Schwimmer bald auf dem Trockenem?

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Aqua-Fitness präsentierte die Schwimmabteilung im Trainingsbad.

Dieburg -   Lockere Stimmung herrscht am frühen Samstagnachmittag auf dem Vereinsgelände des SV Blau-Gelb Dieburg. Zwei der sieben Tennisplätze werden gerade von potenziellen Neumitgliedern beschnuppert, erste Bälle mit Trainern des Vereins gewechselt. Von Jens Dörr

Show-Matches rahmen die Mitmachaktion ein, daneben sorgen auf der Wiese Informations- und Gastronomiestände sowie das Festzelt nahe der Bühne für eine gemütliche Atmosphäre. Noch findet jeder Besucher ohne Probleme ein Plätzchen, haben auch Sandy Grimm und Thorsten Heckwolf von „Sport Grimm“ an ihrem Stand noch nicht allzu viel zu tun. Nur vor dem Vereinsheim gibt es plötzlich Trubel, als die Läufer des Otzberglaufs vom Bus abgeholt werden.

Einen Steinwurf entfernt ist die Schlossgartenhalle bereits voller: Sowohl die Judokas des Vereins als auch die Tanzsportabteilung des über 700 Mitglieder zählenden Vereins sind fleißig zugange. Beim Judo werden Wurf- und Bodentechnik in einer schulmäßigen Vorführung gezeigt, die Tänzer bieten Rumba- und Tangotanz dar. Und auch im Hallenbad im Dieburger Osten sind es Mitglieder des SV Blau-Gelb, die mit Mitmachaktionen etwa in der Aqua-Fitness nur eines möchten: das vielfältige Sportangebot des Vereins präsentieren und das Sport- und Spielfest zum 50-jährigen Jubiläum des SV Blau-Gelb bereichern.

Tänzern fehlt Platz fürs Training

Tango und Rumba zeigten die Tänzer von Blau-Gelb zum Jubiläum des Vereins. Die Abteilung sucht dringen einen Übungssaal.

Zwar bleibt das Wetter an diesem Samstag freundlich, im übertragenen Sinne brauen sich doch trotz des Festes aktuell einige Wolken über dem Verein zusammen. „Unser im Moment größtes Problem ist, dass unsere Tänzer weiter nach Räumen für ihr Training suchen“, sagt Jürgen Loch, der Vorsitzende des Vereins. Durch die Schließung der Halle am Campus Dieburg kam die Abteilung in die Bredouille, zurzeit sind sechs Tanzgruppen bei Blau-Gelb aktiv, darunter auch Gruppen für Kinder und Jugendliche. Im Spiegelsaal der Schlossgartenhalle und bei den Ringern, wo aktuell teils trainiert wird, reichen die Kapazitäten nicht für alle aus. Frust für Loch, der vor allem erst einmal das nächste halbe Jahr überbrücken möchte: „Irgendwo würden wir gerne einen Raum anmieten, der muss auch nicht größer als 150 bis 200 Quadratmeter sein“, erklärt der Blau-Gelb-Chef. Schulen, andere Dieburger Vereine und Privatpersonen sollten sich unbedingt beim Verein melden, wenn sie solch einen Raum anbieten könnten.

Es ist nicht so, dass beim Thema Sporthalle nichts passiert“, sagt Loch. Dennoch sei die Diskussion darüber zuletzt wieder etwas eingeschlafen. „Nun versuchen wir vor allem, mit den Schulen zu kooperieren“, schildert Loch die Pläne.

Die Judokas des Vereins, bei dem ansonsten getanzt, Tennis gespielt und geschwommen wird, dürften dankenswerterweise in der Halle der Goetheschule ihrem Sport nachgehen. „Aber wir können niemandem die Pistole auf die Brust setzen.“ Wegen der unzureichenden Hallenkapazitäten Dieburgs löste sich die Tischtennisabteilung des Vereins in diesem Jahr faktisch bereits auf, alle Spieler wechselten zum SV DJK Viktoria (wir berichteten). Und auf eine weitere, den Verein noch dramatischer betreffende Herausforderung werden die SV-Verantwortlichen in wenigen Jahren stoßen: Mit Schließung des Hallenbads steht die Schwimmabteilung mit ihren 270 Wasserratten auf der Kippe. „Wir haben fast keine Hoffnung, dass das Hallenbad doch noch weitergeführt wird“, sagt Loch. Schade sei, dass die Bebauung des Geländes am Campus Dieburg nicht um das Bad herum geplant werde. Mit einem neuen Hallenbad sei in Dieburg nicht zu rechnen. „Und ohne Schwimmbad für den Winter werden unsere Schwimmer abwandern“, befürchtet Loch. Auch dann werde es allerdings weitergehen – „ob mit 300 oder 1 000 Mitgliedern, spielt bei einem eingetragenen Verein nicht die ganz entscheidende Rolle“, so Loch. Traurig wäre der Aderlass dennoch, sagt er. „Denn Schwimmen oder auch Judo und Tanzen sind Dinge, die man in der Stadt unbedingt anbieten sollte.“

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