Sinfonieorchesters HR in Römerhalle

Klassik mit Gänsehauteffekt

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Fasziniert lauschen die Schüler den Klängen des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks, das am Mittwoch extra für ein „Junges Konzert“ nach Dieburg in die Römerhalle kam.

Dieburg - Jugendliche können mit Klassik nichts anfangen? Können sie doch! Den Beweis trat das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Leitung von Dominik Beykirch diese Woche bei seiner Schultour an. Von Lisa Hager 

Am Mittwocmorgen machte es in der Römerhalle Station, wo rund 100 Schüler der Gustav-Heinemann-Schule (GHS) mit Eltern und 40 Lehrern fasziniert den Klängen lauschten. Die Zuhörer der Förderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche waren zwischen sechs und 20 Jahre alt. Auch zwei Klassen der Goethe- und Marienschule, in denen jeweils ein Integrativkind unterrichtet wird, machten die außergewöhnliche Musikerfahrung mit.

Helma Hirth, Rektorin der GHS, freute sich genauso wie ihre Schüler über den klanggewaltigen Besuch der 45 Profi-Musiker, der über das Projekt der Schultour „Junge Konzerte“ zustande kam. In einer Kooperation zwischen dem HR und dem Kultusministerium wird – sichtlich sehr erfolgreich – versucht, junge Menschen über das Netzwerk Musik und Schule an die Klassik heranzuführen. Moderator Stefan Hoffmann verstand es in seiner lockeren Art meisterlich, den Zuhörern, die teils sogar mittanzten, die Brücke zur Klassik zu bauen. Er erklärte den sehr wissbegierigen Schülern, die einzelnen Instrumente und stellte die Komponisten vor.

„Fuchteln mit mit dem Taktstock“

Auch Dirigent Dominik Beykirch erläuterte, worin seine Aufgabe („Fuchteln mit mit dem Taktstock“) besteht. Unter anderem erfuhren die aufmerksam lauschenden Schüler, dass ein späterer Profimusiker, der spätestens mit fünf oder sechs Jahren mit seinem Instrument beginnen muss, schon rund 20.000 Übungsstunden hinter sich hat, bevor er mit 19 oder 20 Jahren als Musikstudent startet. Beykirch stellte auch etliche Solisten vor, die den Schülern ihre Instrumente wie gute alte Freunde präsentierten.

Die Stücke für das ungewöhnliche Programm des „Jungen Konzerts“ wurden teils im Original, teils in neuen Arrangements präsentiert. Und so entstanden neue Hörerlebnisse auf der Grundlage von klassischen „Ohrwürmern“, die inzwischen schon Eingang in die Pop- und Werbewelt gefunden haben. Bach, Beethoven, Bernstein: Man kennt die Melodien, aber weiß nicht unbedingt woher. Die temperamentvollen „Toréadors“ aus Bizets „Carmen“ brachten beispielsweise schon bald etliche Schülerfüße zum Wippen.

KVD-Kindersitzung in der Römerhalle

KVD-Kindersitzung in der Römerhalle

Ungewöhnliche Kombinationen ließen staunen: Die Filmmusik aus „Mission Impossible“ ging in Beethovens legendäre Ode „Freude schöner Götterfunken“ über. „Da habe ich jetzt Gänsehaut“, flüsterte ein Mädchen seiner Lehrerin zu. Es gab nicht nur Frontalunterricht bei dieser Musikstunde, die unter die Haut ging, sondern auch Workshops: Bevor die Profis mit Edvard Griegs atmosphärischer „Morgenstimmung“ einsetzten, gaben Schüler des Flötenorchesters der GHS mit Musiklehrerin Karolin Bauriedel-Volk einige Takte vor – und bekamen von den Profis Applaus für ihren Mut. Und beim „Girl of Ipanema“, das mit Johann Sebastian Bachs „Air“ verquickt wurde, begann ein Schüler spontan mitzurappen.

Dass sogar einige Jungs zu tanzen anfingen, lobte Moderator Hoffmann ausdrücklich. „Das beeindruckt die Mädchen“, war er sich sicher. Jugendliche klassische Musik entdecken zu lassen, war das Ziel des Konzerts, das mit dem „Mambo“ von Bernstein schwungvoll zu Ende ging. Dass zusätzlich zur Orchesterbesetzung noch ein Schlagzeuger mitspielte, der früher mal bei AC/DC getrommelt hat, trug zum Erreichen des Lernziels auch noch bei.

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