Schule wie zu Uromas Zeiten

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Schule wie zu Uromas Zeiten: Die Klasse 4a der Marienschule reiste mit den Pädagogen Larissa Anton und Adolf Breitmeier in die Vergangenheit.

Dieburg ‐ Mit dem Lehrer auf Zeitreise? Einen solchen Schulausflug hatte die Klasse 4a der Marienschule noch nie erlebt. Flugs ging es zurück in die Schulzeit der Groß- und Urgroßeltern, als Rohrstock, Bibel und Eselsmütze zur Standardausrüstung eines Klassenzimmers gehörten. Von Ursula Friedrich

Für den authentischen Unterricht anno 1900 holte sich KlassenlehrerinLarissa Anton Verstärkung in den historischen Unterrichtssaal unterm Dach des Knabenschulhauses: Adolf Breitmeier, Jahrgang 1937, war nicht nur Jahrzehnte lang Lehrer (zuletzt außerdem 25 Jahre lang Rektor des Haupt- und Realschulzweigs an der Goethe-Schule). Er erlebte als ABC-Schütze vor dem zweiten Weltkrieg auch sprichwörtlich am eigenen Leib die damals übliche Pädagogik im Schulwesen. „Wenn sechs Tage Schule waren, wurde ich an fünfen verhauen“, schmunzelte Adolf Breitmeier rückwirkend.

Damals durfte jede Respektperson schlagen“, so Grundschullehrerin Larissa Anton, die seit vielen Jahren mit ihren vierten Klassen in die Schule der Vergangenheit reist.

Züchtigung als Rollenspiel

Erzogen wurde nach dem Motto: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Welche Strafen Oma und Opa erdulden mussten, vollzogen die Viertklässler spielerisch nach. In der Ecke zu stehen oder die Eselsmütze tragen, wenn eine Antwort nicht saß, erlebten die Jungen und Mädchen freilich nur im Rollenspiel.

Mit viel Spaß und Einsatz ließ sich die Klasse in alte Zeiten entführen: „Ich habe extra ganz alte Klamotten angezogen“, erläuterte Hasib, der brav in weißem Hemd und Weste zum Unterricht kam.

„Schule vor 100 Jahren ist cool“

Die Mädchen, ordentlich mit Zöpfen, Röcken und Blusen, legten artig die Hände auf die hölzernen Schulbänke und resümierten: „Schule wie vor 100 Jahren ist cool“. „Mir gefällt die alte Schrift und sogar das Beten“, erklärte Gianni, Sevkan gefielen die alten Schulbänke im nostalgisch anmutenden historischen Unterrichtssaal. Und Isabel fand es „toll, dass wir so einen alten Lehrer haben“. Adolf Breitmeier unterrichtete aus Rechenbüchern anno 1844, lehrte „Sütterlin“, alte Rätsel und Lieder.

Als reicher Schatz entpuppten sich seine Geschichten aus der eigenen Schulzeit. Rohrstock und andere harte Strafen verleideten ihm die Schule derart, dass er am liebsten das Handtuch geschmissen hätte: „Im Krieg hatten wir eineinhalb Jahre gar keinen Unterricht – das war die schönste Zeit meines Lebens. Ich wollte schon gar nicht aufs Gymnasium und habe beim Einschulungstest extra Fehler gemacht.“ Erfolglos. Adolf Breitmeier machte nicht nur Abitur, sondern wurde auch noch Lehrer. Vielleicht war dies eine Rebellion. Denn die begeisterten Kinder der 4a erlebten mit ihm einen spannenden, lehrreichen Unterricht.

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