Dieburger Stadtparlament

Sitzung „uff de Gass“

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Der Bauausschuss besprach am Samstag in der Zuckerstraße, wie deren Boden künftig aussehen soll. In gelber Jacke Planer Michael Reitzel.

Dieburg - Sitzung „uff de Gass“: Wer am Samstagnachmittag die Zuckerstraße an deren westlichem Eingang betrat, konnte geplant oder zufällig der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Dieburger Stadtparlaments beiwohnen. Von Jens Dörr

Wobei die Sitzung eher eine „Stehung“ war: Vor der Bäckerei Bormuth standen neben den Ausschussmitgliedern und weiteren Lokalpolitikern auch Anwohner und Gewerbetreibende aus der Fußgängerzone und lauschten insbesondere den Ausführungen von Michael Reitzel (Ingenieurbüro Reitzel, Groß-Zimmern). Sein Unternehmen plant die von März bis Ende Oktober 2014 anstehenden Kanalsanierungen in der Innenstadt, in deren Zug Dieburgs Flaniermeile Nummer eins einen neuen Untergrund bekommen soll. Aus dem recht tristen, an vielen Stellen geflickten jetzigen Grau des Zuckerstraßen-Bodens wird nach dem Willen der Ausschussmitglieder bis zum Martinsmarkt 2014 ein hellerer, freundlicherer Betonstein-Boden für die Einkaufsbummler.

Dieser Betonstein - bei Lieferung noch etwas rötlicher gefärbt - soll es für Dieburgs Flaniermeile künftig sein.

Reitzel hatte allerlei Anschauungsmaterial ausgelegt - vom Betonstein für 35 Euro pro Quadratmeter inklusive Verlegung bis hin zu reinen Lieferkosten von 300 Euro für den Quadratmeter Luxus-Granitstein. Ob Beton- oder Naturstein: Luxus scheint auch der Bezug von Material aus Deutschland zu sein. Ein einziges derartiges Beispiel hatte Reitzel mitgebracht, was aufgrund zu hoher Kosten schnell kein Thema mehr war. „In der Regel kommen die Steine wegen der Preisvorteile eben aus Asien“, so der Planer. Zu verlegen sind im kommenden Jahr insgesamt 2000 Quadratmeter. Weil auch die von Reitzel präsentierten Natursteine sämtlich erst bei 80 Euro - ohne Verlegung - begannen, verengte sich die Auswahl bald auf die ausgelegten Betonsteine.

„Ich entscheide die Farbe nach dem Preis“, machte CDU-Parlamentarier Renée Exner aus seinen Prioritäten keinen Hehl. Schließlich entsprechen zehn Euro mehr pro Quadratmeter 20.000 Euro mehr Kosten für die gesamte Zuckerstraße. Auf allzu biedere Steine wollte sich der Ausschuss aber auch nicht einlassen - „es geht hier um ein Dieburger Filetstück“, appellierte auch Reitzel. Die Wahl fiel auf einen hellgräulichen Betonstein mit minimalen rötlichen Einfärbungen der Oberfläche. „Den da, nur in rötlicher“, fasste Ausschussvorsitzender Andreas Will (Grüne) den einstimmigen Wunsch der Ausschussmitglieder Reitzel gegenüber zusammen. Eine entsprechend angepasste Optik sei möglich, versprach er.

Eingeflossen in die Entscheidung waren auch Gedanken zur Benutzbarkeit mit Rollstühlen und Rollatoren, zur Stabilität mit Blick auf strenge Witterung und Lieferverkehr und zum möglichst leichten Entfernen ungeliebten Kaugummis. Die Fugenbreite wird sich voraussichtlich auf fünf bis acht Millimeter belaufen. Als Steinformate kommen quadratische (30 mal 30 Zentimeter) und rechteckige (40 mal 20 Zentimeter) in Frage. Zu den Gebäuden an den Seiten der Flaniermeile sollen freie kleine Restflächen mit kleineren, optisch passenden Steinen belegt werden.

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