„Sie werden im positiven Sinne dünnhäutiger“

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Fasten-Expertin Karla Gerhard - hier bezeichnenderweise mit einem Glas Wasser als Energy-Drink.

Dieburg - Wer an Fastnacht so richtig über die Stränge geschlagen hat, für den empfiehlt es sich, einmal über eine Auszeit von Völlerei, Nascherei, Raucherei, Alkohol und sonstigen Gesundheits-Sünden nachzudenken. Aber auch mitten im Jahr ist das Fasten eine Überlegung wert. Von Jens Dörr

Was der Verzicht auch an positiven Erscheinungen hervorrufen kann, wollte der DA im Interview mit Karla Gerhard (62) wissen.

Gerhard leitet in vier Einheiten den Kurs „Fasten nach Buchinger“ im Pfarrzentrum St. Wolfgang, bei dem sich die Teilnehmer mit den Facetten des Fastens vertraut machen sollen.

Frau Gerhard, ich würde ja auch gerne mal fasten, aber so ein schöner, heißer Kaffee oder ein leckeres Stück Schokolade nach dem Abendessen sind schon was Feines…

Das sind aber Tabus beim Fasten, genauso wie alle festen Nahrungsmittel, Genussmittel und Suchtmittel. Zu sich nehmen dürfen Sie während des Fastens nur Säfte, Wasser, Tee oder eine Gemüsebrühe. Da müssen Sie die Brocken vor dem Verzehr aber abschöpfen. Dazu noch eine gründliche Darmpflege, und Ihr Körper wird wunderbar entschlackt, entsalzt, entgiftet und entwässert.

Was habe ich noch davon?

Sie werden mehr Ideen bekommen, weil Ihr Geist während des Fastens freier und feinfühliger wird. Sie werden - im positiven Sinne - dünnhäutiger sein und mit Ihrer Nase sogar besser riechen.

Früher dachte man, dass das Fasten einem dabei hilft, einen Platz im Himmel zu ergattern.

Darum geht es in unserem Kurs kaum. Vielmehr will ich dazu anleiten, einmal aus schlechten Essgewohnheiten auszusteigen und zu zeigen, welche Effekte das Fasten auf das Wohlbefinden hat. Der Arzt Otto Buchinger, der das Konzept, über das ich referiere, in den 1920er Jahren zusammengestellte, hat damit etwa sein Rheuma kuriert. Auch bei Migräne, Allergien und zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck wirkt es sich positiv aus.

Ist Ihr Kurs der Startschuss zu 40 Tagen Enthaltsamkeit?

Nein, wir beschränken das auf knapp eine Woche. Am Ende wird die Gruppe dann ein gemeinsames Ritual abhalten und einen Apfel essen.

Warum einen Apfel? Da kriege ich immer Bauchweh, wenn ich mir den auf nüchternen Magen einverleibe.

Der Apfel als Frucht der Erkenntnis hat eine symbolische Bedeutung, steht zugleich für Fruchtbarkeit. Die Teilnehmer sollen ihn dann intensiv und mit allen Sinnen genießen. Normal machen die enthaltenen Pektine einen Apfel auch leicht verdaulich.

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