Spannende Sonderausstellung im Museum Schloss Fechenbach eröffnet

Wer sind diese vielen Toten?

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Rote Silhouetten stellen die 34 Opfer des Massakers dar. An jeder Figur befindet sich ein persönlicher Steckbrief. Fotos (2): Scholze

Dass es sich bei diesem Fund um ein Massaker handelte, darüber war man sich nach eingehender Überprüfung des Fundortes und der pietätlosen Entsorgung der Leichen sicher. Weitere Ermittlungen, die seit dem damaligen Fund angestellt wurden, brachten einen Krimi, einen „Tatort“ zu Tage.

Dass es sich bei diesem Fund um ein Massaker handelte, darüber war man sich nach eingehender Überprüfung des Fundortes und der pietätlosen Entsorgung der Leichen sicher. Weitere Ermittlungen, die seit dem damaligen Fund angestellt wurden, brachten einen Krimi, einen „Tatort“ zu Tage.

Seit 1983 haben Archäologen und Gerichtsmediziner versucht, den Tathergang zu rekonstruieren. Auch Prof. Dr. Joachim Wahl vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, der den Eröffnungsvortrag zur Sonderausstellung im Schloss Fechenbach hielt, war an der Bergung der Skelette persönlich beteiligt. „Dieses Massengrab war mein erstes Projekt und es begleitet mich seit 30 Jahren“, blickt er zurück.

In den folgenden Jahren ermittelten Fachleute wie Archäologen, Anthropologen und Gerichtsmediziner die Größe, das Geschlecht, vorhandene Krankheiten, besondere Körpermerkmale und Verwandtschaftsbeziehungen der 34 Toten, die alle miteinander verwandt waren. Es handelt sich um Angehörige der Linienbandkeramischen Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.), die nach den bänderartigen Verzierungen ihrer Tongefäße benannt ist.

Als der Gerichtsmediziner die Arbeit aufnahm, waren die Beteiligten zunächst enttäuscht. „Das war ganz anders als die einschlägigen Serien“, sagte Archäologin Dr. Christina Jacob von den Städtischen Museen Heilbronn, die zur Eröffnung der Sonderschau ebenfalls eine kurze Einführung gab.

Weiterhin konnte bislang genauestens festgestellt werden, wie diese Menschen zu Tode kamen. Jedes der Skelette wies keinerlei Anzeichen von Gegenwehr auf. Alle waren mit Hacken erschlagen oder durch Pfeilschüsse aus dem Hinterhalt getötet worden.

In akribischer Arbeit verlieh man einigen der Toten ein Gesicht und Kleidung. Hier ist man auf reine Spekulation angewiesen, da es hierüber keine Funde gibt.

Jeder der 34 Getöteten erhielt einen persönlichen Steckbrief, indem neben allen wissenschaftlichen Daten auch eine fiktive Lebensgeschichte dargestellt ist. Diese Personen sind als rote Silhouetten dargestellt, die den Besucher der Ausstellung am Eingang erwarten.

„Ich freue mich, dass diese hier Ausstellung so hell und luftig präsentiert wird“, erklärte Wahl, der diese Wanderaussstellung bislang durch vier Museen begleitet hat. Dass diese Sonderausstellung etwas Besonderes bietet, darüber war man sich bereits vor der Eröffnung einig. Einmalig jedoch ist, das der Besucher bis auf wenige Abgüsse die original Fundstücke der Knochen bewundern kann. „Wir erhoffen uns viele Besucher“, sagte Bürgermeister Dr. Werner Thomas.

Die „Sonderkommision Frühbeet“ indes hat ihre Akte noch lange nicht geschlossen. Professor Dr. Albert Zink vom Institut für Mumien (Europäische Akademie Bozen), der auch die DNA-Untersuchung von Pharaos Tutanchamun vornahm, wird erstmals aktuell DNA-Analysen der Talheim-Skelette machen. Und auch der Fundplatz der Skelette soll weiter untersucht werden, da weder die damalige Siedlung noch der reguläre Friedhof bislang ausgegraben wurden. „Wir sind noch nicht am Ende der Bemühungen“, so Wahl, „wir besitzen Anhaltspunkte über die Tat, doch das Motiv bleibt wohl bis in alle Ewigkeit im Dunkeln.“

Quelle: op-online.de

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