Seit 44 Jahren auf KVD-Bühne

Eisernes Ritual: Ein Bier vor der Sitzung

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66 Jahre Bühnenerfahrung: Sitzungspräsident Bernd Wolfenstädter (l.) steht 2014 seit 44 Jahren auf der Fastnachtsbühne, Protokoller Friedel Enders (r.) seit 22 Jahren.

Dieburg - Sie sind beide Führungsfiguren der Dieburger Fastnacht - und feiern in diesem Jahr jeweils ein närrisches Bühnenjubiläum: Friedel Enders und Bernd Wolfenstädter. Von Jens Dörr

Enders, Präsident des Karnevalvereins Dieburg (KVD) und damit zugleich der mitgliederstärksten organisierten deutschen Narretei, steht in dieser Kampagne zum 22. Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Wolfenstädter dürfte darüber derweil nur müde lächeln: Er ist in diesem Jahr zum 44 . Mal als Aktiver bei den KVD-Sitzungen mit von der Partie.

Im Elferrat sitzen die zwei Fastnachter Seit’ an Seit’, in puncto Bühnenerfahrung hat Wolfenstädter seinem Nebenmann Enders aber zweimal elf Jahre im Rampenlicht voraus. Sitzungspräsident Wolfenstädter hat eine Fastnachtskarriere wie aus dem Bilderbuch hingelegt: 1969 wirkte er erstmals auf der Kindersitzung mit, wurde 1975 Präsident der Nachwuchssitzung. Früher seien die Moderatoren der „kleinen“ Sitzung oft älter als heute gewesen, teils 18 Jahre, erzählt er. 1977 feierte Wolfenstädter auch bei der „großen“ Sitzung Premiere - als Penner. Dann zog er seine Wortvorträge durch, immer als Solist, bis 2004. Seit 2005 leitet er die Sitzungen, kann auch bei der siebten Wiederholung kaum genug von Spaß und Tanz bekommen.

Urgesteine der Fastnacht

Nur zweimal pausierte er in den vergangenen 46 Jahren, was die viermal elf Jahre „erst“ 2014 wahr werden ließ. „Wegen Hausbau und Baby habe ich mal ausgesetzt“, blickt Wolfenstädter zurück - und lässt als bekanntlich stets gut Gelaunter fast standesgemäß sein Lachen erklingen. Ein fröhlicher, angenehmer Zeitgenosse ist auch Friedel Enders, der qua Sitzungsamt als Protokoller indes auch mal nachdenkliche Töne auf der Bühne anschlägt. Seit 15 Jahren bildet seine Rede den ersten Wortvortrag, zu früheren Ludwigshall- wie heutigen Römerhallen-Zeiten.

Erste KVD-Sitzung in Römerhalle

Erste KVD-Sitzung in Römerhalle

Ein Bühnen-Nobody war Enders unterdessen nicht, als er das Protokoller-Amt von Alfons Angermeier übernahm: Zuvor hatte er bereits als Sträfling, Metzger und vieles mehr in der Bütt gestanden. Hans Hampl hatte ihn damals als Protokoller ins Gespräch gebracht. Neben der Liebe für die Dieburger Fastnacht und dem närrischen Bühnenjubiläum 2014 eint die beiden befreundeten Narren unterdessen noch ein Ritual, das sie auch nach dem Wechsel in die Römerhalle eisern pflegen: „Vor jeder Sitzung trinken wir zusammen ein Bier“, sagt Bernd Wolfenstädter - um Friedel Enders wenig später vor Hunderten von Zuschauern höchstpersönlich als Protokoller anzusagen.

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