Seit 40 Jahren Rat in Ehe- und Familienfragen

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Das Kabarett-Duo „Kabbaratz“ nahm zum 40. Geburtstag des Vereins für Ehe- und Familienberatung Eheprobleme und damit den Alltag der Beratungsstelle aufs Korn.

Dieburg (mj) ‐ „Ein himmlisches Vergnügen oder eine herbe Enttäuschung“ - Die Ehe kann vieles sein. Dass sie in glücklichen Bahnen verläuft, dafür setzt sich der Verein für „Ehe- und Familienberatung im Landkreis Darmstadt-Dieburg“ ein.

In diesem Jahr existiert er seit 40 Jahren, was man am Freitag mit einer kleinen Feier im Caritashaus in der Weißturmstraße beging. Die dortigen Räumlichkeiten stellen das neue Domizil des Vereins nach dem Umzug im Januar dar. Grußworte überbrachten unter anderem die erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück, Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Dekan Erhard Weilbächer. Für Unterhaltung sorgte das Darmstädter Kabarett-Duo „Kabbaratz“, das in mehreren Auftritten die kleinen Probleme zwischen Mann und Frau persiflierte.

„Eigentlich wünscht man sich, dass eine solche Beratungsstelle überflüssig ist. Wir sind aber nicht im Paradies“, sagte Vereinsvorsitzender Pfarrer Harald Christian Röper bei seiner Begrüßung. Zur Veranstaltung gehörten ein kurzer Abriss über die Geschichte des Vereins sowie ein Vortrag über die Entwicklung und Bedeutung der Ehe. Nach der Gründung des Vereins 1969 in Dieburg eröffnete die erste Beratungsstelle mit einem sechsköpfigen Beraterteam 1971 auf dem Fuchsberg 2. Gleich im ersten Jahr kam es zu 174 Beratungen mit 100 Ratsuchenden. Am Anfang fand die Arbeit noch weitestgehend ehrenamtlich statt.

Herbert Jäger als besonderer Wegbereiter

Meist aufgrund räumlicher Problematiken folgten diverse Umzüge. Die längste Zeit wurde in der Marienstraße verbracht. Als der dortige Hausherr 2007 starb, kam der Verein mit dem Darmstädter Caritas-Direktor Dr. Werner Veith in Kontakt und man beschloss unter Erhalt der Selbständigkeit die Einbindung der Beratungsstelle in das Gesamtsystem der Caritas.

„Wir sehen das als eine gute Ergänzung zu unserer Arbeit“, so Veith. Acht Vorsitzende und 21 Berater, die in unterschiedlichen Zeiträumen tätig waren, prägten das Bild des Vereins. Zu den besonderen Wegbereitern gehört Herbert Jäger: Er zählt zu den 21 Gründungsmitgliedern, entwickelte die Beratungsstelle über Jahrzehnte fort und stand ihr zudem bis 2009 als Leiter vor.

Beratungsanspruch wächst auch im Alter

Über die Geschichte der Ehe-Beratung lässt sich sagen, dass diese nicht erst in den letzten Jahrzehnten aufkam. Die ersten Einrichtungen dieser Art gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute sind solche Stellen wichtiger denn je: Neben den psychischen Folgen für Scheidungskinder gehen Experten davon aus, dass jeder dritte Alleinerziehende die öffentliche Hand durch soziale Unterstützung belastet.

Im Jahre 2009 wurde in Dieburg in 232 Fällen 340 Personen beraten. Auch Nichtverheiratete oder Familien mit Erziehungsproblemen sind willkommen. Wie Beraterin Annette Rück sagt, würden immer mehr ältere Ehepaare die Dienste, die gegen eine Spende erfolgen, in Anspruch nehmen. „Früher kam keiner mehr nach der Silberhochzeit zu uns“, erzählt sie zu einem neuzeitlich Phänomen. Heute trenne man sich auch im fortgeschrittenem Alter leichter und wisse um den „Lebensabschnittspartner“. Lück ist davon überzeugt, dass der Beratungsanspruch in den älteren Generation weiter wachsen wird. Positiv bewertet sie, dass die Hemmschwelle – vor allem bei den Männern - zur Beratung deutlich gesunken ist.

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