Schwimmbad in Dieburg

Rote Augen sollen passé sein

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Gehören gerötete Augen im Dieburger Freibad bald der Vergangenheit an? Ab August weiß man mehr. Das Desinfektionsmittel PUR-HOCL soll paradiesische Zustände schaffen. Es kann in die drei verschiedenen Becken – auf dem Foto vorn das Nichtschwimmerbecken und hinten das Schwimmerbecken – separat und in unterschiedlichen Konzentrationen eingeleitet werden.

Dieburg - Herrschen bald paradiesische Bedingungen für Freibad-Nutzer? Das Schwimmerlebnis soll jedenfalls deutlich angenehmer werden. Von Jens Dörr

PUR-HOCL: So lautet der Produktname eines Desinfektionsmittels, das den Besuchern des Dieburger Freibads bald paradiesische Bedingungen bescheren soll. Die jedenfalls verspricht der Altheimer Armin Probst, der in Dieburg unter anderem als Ex-Vorstand der Rochus-Stiftung (bis Mitte 2013) und als Organisator des historischen Marktteils des Martinsmarkts (bis heute) ein Begriff ist. Probst handelt unter dem Namen iHr Produkt seit Jahren mit Medizinprodukten, darunter Inhalatoren für Pferde und Therapielaser. Am Montagabend stand er dem Schwimmbad-Ausschuss des Dieburger Stadtparlaments Rede und Antwort zu jener Chemikalie, die bald ein deutlich angenehmeres Schwimmerlebnis ermöglichen soll.

PUR-HOCL, so führte Probst aus, basiere zwar auf dem gleichen Wirkstoff, wie ihn wohl jeder aus Hallen- und Freibädern kennt, wie er beim Betreten stets die Nase erfüllt, das Wasser desinfiziert, beim Schwimmen allerdings auch die Augen bis hin zur Rötung reizt. Das Produkt, für das sich Probst die europaweiten Rechte für Herstellung und Vertrieb gesichert hat, basiert zwar ebenfalls auf dem Einsatz hypochloriger Säure (HOCL). „Es unterscheidet sich jedoch aufgrund des besonderen Herstellungsverfahrens von vielen anderen Produkten auf Basis des gleichen Wirkstoffs“, erläuterte Probst.

Man könne den Kernstoff dank eines neuen, streng geheimen Verfahrens nun aber so produzieren, dass er „wesentlich reiner, höher dosiert und ungefährlicher“ sei, schwärmte er den Ausschussmitgliedern vor. Das bisherige Problem, dass man den Stoff zudem nicht stabil und lagerfähig habe herstellen können, sei inzwischen gelöst. Nun bleibe beim Einsatz nur noch „ein leichter Chlorgeruch“ im Wasser. Neben der wegfallenden Reizwirkung gegenüber dem Schwimmer hinterlasse das Produkt im Gegensatz zu den bisher verwendeten Desinfektionsmittel auch keine Schäden an Metallen oder Gummi mehr.

Zudem sei es nun unbedenklich, wenn mit dem Mittel versetztes Wasser im Boden außerhalb der Becken versickere. Die DLG in Groß-Umstadt hat das Mittel inzwischen –nachzulesen in einem online öffentlich abrufbaren Prüfbericht – auf die Anwesenheit schädlicher Chlorate in verschiedenen Konzentrationen untersucht. Schon wenige Minuten nach der Anwendung, aber auch sieben Tage nach der Fertigstellung der Lösungen, waren keine Chlorate mehr nachweisbar.

Ins Dieburger Freibad kann PUR-HOCL über manuell regelbare, schon bestehende Schlauchdosierpumpen in die drei Becken eingeleitet werden. Dabei kann jedes der Becken – Schwimmerbecken mit Sprunggrube, Nichtschwimmerbecken mit Rutschen und „Babybecken“ – separat und damit mit unterschiedlichen Konzentrationen versorgt werden. PUR-HOCL kann nach einer minimalen Umrüstung, die 1 700 Euro kosten würde, mit der schon bestehenden Infrastruktur ins Wasser gebracht werden. Verwendet würden im Dieburger Freibad einem ersten Überschlag zufolge täglich 30 Liter. Die Kosten für das Mittel entsprächen in etwa jenen für das bisherige Mittel, so Probst.

Der Schwimmbad-Ausschuss wird dem Dieburger Stadtparlament in seiner nächsten Sitzung empfehlen, ab August einem etwa einmonatigen Testbetrieb mit PUR-HOCL im Freibad zuzustimmen. Der Test soll am 15. September, dem letzten Tag der diesjährigen Freibad-Saison in Dieburg, enden. Anschließend würde über einen dauerhaften Einsatz beschlossen. Hergestellt wird PUR-HOCL ab August in einer Produktionsstätte in Obernburg am Main. Probst sicherte zu, dass das Mittel rechtzeitig zur Verfügung stehen werde. Laufe die Produktion einmal, könne er binnen vier Stunden 12.000 Liter des Desinfektionsmittels herstellen. Eine Ansiedlung der Produktionsstätte in Dieburg scheiterte Probst zufolge aus Kostengründen. Sein Unternehmen iHr Produkt hat seinen Sitz in Groß-Umstadt.

Probst versprach am Montag auch, dass im Falle jedweder Komplikation mit PUR-HOCL – von der er nicht ausgehe – die Desinfizierung der Becken im Dieburger Freibad binnen kurzer Zeit wieder auf das bisherige Mittel umgestellt werden könne. Das nun in Marktreife vorliegende PUR-HOCL wird in Dieburg erstmals über einen längeren Zeitraum in einem Bad getestet. Andere Bäder hätten bereits angefragt und wollten das Mittel schon vorher ausprobieren, sagte Armin Probst am Montagabend. „Wegen meiner besonderen Beziehung zu Dieburg ist es mir aber ein Anliegen, dass es hier zuerst zum Einsatz kommt.“

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