Dieburg

Aus Schwelbrand wird offenes Feuer

+
Willi Enders zieht am Rednerpult keine positive Bilanz: Seinem Stellvertreter Bernd Becker (von links,), Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Kreisbrandinspektor Ralph Stühling ist der Ernst der Lage anzusehen.

Aus dem Schwelbrand bei der Feuerwehr Dieburg schlagen inzwischen die Flammen. Nur: Welcher Löschmeister kann hier noch helfen?

Dieburg (eha) - Kreisbrandinspektor Ralph Stühling jedenfalls äußerte sich zum offenen Konflikt bei den Brandschützern nicht, sondern präsentierte während der vielen brisanten Redebeiträge bei der Jahreshauptversammlung im Stützpunkt ein unbewegtes Gesicht.

Wie berichtet schwelt der Brand bei der Dieburger Wehrschon seit einiger Zeit, vor ein paar Wochen ist der Konflikt offen ausgesprochen, als die gesamte Führungsriege ihren Rücktritt erklärte und einige Aktive vorübergehend in Streik traten.

Der Streit hatte sich hauptsächlich zwischen dem Vorstand mit Stadtbrandinspektor Willi Enders und dem Magistrat mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas an der Spitze entzündet. Immer wieder hatte es verschiedene Meinungen über Ausstattungs-, Personal- und Finanzfragen gegeben. Und so mussten sich am Montagabend auch Magistratsmitglieder wie Roland Resch („So etwas habe ich im Leben nie gesagt“) und Karl-Heinz Krimm („Das ist mehr als unkameradschaftlich“) gegen Vorwürfe wehren.

Aber auch innerhalb der Wehr gibt es verschiedene Lager: Während sich die einen - darunter alle Vorstandsmitglieder - hinter Willi Enders stellen, gibt es eine „Gegengruppe“. „Alles dummes Zeug“ und „Stellt doch endlich mal die Propaganda-Maschinerie ein!“ war bei der Versammlung von dieser Seite zu hören.

Alle Vorstandsmitglieder blieben bei ihrer Ankündigung, vom Amt zurückzutreten. Enders nannte in seinem Beitrag noch einmal ein paar Gründe für das Zerwürfnis. Er erwähnte die Diskussionen um die Besetzung der Hausmeisterstelle für den Stützpunkt, die Meinungsverschiedenheiten über das anzuschaffende Tanklöschfahrzeug und die fehlende Entschädigung für die Brandsicherheitsdienste an den Heimatfesten.

Auch der Vorsitzende der Alters- und Ehrenabteilung, Heinrich Blümler, legte sein Amt nieder. Ihm missfiel vor allem, dass der Magistrat Kameraden in die Abteilung aufgenommen hat, die erst Mitte Vierzig bis Fünfzig sind. „Eine Nichtteilnahme an Übungsstunden sollte man nicht mit dem Übertritt in die Ehrenabteilung belohnen“, spielte er auf Hintergründe an.

Thomas' Appell an die Versammlung, „mitzuhelfen, einen handlungsfähigen Vorstand zu bekommen“, fruchtete nicht: Winfried Storck, der für das Amt des Stadtbrandinspektors vorgeschlagen wurde, scheiterte bei der geheimen Abstimmung: Der 46-jährige Brandmeister erhielt 42 Nein- und nur 24 Ja-Stimmen.

„Dieses Wahlergebnis spricht Bände“, sagte Pressesprecher Sven Weyrauch. Er sei der Meinung, die Feuerwehr sei eine gute Truppe. Jetzt müsse sich der Magistrat überlegen, wie man eine leistungsfähige Führung auf den Weg bringe. Er mahnte, „nicht mehr zurückzuschauen“, auch wenn man von Seiten der Stadt einen kompromissfähigen Tenor vermisst habe.

„Von mir hat noch niemand einen Korb bekommen, der das Gespräch mit mir gesucht hat“, betonte Thomas am Ende der aufreibenden Versammlung noch einmal seine Diskussionsbereitschaft. Nicht nur die Feuerwehr, sondern auch die Kommunalpolitiker müssten sich jetzt Gedanken machen, wie es weitergehen solle. Innerhalb der nächsten sechs Wochen muss ein Termin für die Wiederholung der Wahl anberaumt werden.

Kommentare