiterin Ursula Krell. Und wenn jemand kein multifunktionales Handy hat? Auch das ist kein Problem: „Meist wird es bei der Gruppenarbeit verwendet und da gibt es immer jemanden, der eins hat“. Ihr Kollege an der Goetheschule meint hingegen: „Werden die Geräte im Unterricht genutzt, müssen sie von der Schule gestellt werden.“

Im Gegensatz zur Goetheschule und der ASS sind die Handys auf dem Schulhof der ADS erlaubt,„wir greifen hier nicht regulierend ein, die Schüler sind alt genug“, so Ursula Krell. Und auch Tablet-PC sind an der Schule erlaubt: „Sie dürfen zur Heftführung benutzt werden“, sagt die Leiterin. Das hat die Schulsprecherin Samira Dingeldey schon ausprobiert, aber bewährt hat es sich nicht: „Mit der Hand bin ich schneller, außerdem merkte ich mir Sachen besser, wenn ich sie aufschreibe“, sagt die 19-Jährige. Die Schülerin setzt nicht nur auf die Technik. Doch sie schätzt, dass es kein Handyverbot gibt: „Man kann schnell etwas nachschauen, das erleichtert die Arbeit.“

PC ersetzt Schulheft

Ein PC darf auch an der LGS das Schulheft ersetzen. „Wird das Gerät für schulische Zwecke genutzt, ist es erlaubt“, sagt stellvertretender Schulleiter Peter Farr. Auch das Handy darf für die Recherche genutzt werden.

Das Fazit: Das Handyverbbot an Schulen ist bei Schülern in etwa so beliebt wie Hausaufgaben. Doch genauso wenige wie an den Hausaufgaben zu rütteln ist, wird sich die Regelung in Sachen Mobiltelefon ändern. Und das wird akzeptiert – auch von den Schülern.

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