Sogar ans Winke-Fenster gedacht

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Interessierte Blicke: Der Anbau der Kita Odenwaldstraße konnte am Freitag besichtigt werden.

Dieburg - Neugierig und etwas verdutzt schaut der zweijährige Moritz, als seine Mutter zu ihm sagt, dass er zukünftig in diesem Raum schlafen wird. „Da bist du mit Max zusammen. Denn dein Cousin kommt auch hier rein“, fügt sie noch aufmunternd hinzu. Von Michael Just 

Einen Schlafraum gab es bisher im evangelischen Kindergarten nicht. Das wird sich ab dem 1. November ändern, denn dann startet die neue U3-Betreuung in der Odenwaldstraße. Insgesamt stehen dort zehn Plätze künftig für die Allerkleinsten zur Verfügung. Das macht ein in den letzten Monaten errichteter Anbau möglich, der mit einem Tag der offenen Tür sowie einem Familienfest samt Zirkusshow eingeweiht wurde. Pfarrer Dieter Schmidt und Kirchenvorstandsmitglied Dieter Klages freuten sich über das Interesse der Gäste, insbesondere von Kindern, die ihren zukünftigen Aktionsbereich inspizierten.

Bei der Einweihung war fast der gesamte Magistrat vertreten, was nicht verwunderte, denn die Kindergärten nehmen einen erheblichen Posten im Haushalt ein. „Rund vier Millionen Euro lässt sich die Stadt ihren Nachwuchs pro Jahr kosten“, sagte Erster Stadtrat Wolfgang Schupp. Vor allem die U3-Betreuung fordere an fast allen Einrichtungen zum Handeln auf.

Abdeckung: 60 Prozent

Derzeit liegt die U3-Abdeckung in Dieburg bei 60 Prozent. Für den Anbau in der Odenwaldstraße stellte die Stadt rund 150 000 Euro bereit, der gleiche Betrag kam nochmal vom Kreis. Bei den Kosten blieb der Träger außen vor, da dieser den Betrieb finanziert. Das neue U3-Angebot schafft zudem Arbeitsplätze: Der Erzieherkreis wächst um drei auf 15 Personen. Die Gesamtkinderzahl beträgt fortan 85. Rund ein Jahr dauerten die Arbeiten, die nicht ganz einfach waren, da ein Höhenunterschied vom neuen zum alten Bereich baulich ausgeglichen werden musste. Dazu gab es kleinere Probleme mit dem Fundament. Für leichte Verzögerung sorgte zudem eine neue Betriebsvereinbarung, die im Vorfeld zwischen Stadt und Kirchengemeinde abgeschlossen wurde.

Für U3 stehen rund 80 Quadratmeter zur Verfügung. An den Aufenthaltsraum ist ein Schlafbereich sowie ein kleiner Wasch- und Küchenbereich angeliedert. Wie Kindergartenleiterin Claudia Moosdorf sagte, habe man sich im Vorfeld Krippenlösungen in der Umgebung angeschaut. In der Folge bestand mit Architekt Udo Raabe ein reger Kontakt. Der zeigte sich bemüht, sämtliche Vorschläge und Notwendigkeiten einzuarbeiten. Dazu gehörte beispielsweise ein kleines Fenster zum Waschraum, das den Blick der Erzieher zum Geschehen am Becken ermöglicht. „Für die Kleinkinder ist es wiederum wichtig, dass sie stets Augenkontakt zu ihrer Bezugsperson haben“, so Moosdorf.

Laut Architekt Udo Raabe dürfte man für glückliche Krippenkinder kaum etwas vergessen haben. Umgesetzt wurde unter anderem ein runder Gang, der zur Krippe führt. „Ist der Gang gerade, können die Kleinkinder sehen, wie ihre Eltern das Gebäude verlassen. Das bringt oft Tränen mit sich“, weiß Raabe. Dazu hat man auch an jene gedacht, die schon etwas gefestigter beim Abgang von Mama und Papa sind: „Für sie gibt es ein kleines Winke-Fenster, durch das sie sich verabschieden können.“

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