Erster Weltkrieg

Sinnloses Massensterben

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Anna Schrod am Grab ihres Ururgroßvaters bei Verdun.

Dieburg/Verdun - Goetheschüler auf Lehrfahrt zu einem außerschulischem Lernort: Kurz vor den Sommerferien begaben sich die Klassen R9b und G8a der Goetheschule im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit den Lehrern Nadine Rennwanz, Jennifer Schnücker und Karl Rupp noch einmal auf große Fahrt und besuchen die Stadt Verdun in Lothringen.

Verdun wird während des Ersten Weltkriegs, der vor 100 Jahren begann, zum Symbol des sinnlosen Massensterbens. Das Schlachtfeld von Verdun hat eine Gesamtfläche von etwa 26.000 Hektar und während der Schlacht im Jahr 1916 werden in diesem Areal über 26 Millionen Granaten verschossen, das sind sechs pro Quadratmeter. Die „Knochenmühle von Verdun“ fordert rund 700.000 Menschenleben. Gesicherte Zahlen können nie ermittelt werden, Schätzungen bemessen die deutschen Verluste auf 338.000, die der Franzosen auf über 364.000 Tote.

Die Schüler der Unesco-Projektschule besichtigen die Festung Douaumont und das dortige Schlachtfeld. Gleichfalls besuchen sie das Beinhaus von Douaumont und den dazugehörenden französischen Soldatenfriedhof. Das Ossuaire de Douaumont beherbergt die Überreste von 130 000 anonymen französischen und deutschen Soldaten. Die Schüler nehmen das zerstörte Dorf Fleury in Augenschein und können in der unterirdischen Zitadelle von Verdun den Alltag der Soldaten im Schützengraben erahnen. Zeit bleibt auch für die Besichtigung Verduns.

Auf der Rückfahrt entlang der idyllisch mäandernden Meuse – einstmals blutdurchtränkt – ist der deutsche Soldatenfriedhof bei Dannevoux noch einmal Ziel der Exkursion. Jener Friedhof mit 1 402 deutschen Kriegstoten entsteht bereits im Dezember 1914 als Begräbnisstätte für in den Lazaretten gestorbene Schwerverwundete.

Stille Begegnung mit der blutigen Vergangenheit

Hierher werden auch die während der Kämpfe um die Maasübergänge Anfang September 1914 Gefallenen, die auf dem Gefechtsfeld in verstreut liegenden Feldgräbern begraben werden, umgebettet. Als Anfang März 1916 das Gebiet westlich der Maas in den deutschen Großangriff auf Verdun mit einbezogen wird, strömen zahlreiche Verwundete in die in Dannevoux etablierten Lazarette, und mit ihnen steigt auch die Zahl der auf dem Friedhof Beigesetzten. Die französischen Gegenangriffe im Herbst 1916 und August 1917 bringen erneut hohe Verluste. Die letzten Toten werden im September 1918 beerdigt. Französische Behörden lassen nach Kriegsende weitere deutsche Opfer aus den Nachbargemeinden nach Dannevoux umbetten.

Auch der Ururgroßvater der mitgereisten Schülerin Anna Schrod (Klasse G8a) liegt in Dannevoux begraben. Georg Kurz wird am 23.11.1884 in Groß-Umstadt geboren und fällt bei Verdun am 2.7.1916. Er ist Schuhmachermeister und führt mit seinem Vater und seinem um zwei Jahre älteren Bruder einen Schuhladen in Groß-Umstadt. Georg Kurz heiratet 1911 und ihm werden drei Kinder geboren, wobei der jüngste Sohn Karl, zwei Wochen, nachdem sein Vater ums Leben kommt, das Licht der Welt erblickt. Karl Kurz fällt 1944 in Russland und hat seinen kleinen Sohn auch nie gesehen.

Ururenkelin Anna Schrod legt ein Blumengebinde auf dem Grab von Georg Kurz (Dienstgrad „Gefreiter“) nieder. Geschichtslehrer Karl Rupp entzündet ein Öl-Licht. Gemeinsam gedenken die Exkursionsteilnehmer der Opfer beider Weltkriege.

An abgeernteten Weizenfeldern und vielen französischen und deutschen Soldatenfriedhöfen vorbei, fahren die Schüler nach Hause – ihre Gespräche sind verhalten und drehen sich meist um eins: das sinnlose Massensterben im Krieg.

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