Konzert der „Skiffle Ramblers“

„Ice Cream“ – fetzig wie Dieburg ‘79

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Fast wie „Dieburg ‘79“ (so heißt eine ihrer Hymnen): Seit über 30 Jahren spielen die „Skiffle Ramblers“ die Songs ihrer Jugend.

Dieburg/Groß-Zimmern - Die "Skiffle Ramblers" brachten eins "IngAk"-Waldfeste zum Kochen. Heute stimmt der Sound immer noch. Von Lisa Hager

Mit einem kleinen roten Handtuch wischt sich Andreas Engelhard in der Pause über das haararme Haupt - jetzt wo der Hut weg ist, kann man es nicht anders sagen. Aber obwohl er und seine vier Musikerkollegen nicht mehr der Generation Facebook angehören - sie sind um die 55 (plus/minus), gestandene Familienväter und stehen mit beiden Beinen fest im Beruf - tauchen bei vielen Zuhörern an diesem phänomenalen Abend im Groß-Zimmerner „Glöckelchen“ Jugenderinnerungen auf. 1980 gründeten sie sich in Dieburg als damals siebenköpfige Studentencombo - die legendäre Band, die beim jährlichen Waldfest in der „IngAk“ den Boden zum Beben brachte. Und „The First Telecommunication Men Skiffle Formation“ wie sie sich damals nannte, hat heute noch - über 30 Jahre danach - ihre Fangemeinde. Einige aus dem alten „IngAk“ler-Kreis sind natürlich dabei beim Auftritt der „Skiffle Ramblers“ und fordern im Fortschritt des temperamentvollen Abends dann bald lautstark „Ice Cream, News Cream“ - den legendären Chris Barber-Song, der an den Waldfesten die Studenten auf die Bänke und diese zum Einsturz brachte.

Gut gelaunt, schnell, mit perfekten Einsätzen kann man die ungewöhnliche Musikrichtung beschreiben, die ursprünglich rein afroamerikanisch war, dann aber Elemente aus Blues, Jazz, Swing, Gospel und Country übernahm. Fürs Spielen auf den Haustreppen und Hinterhöfen der „Windy City“ Chicago am Michigan See, wo die Kneipen zu weit und eh zu teuer waren, galt: Die Musikinstrumente durften nichts oder kaum etwas kosten, Skiffle wurde ja von armen Leuten zur eigenen Unterhaltung gemacht. „Wenn man eine ältere Gitarre beim Nachbarn im Keller entdeckt, ein paar Seiten aufzieht, zwei, drei Griffe lernt und mit ein paar Kumpels loslegt, dann ist das Skiffeln“, beschreibt die Band die Musikrichtung selbst. Und so zupft Andreas Engelhard - er kam einst aus Göttingen, wohnt jetzt in Webern/Modautal - mit seiner arbeitsbehandschuhten Hand an der einzigen Saite auf seinem Bass. Sie ist mit 80 Euro das Teuerste an seinem Instrument, das natürlich selbst gebaut ist (Ehrensache!). Der Resonanzkörper ist eine alte Teekiste, der Hals ein Besenstiel. Sonnyboy Engelhard sorgt mit Temperament, launigen Ansagen und seiner swingenden Stimme auch für die Klangfarbe der Band.

Der wichtigste „Tonträger“ für den Skifflesound ist zweifelsohne Jürgen Krämer (Roßdorf). Er schrubbt unermüdlich mit seinen in Metallhütchen steckenden Fingern übers Waschbrett („Man kann mich ausleihen, aber nur bis 30 Grad Handwäsche“), haut aufs Mini-Becken und sorgt für den typischen, schleifenden, mitreißenden Takt. Seine exakten Percussioneinsätze gliedern und hacken die meist englischen Songs in Rhythmushäppchen, die in atemberaubender Geschwindigkeit serviert werden. Heinz-Jörg Schmieder (Dieburg) hat mit seiner beeindruckenden Stimme als Leadsänger das richtige Timbre drauf - auch das von Johnny Cash beispielsweise. Zudem ist er in der Band für die Gitarre zuständig.

„Allround-Saitenkünstler“ Michael Gockel (er gab als eingewanderter Zimmerner mit dazu passendem Familiennamen ein Heimspiel) hält sich zwar im Hintergrund, dennoch ist sein virtuoses Banjo-Spiel unerlässlich für den typischen Sound. Rolf Bayer (Dieburg) hat als Mann der Tasten nicht nur die Klaviatur im Griff, sondern steuert auch Akkordeonklangfarbe bei. Und was war jetzt mit „Ice Cream“? Natürlich kam der legendäre „Ing-Ak“-Schlager zum Abschluss und brachte einige zum Tanzen. „30 Jahre Waldfest FH Dieburg“ - mit diesem T-Shirt zeigte einer der Beine-Schwinger seine Verbundenheit.

Wer die „Skiffle Ramblers“ hören möchte, hat die nächste Gelegenheit dazu am Freitag, 22. November, um 20 Uhr im „Kühlen Grund“ in Reinheim. Dort spielen sie im Wechsel mit der Dieburger Folkrock-Band „Heed the Call“ (Eintritt frei!). Weitere Informationen unter www.skiffleramblers.de und zum Kulturzentrum „Glöckelchen“, das von einem Verein betrieben wird, unter: www.gloeckelchen.de.

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