ADS-Leiterin Bettina Wannowius reagiert scharf auf die Vorwürfe von Fleischmann

Schultausch: „Keine Gespräche auf Augenhöhe“

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„Einander annehmen, ernstnehmen, miteinander lernen und wachsen“ – einer der Leitsätze der Dieburger Alfred-Delp-Schule. Vom Kreis-Schuldezernat fühlt sich die ADS derzeit allerdings weder an- noch ernstgenommen.

Dieburg - Kreis-Schuldezernent Christel Fleischmann hat mit Plänen für einen Schultausch überrascht. Hintergrund dafür soll Ärger mit der Alfred-Delp-Schule sein. Die ADS sieht sich zu Unrecht als Buhmann. Von Jens Dörr 

Christel Fleischmann, Schuldezernent des Landkreises, brachte eine Rochade ins Spiel (DA vom 3. Juni): Die Goetheschule soll in einen Neubau auf dem ehemaligen Leer-Sportplatz umsiedeln und die Alfred-Delp-Schule (ADS) in die Goetheschul-Gebäude ziehen. Das Vorhaben wurde hinter den Kulissen erst vor wenigen Wochen neu geboren. Auf dem Leer-Sportplatz war – neben einem multifunktionalen, für die fünf ansässigen Schulen gemeinsam gedachten Gebäude – noch bis weit in den April hinein der Neubau der ADS vorgesehen. Dann kreierte Fleischmann persönlich den neuen Plan wegen seiner Verärgerung über die „unkooperative Haltung der ADS“, die insbesondere eine gemeinsame Nutzung eines naturwissenschaftlichen Forschungslabors innerhalb des Mehrzwecksgebäudes mit der Landrat-Gruber-Schule (LGS) „rundweg abgelehnt“ habe.

ADS-Leiterin Bettina Wannowius.

Den Vorwürfen hat Delp-Schulleiterin Bettina Wannowius nun deutlich widersprochen. Die ADS sieht sie zu Unrecht an den Pranger gestellt. Aus zeitlichen Gründen (mündliches Abitur) hatte Wannowius vergangene Woche keine Stellungnahme abgeben können. Im Gespräch mit unserer Zeitung tat sie dies nun umso ausführlicher – und wählte scharfe Worte. In der Zusammenarbeit mit dem Schuldezernat gebe es „keine Gespräche auf Augenhöhe, keine Wertschätzung und keine Transparenz“. Die sanierungsbedürftige ADS werde „seit Jahren vernachlässigt und ist auch jetzt wieder der Buhmann“.

Da sich eine Sanierung kaum lohnen würde, favorisierte der Kreis einen Neubau auf der Leer. Im Anschluss sollte das alte ADS-Gebäude abgerissen werden und womöglich für Sport-, Grün- und Erholungsflächen zugunsten der Schüler Platz machen. Was positiv klang, entpuppte sich für die Schule bei näherem Hinsehen offenbar aber als unbefriedigend. „Ein Viertel unserer bisherigen Schulfläche wäre im Neubau weg gewesen, abgewandert ins Campushaus“, wie Wannowius, seit Sommer 2016 Leiterin des 750 Schüler starken Oberstufengymnasiums, das Mehrzweckgebäude nennt. Übrig geblieben wären für Aufenthaltsflächen in der neuen ADS gerade einmal 400 Quadratmeter. Die Begeisterung, die Fleischmann für ein nebenan im Mehrzweckgebäude mögliches Forschungslabor zeigt, könne sie allein deshalb nicht teilen, weil weder sie noch der 15-köpfige Bauausschuss des ADS-Kollegiums dazu nähere Informationen oder gar ein Konzept erhalten hätten: „Das ist bisher nicht mehr als ein Schlagwort von ihm.“

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Allgemein bemängelt Wannowius, die „sehr betroffen“ über die jüngsten „abfälligen Äußerungen“ Fleischmanns sei, wie die Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten abgelaufen sei. Lange ging man an der ADS vom Neubau auf dem Ex-Sportplatz aus, habe sich konzeptionell – insbesondere durch Andreas Müller, Mathematik- und Naturwissenschafts-Fachbereichsleiter – tief reingekniet und intensiv mit dem vom Kreis beauftragten Planungsbüro schneidermeyer (Stuttgart) in Kontakt gestanden: „Das Raumkonzept für die neue ADS war fast fertig.“ Zunehmend sei für das neue Nachbargebäude aus den ursprünglichen Ideen des Kreises (Zentralmensa für alle fünf Schulen auf der Leer) und der ADS (Kulturhaus zusammen mit der LGS) heraus der Plan für den multifunktionalen Bau entstanden. Hier schlug dem Kreis, der dort auch gern Unterrichtsräume, eine Mediothek, die Kreisbildstelle und neuerdings auch das Forschungslabor für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sähe, offenbar auch Gegenwind ins Gesicht. Aus der Gutenbergschule habe es etwa die Aussage gegeben, man wolle die eigenen Schüler lieber in der eigenen Schule essen lassen, so Wannowius. „Es gab Gegenmeinungen und Rückfragen, die nicht nur von uns kamen. Trotzdem wird es so dargestellt, als sei es nur die ADS, die bei allem die Krümel suche.“

Dabei habe man nichts verhindern wollen, auch nicht die gemeinsame Nutzung des Mehrzweckgebäudes mit der LGS, mit der eine Absprache aber schwer zu finden sei. Die LGS habe dem Wunsch eines Treffens ohne Kreis und Planungsbüro Anfang Mai nicht entsprochen, vielmehr Büro und Kreis mit am Tisch haben wollen, sagt Wannowius. Einer Ankündigung aus der LGS, zu einem Treffen aller Schulleiter einzuladen, sei bis heute keine tatsächliche Einladung gefolgt.

Was man aber brauche, sei „ein fundiertes, durchdachtes, gut geplantes Konzept für die beste pädagogische Lösung.“ Hierbei sprach Wannowius den Vorwurf aus, dass Fleischmann zu sehr als reiner Bauherr fernab des praktischen Schulalltags agiere. Auch die Sprunghaftigkeit des Dezernenten bemängelte sie: „Ende März war Herr Fleischmann bei uns. Direkt vor dem Treffen hatten wir eine Sitzung mit dem Büro schneidermeyer, in dem wir noch um die letzten Quadratmeter hinsichtlich der Naturwissenschaftsräume in der neuen ADS gerungen haben. Direkt danach teilte uns Herr Fleischmann dann die Idee für das Forschungszentrum mit, für das uns bis heute weder Konzept noch Details vorliegen.“ Auch ein Raumkonzept für den Umzug an die Goetheschule, das der ADS laut Fleischmann vergangenen Mittwoch zugestellt wurde, habe man entgegen der Aussage des Dezernenten bislang nicht erhalten.

April noch Neubau angedacht

Noch am 25. April ging die ADS von einem Neubau ihrer Schule auf der Leer aus. Bei einer öffentlichen Info-Veranstaltung am 28. April in der Gutenberghalle referierte auch Fleischmann selbst noch genau dies. Schon wenig später begann er damit, seine neue Idee wegen der Schulrochade zu entwickeln – in einer „Trotzreaktion“ und aus persönlicher Verärgerung über die ADS. „Jedes Nachfragen wird beim Kreis als Kritik gewertet“, beschwert sich Wannowius. Dass man mit dem Kreis und nicht gegen ihn arbeiten wolle, betont die ADS-Leiterin auch dadurch, dass sie unserer Zeitung ein Schreiben zeigt, das sie am 3. Mai an Fleischmann schickte: „Ich möchte betonen, dass das Kollegium der ADS durchaus an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Kreis interessiert ist und viele Chancen in der Umgestaltung des Campus sieht. Ein eventuell entstandener Eindruck einer destruktiven und unkooperativen Haltung durch kritische Rückfragen ist eher als ein Indiz für das Interesse und die intensive Auseinandersetzung mit der Materie zu sehen.“

Das Schreiben ergänzten Wünsche und Anregungen für den ADS-Neubau und das Mehrzweckgebäude. Etwas später drang dann zu Wannowius durch, dass Fleischmann nicht mehr am Neubau festhält und nun den Umzug an die Goetheschule plant. Dort sah sich die Leiterin vergangene Woche mit einigen Kollegen um. An der ADS sind die Meinungen zum Umzug bislang gespalten. Da konzeptionell noch nichts vorliege, müsse man mit einer Position noch warten, so Wannowius. Ihre Hauptkritik bleibt: „Es wird über Parkplätze und alles Mögliche geredet – aber nicht über das pädagogische Konzept. Das ist alles nicht durchdacht und nicht durchgeplant.“

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