Sogar das Jugendamt ist begeistert

Recht schmal ist der Wirtschaftsweg, über den der Waldkindergarten angedient würde. Denkbar ist die Erweiterung um Ausweichbuchten. Fotos: dörr

Der erste Dieburger Waldkindergarten kann wohl im August am KJG-Häuschen in Betrieb gehen. Es soll maximal 20 Plätze geben. Die Zufahrt führt über den Wirtschaftsweg. VON JENS DÖRR

Dieburg – Die Kinderbetreuung in Dieburg schlägt wahrscheinlich noch in diesem Sommer ein neues Kapitel auf: Schon mit Beginn des nächsten Kindergarten-Jahres im August soll der erste Waldkindergarten der Gersprenzstadt in Betrieb gehen. Laut Bürgermeister Frank Haus (parteilos) rückt die Betriebserlaubnis näher.

Kürzlich fand ein Vor-Ort-Termin am KJG-Häuschen statt, für das die Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul keine Verwendung mehr hat und das zum Mini-Kindergarten werden soll. Dabei schaute sich eine Vertreterin des Jugendamts Darmstadt die örtlichen Gegebenheiten im Dieburger Norden an. Dort, am Waldrand, nahe „Fohlenweide“, Schützenhaus und Baumschule Pohlenz, steht das kleine Häuschen samt seiner kleinen, frei zugänglichen Außenfläche, zu der etwa eine Lagerfeuer-Stelle gehört. „Die Dame, die für die Betriebserlaubnis zuständig ist, war begeistert“, berichtet Haus. In der Tat scheint der Platz für Erlebnisse in der Natur wie gemacht: Neben Bäumen, Wiesen und Feldern sind auch Stillgraben und Gersprenz in der Nähe.

Dass zum KJG-Häuschen derzeit nur ein Wirtschaftsweg führt und dass das Objekt sowie der Außenbereich bis zur Inbetriebnahme noch hergerichtet werden müssten, sieht Haus derweil als geringe Aufgabe an.

Wer vom Urberacher Weg auf Höhe der Mörsmühle später einmal mit dem Auto nach links und dann gleich wieder rechts gen KJG-Häuschen abbiegen wird, um sein Kind dorthin zu bringen, wird auf dem letzten Stück des Wirtschaftswegs feststellen, dass dort kaum zwei Autos aneinander vorbei passen. Die Umwandlung in eine breitere Straße oder zumindest Piste sei jedoch nicht geplant, so der Bürgermeister: „Die Zufahrt wird nicht verändert – höchstens durch Ausweichbuchten. Ich hoffe aber, dass die meisten ihre Kinder sowieso mit dem Fahrrad hinbringen werden.“ Zum regelmäßigen Hinlaufen ist die Entfernung von den meisten Dieburger Wohngebieten für kurze Beine indes zu weit.

Fest steht Haus zufolge aktuell nicht nur, dass die Nieder-Ramstädter Diakonie (wie berichtet) den Waldkindergarten betreiben wird. Auch die Maximalzahl von 20 Kindern sei klar: „Mehr genehmigt uns auch der Landkreis nicht.“ Aufgenommen werden sollen ausschließlich Kinder im Ü3-Bereich. Sie sollen den Waldkindergarten an fünf Tagen pro Woche besuchen, auch im Winter, und würden damit ausschließlich an diesem Standort betreut. Inwieweit – derzeit nicht vorhandene – Infrastruktur wie Sanitäranlagen geschaffen werden, steht noch nicht fest.

Keine Sorgen hat Frank Haus allerdings, dass der Waldkindergarten angenommen wird. „2018 haben wir eine Umfrage unter Dieburger Eltern gemacht, ob sie sich vorstellen könnten, ihr Kind in einen Waldkindergarten zu schicken. Das Interesse war überwältigend, wir könnten den Kindergarten wohl doppelt voll machen.“ Zwar sei es der Stadt nicht möglich, damit den Rechtsanspruch gegenüber Eltern zu erfüllen, die den staatlich garantierten Platz für ihr Kind einforderten; dies geht nur über konventionelle Kindergarten-Plätze. „Doch durch den Wechsel von Kindern in den Waldkindergarten würden ja in anderen Dieburger Kitas Plätze frei“, sagt Haus zum Beitrag des baldigen neuen Angebots zur Entschärfung des Platzmangels im Mittelzentrum. Zudem hoffe er, dass der Diakonie als auserkorener Trägerin die Bereitstellung des benötigten erzieherischen Personals gelinge. „Das wird in der Kinderbetreuung perspektivisch die noch schwierigere Aufgabe als die Lösung des Platzproblems.“

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