Aus dem Konvikt wird Internat für Hochbegabte, die durchs soziale Raster fallen

Im Sinne Bischof Kettelers

Ein modernes Deck, einer Art Terrasse soll das Gesicht der neuen Schule mit angeschlossenem Internat im alten Konviktsgebäude werden. Im Sommer 2013 soll die Einrichtung eröffnen. Computer-Animation: Architekturbüro Möller

DIEBURG - Zum ersten Mal gibt es konkrete Informationen über die Zukunft für das Konviktsgelände: In der Stadtverordnetenversammlung stellte Architekt Michael Peters die ehrgeizigen Pläne vor. Von Lisa Hager

Nach acht Jahren des Leerstands kommt Leben in das alte Konviktsgebäude. Es soll eine Zweigstelle der Bischof-Ketteler-Schule in Klein-Zimmern werden, die wiederum dem Jugendhilfezentrum St. Josephshaus angegliedert ist. Allerdings wird die Einrichtung in Dieburg eine besondere Prägung erhalten, wie Peter Eckrich, der geschäftsführende Heimleiter des Theresien- Kinder- und Jugendhilfezentrums Offenbach, mit dem das St. Josephshaus kooperiert, den Stadtverordneten am Donnerstagabend erläuterte.

In Dieburg sollen künftig 33 Schüler, die durch Hochbegabung, aber auch durch mangelnde soziale Kompetenzen auffallen, in drei Gruppen, unterrichtet und teilweise auch ganztägig untergebracht werden. Dabei tritt das Theresien-Kinder- und Jugendhilfezentrum als Investor für das rund fünf Millionen Euro teure Projekt auf. Es soll sich langfristig über die Tagessätze für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 18 Jahren, die von den Jugendämtern geschickt werden, amortisieren. Bei den künftigen Bewohnern des Hauses handelt es sich um sogenannte „Lückenkinder“, die schon mehrfach schulisch gescheitert sind – nicht mehr „beschulbar“ sind, wie das im pädagogischen Jargon heißt. „Da ist beispielsweise ein Junge mit Asperger-Autismus“, erläuterte Eckrich, dessen Einrichtung in Offenbach 80 Schüler und eine Warteliste mit 50 Namen hat. Die meisten von ihnen haben Bindungsstörungen, die auf ein schwieriges familiäres Umfeld zurückzuführen sind. „Sagen wir es einmal so“, fasste Eckrich zusammen, „es wird eine Schule mit besonderem Flair für junge Menschen in besonderen Notlagen.“

Bis aber die Einrichtung eröffnen kann – die Baugenehmigung wird für August erwartet, der Betrieb soll im Sommer 2013 aufgenommen werden – ist noch viel zu tun: Michael Peters vom Architekturbüro Möller aus Bad Nauheim erläuterte die wichtigsten baulichen Maßnahmen, die bereits mit dem Denkmalschutz abgestimmt sind. Der zentrale Eingangsbereich soll auch optisch verdeutlichen, um welches Projekt es sich handelt. Dort wird eine modere Terrasse angebaut mit einer metallischen Tafel, die einen Durchschlupf bietet. Dieses „Gesicht“ der neuen Schule soll Geborgenheit, aber auch Freiraum in festgesetzten Grenzen vermitteln.

Im Osten bekommt das Gebäude, das laut Peters als Ganzes wie ein „da liegender Luxusliner“ wirkt, einen Anbau. Im Erdgeschoss sind Schulräume, ein Musikraum und die Mediathek untergebracht. Fensterfronten werden teilweise bis nach innen durchgebrochen, um mehr Licht zu gewinnen. Da die Haupträume des ehemaligen Priesterseminars nach Norden gehen, verschwenkt man die langen Flure. Jede Gruppe – immer fünf Schüler und ein Lehrer – bekommt Räume, die sich über zwei Etagen erstrecken. Das soll ebenso Identität vermitteln wie ein eigener Gruppen-Name und die dazu gehörigen T-Shirts.

Was soll aber mit dem großen Dachraum geschehen? Diese Frage hatte die Planer lange beschäftigt. Peters stellte die Ergebnisse der Überlegungen vor. Dort werden Stahlträger eingezogen, so dass ein großer Raum für rund 80 Menschen entsteht. „Hier können Theateraufführungen und Workshops stattfinden“, so der Architekt.

Ob es denn eine Eingrenzung mit Mauer wie in Klein-Zimmern geben werde, wollte beispielsweise Gertrud Meyer-Sauerwein (SPD) wissen. Dem erteilte Eckrich eine klare Absage: „Nein, wir bauen mit Sicherheit keine Mauer. Wir setzen vielmehr auf eine gute Kooperation mit der Nachbarschaft.“

„Wir werden uns doch vor 33 vielleicht etwas schwierigeren Schülern nicht fürchten oder sie gar in einem Ghetto ausgrenzen“, meinte Fraktionschef Ferdinand Böhm. Es sei doch positiv, dass auf dem zugewucherten Gelände nach so langer Zeit endlich etwas passiere.

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