„Sind nicht weg vom Fenster“

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Hans-Joachim (im diesjährigen Kostüm der Heihupper) und Birgit Enders.

Dieburg (jd) ‐ Wenn Hans-Joachim Enders an seine ersten zarten Versuche bei den „Heihuppern“ denkt, kann er noch immer nicht ernst bleiben: „Das war 1972, da habe ich zusammen mit Karlheinz Braun in einem Eselskostüm gesteckt“, grinst Enders. Und fügt lachend hinzu: „Ich war das Hinterteil.“ Von Jens Dörr

Dem von den Sitzungen bekannten Dieburger Männerballett, das in diesem Jahr sein 55-jähriges Bestehen feiert (weiterer Bericht folgt), trat Enders nach diesem Gastspiel der komischen Art allerdings erst 1984 bei und war dort bis heute nicht mehr wegzudenken.

War – denn nach dieser Sitzungskampagne ist Schluss bei Enders. Bis 1994 tanzte er regelmäßig mit bei den „Heihuppern“, insgesamt 68 Mal. Seit 1994 verdingte sich der Dieburger dann als Trainer der Truppe, sprang aber noch 25 Mal ein. Macht mit den diesjährigen Auftritten, die Enders zum Abschied noch einmal voll auskostet, 93 „Heihupper“-Shows, die der auch vom SC Hassia bestens bekannte Fastnachter auf der Bühne bereicherte.

Hans-Joachim und Birgit Enders - gemeinsam begonnen und gemeinsam hören sie auf

Auf den Brettern, die Welt bedeuten, steht in diesem Jahr allerdings nicht nur Hans-Joachim Enders: Auch seine Frau Birgit ist in der aktuellen Kampagne bei allen Auftritten live dabei und schwingt das Tanzbein. „Wobei ich auch in der Vergangenheit zigmal getanzt habe: Nämlich viele hundert Mal vor der Truppe“, sagt sie. Grund: Auch Birgit Enders trainiert die „Heihupper“, begann damit wie ihr Mann im Jahr 1994 – und verabschiedet sich in dieser Äla-Saison vom Männerballett.

Gemeinsam begonnen, gemeinsam aufgehört: Das Ende fällt Birgit, die in der „Heihupper“-Sprache seit 1997 die Titulatur „Hilfs-Tanz-Souffleuse Madam von de Hupper“ trägt, wohl noch schwerer als Hans-Joachim, dem „Girl vun de Will-Verwandte alias Maul della grande“ (Titulatur verliehen 1984). „Es war für mich eine Überraschung, als er mich mit seiner Entscheidung konfrontiert hat“, sagt Birgit Enders. „Er hatte immer gesagt, er wolle so lange machen, bis die Sitzungen das erste Mal in der neuen Stadthalle stattfinden.“

Enders: „Ich bin mit der Fastnacht groß geworden.“ 

Doch für ihren Mann passte diese Kampagne gut als Abschluss: Jüngst wurde Enders 60 Jahre alt und das „Heihupper“-Ballett in diesem Jahr eben 55. „Wir sind aber nicht weg vom Fenster, werden immer da sein, wenn wir gebraucht werden“, sind sich beide einig.

Überhaupt würde es den beiden Vollblut-Fastnachtern nicht gerecht, sie ausschließlich auf die galanten Männertänzer, die eine gewichtige Gruppe innerhalb des KVD bilden, zu beschränken. Beide haben eine Narrenlaufbahn hinter sich, wie sie erfüllter kaum hätte sein können. „Ich bin mit der Fastnacht groß geworden, schon früh bei den Knallköpp gewesen und 1960 Kinderprinz geworden zusammen mit Prinzessin Annette Schlederer“, sagt Hans-Joachim, den viele auch einfach nur Joachim nennen. Mit 18 Jahren trat er in die Prinzengarde ein, entwickelte seine närrische Laufbahn weiter und wurde Solotänzer bei der Garde.

Birgit Enders gründete das Hofballett

Viel wichtiger aber: „Wir sind über die Fastnacht zusammengekommen“, sagen Hans-Joachim und Birgit Enders, die heute zwei erwachsene Söhne, Christian und Matthias, und bereits einen Enkelsohn, Lennart, haben.

Birgit Enders engagiert sich seit 40 Jahren auf und hinter der Sitzungsbühne, steckte aber schon 1961 erstmals in einer Uniform der Prinzengarde, die ihre Mutter geschneidert hatte. Bei der Garde wurde sie später auch „Mariechen“, gründete Mitte der 70er Jahre das Hofballett.

Auch für die weniger närrischen Dienste sind sich beide nicht zu schade

Auch der Beginn der Damengarde im selben Zeitraum geht zum guten Teil auf den Einsatz von Birgit Enders zurück. Ein bleibendes Werk also, das sie hinterließ – und als Fastnachtsprinzessin von 1973 an der Seite von Wolfgang Barth steht Enders ohnehin in den Geschichtsbüchern des KVD.

Was beiden gemeinsam ist: Auch in den eher unspektakulären, aber nicht minder wichtigen Dienst der närrischen Allgemeinheit stellten sich Birgit und Hans-Joachim Enders jederzeit: Er wirkte  im Bautrupp mit, sitzt mehrmals pro Kampagne im Elferrat.

Beide machen überdies Kassendienste, verkauften auch schon die Fastnachtszeitung, helfen bei der Bewirtung etwa an der „Äla-Nacht“ mit. Fastnachter, die das Äla im Herzen tragen und ohne die der KVD nicht in jener Blüte stünde, in der er steht.

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