Schulleiter stehen in Startlöchern

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So macht Betreuende Grundschule Spaß: Auf dem Klettergerüst neben den Containern für die Betreuung an der Gutenbergschule können die Kinder sich nach dem Stillsitzen im Klassenraum austoben.

Dieburg ‐ „Ich finde den Beschluss großartig“, kommentiert die Schulleiterin der Gutenbergschule, Birgitt Schmidt-Walter, die Entscheidung des Dieburger Parlaments, den Ausbau der Betreuenden Grundschule finanziell zu fördern (der Dieburger Anzeiger berichtete). Von Laura Hombach

Auf offene Arme trifft der Beschluss auch bei ihrem Kollegen Lothar Oberle in der Marienschule. „Ich halte angepasste, ausgeweitete Betreuungszeiten für einen wichtigen Eckpunkt der Gleichberechtigung“, befindet der Leiter der Marienschule.  Zwar wird an den beiden Dieburger Grundschulen bereits Nachmittagsbetreuung angeboten, doch die endet in der Marienschule um 14 Uhr und an der Gutenbergschule spätestens um 14.30 Uhr. Für berufstätige Eltern ist das zu kurz. Wer sein Kind bis zum späten Nachmittag (16/17 Uhr) betreut wissen will, der muss auf einen Hortplatz ausweichen. Der kommt die Eltern allerdings um einiges teurer als die Betreuende Grundschule.

Indes haben nicht nur die Eltern mit dem Betreuungsproblem zu kämpfen. Auch Schulleiter Oberle muss immer wieder die Erfahrung machen, dass die Nachmittagsbetreuung für die Eltern ein wichtiger Faktor bei der Schulanmeldung ist. In einigen Fällen würde dann auch ein Kind nicht an der Schule angemeldet, weil sich die Zeiten der Nachmittagsbetreuung nicht mit den Arbeitszeiten der Eltern unter einen Hut bringen ließen. „Das ist für beide Seiten sehr bedauerlich“, so Oberle.

Parlament greift Eltern finanziell unter die Arme

Auch bei der Ausweitung der Nachmittagsbetreuung auf größere Schülerzahlen sieht man an Gutenberg- und Marienschule Handlungsbedarf. Auf Schmidt-Walters Schreibtisch liegen 100 Anmeldungen für das Betreuungsangebot, Plätze hat sie 80 - aufgeteilt auf vier Gruppen - zu vergeben. Eine ähnlich lange Warteliste hat ihr Kollege in der Marienschule in seinen Unterlagen.

Das Dieburger Parlament will Eltern und Grundschulen nun bei dieser Problematik finanziell unter die Arme greifen. Drei verschiedene Zeitfenster sollen den Eltern angeboten werden. Eine Betreuung des Kindes zwischen 7.30 und 14 Uhr würde die Eltern demnach 70 Euro, die von 7.30 bis 15 Uhr 85 Euro und eine Betreuung von 7.30 bis 16 Uhr 100 Euro kosten. Den verbleibenden Fehlbetrag würde die Stadt Dieburg übernehmen.

Auch der Landkreis steht dem Projekt offen gegenüber

Losgehen soll die neue Regelung mit dem Schuljahresbeginn 2010/11. Allerdings steht dem Unternehmen „Ausbau der Betreuenden Grundschule“ bis dahin noch ein Gang durch die Instanzen bevor, denn die Stadt Dieburg muss den Vorschlag dem Schulträger, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, unterbreiten. Der muss durch eine Elternbefragung den Betreuungsbedarf und anschließend den für die Umsetzung nötigen Raum- und Personalbedarf ermitteln.

Das Ganze muss anschließend den Gremien des Landkreises zum Beschluss vorlegt werden. Allerdings steht man dem Projekt auch beim Landkreis wohlgesonnen gegenüber. „Ein Start zum neuen Schuljahr ist angestrebt“, versichert Pressesprecherin Jutta Janzen.

Auf die Unterstützung der Dieburger Schulleiter zum termingerechten Start können Stadt und Schulträger setzen. Schmidt-Walter und Oberle stehen schon in den Startlöchern, gewartet wird nur auf das Signal aus Darmstadt.

Platzmangel macht erfinderisch

Ist das gegeben, sehen die beiden Schulleiter wenig Schwierigkeiten, das neue Betreuungsangebot in die Praxis umzusetzen. Platz für die Unterbringung weiterer Kinder ist zwar nicht in rauen Mengen vorhanden. Doch man weiß sich zu helfen: An der Marienschule könnte man auf einen mobilen Anbau zurückgreifen, den der Schulträger seit dem Winter zur Verfügung gestellt hat.

An der Gutenbergschule, wo bis Ende 2011 ein kompletter Schulneubau neben der bestehenden Schule entstehen soll, sind die zu betreuenden Kinder schon lange in Containern untergebracht. Bei der Erweiterung des Angebots auf eine fünfte Gruppe würde man noch einen Klassenraum hinzunehmen. Dort könnten die Kinder dann unter Aufsicht ihre Hausaufgaben erledigen, hat Schmidt-Walter schon vorgeplant.

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