Vor 25 Jahren: Verein „Horizont“ begann mit der Betreuung Haftentlassener

Schutzwand für Menschen in Not

Geben bei „Horizont“ heute den Ton an (von links): Hanne Fleischer (Vorsitzende), Ulrich Freitag (Geschäftsführer) und Frank Bangert (stellvertretender Vorsitzender).

Dieburg - (jd)   Ein Hauch von Fernsehglanz wehte durch das Fechenbach-Schloss: Peter Zingler, Drehbuchautor unter anderem mehrerer „Tatorte“ und Episoden von „Kommissar Rex“ sowie „Ein Fall für Zwei“, Ex-Häftling und auch als Schauspieler in mehreren Nebenrollen im „Tatort“ zu sehen, hatte sich die Feierstunde zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins „Horizont“ nicht nehmen lassen.

Im Blickpunkt der Veranstaltung im bestens besuchten Festsaal standen allerdings nicht große Namen, sondern große Taten: jene, die „Horizont“ und seine Mitarbeiter seit einem Vierteljahrhundert am Mitmenschen erbringt.

Vor zahlreichen prominenten Gästen – unter anderem dem Darmstädter Sozialdezernent Jochen Partsch und Dieburgs Altbürgermeister Peter Christ - ergriff zunächst Hanne Fleischer, Vorsitzende des gemeinnützigen sozialpädagogischen Vereins mit Sitz in Dieburg, das Wort. An die Anfänge im Jahr 1984 erinnerte Fleischer da, bei der Gründung war mit Susanne Böhm auch eine damalige Redakteurin des „Dieburger Anzeigers“ mit von der Partie. Inmitten von engagierten Bürger, die in der Dieburger Justizvollzugsanstalt einen bis heute bestehenden Literaturkreis initiiert hatten, gründeten Böhm und ihre Mitstreiter „Horizont“ – der Verein sollte sich zunächst um die Resozialisierung von Häftlingen und Wohn- und Unterstützungsangebote nach der Haftentlassung kümmern.

Das entwickelte sich nach und nach – 1986 schon wurden ein Wohnheim für Männer mit Beratungsstelle und ein Arbeitsprojekt eröffnet, ein Jahr später folgte ein Wohnheim für Frauen. Bis Ende der 90er Jahre wächst „Horizont“ weiter – „von einem kleinen Einzelkämpfer wurden wir zu einem verlässlichen Partner für immer mehr Kostenträger“, bilanzierte Fleischer in ihrer Rede.

Der nächste große Neuauftrag für den Verein kam 1999 von der Stadt Darmstadt: Die übertrug „Horizont“ ihre Obdachlosenbetreuung. Betreutes Wohnen startete nicht nur in der Stadt der Heiner, sondern auch im Landkreis. Mit zunehmender Größe war es 2001 an der Zeit, den Verein aufgrund seines immensen Umfangs zu stabilisieren und zu konsolidieren. Hieß konkret: Das Arbeitsprojekt wurde aufgelöst, für die stationären Einrichtungen eigene Objekte gesucht. 2003 zog die Männereinrichtung „Horizont-Haus“ nach Reinheim, die Fraueneinrichtung „Notwände“ nach Dieburg.

All die sozialen Aspekte der Arbeit von „Horizont“ gehen von einem klaren Menschenbild aus: Die Würde des Menschen ist unantastbar, zählt der Verein auf, jeder Mensch hat ein Recht auf eine Begegnung mit Achtung – und jeder Mensch besitzt Fähigkeiten und Kraft. Der Verein wiederum möchte persönlichen Beistand leisten, beraten, betreuen und begleiten. Wohnen, Arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich selbst verwirklichen – das sollen die vom Verein Unterstützten eines Tages aus eigener Kraft schaffen. Für das bestmögliche Ergebnis lerne man selber ebenfalls ständig und entwickle sich mit seinem Angebot, betonte Fleischer mehrfach.

Wobei ohne finanzielle Unterstützung auf breiter Front ein großer Teil der „Horizont“-Arbeit hinfällig wäre: Umso wichtiger sind für den Verein mit seinen 31 Mitarbeitern und vier Einrichtungen Entgelte und Zuschüsse von Landeswohlfahrtsverband, Stadt Dieburg, Landkreis und Hessischem Sozialministerium.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare