Es soll eine richtige Orgel sein

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Die prachtvolle Orgel der Dieburger Wallfahrtskirche ist endgültig verstummt. Trotz aller im Laufe der Jahre vorgenommen Restaurierungen und Säuberungen ist das Instrument nicht mehr zu retten. Jetzt will die katholische Pfarrgemeinde und ein Förderkreis mit verschiedenen Aktionen und Benefizveranstaltungen Geld für ein neues Instrument sammeln.

Dieburg ‐ Die Fundamente der Gnadenkapelle reichen bis ins erste christliche Jahrtausend zurück. „Im Bistum Mainz ist man sich der hohen kulturellen und religiösen Bedeutung der Wallfahrtskirche sehr bewusst“, sagt Pfarrer Alexander Vogl von der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul. Die Stimme dieses bedeutenden Kulturguts allerdings ist seit Mai nicht mehr zu hören: Die Orgel ist nach 250 Jahren verstummt. Von Lisa Hager

Schon 1899 hatte sich ein Kapellbauverein in Dieburg gegründet, um die Gnadenkapelle zu sanieren. Damals war die Orgel schon 140 Jahre alt: Der Dieburger Kunstschreiner Johann Peter Achtekirch hat sie samt Empore 1759 erbaut. Er bekamt laut alten Aufzeichnungen 608 Gulden und 30 Kreuzer für seine Arbeit. Damals besaß die Orgel 18 Register, drei Bälge und zwei Windlachen. Bereits 1769 wurde sie das erste Mal technisch und klanglich umgestaltet. Heute ist sie eine Rarität, es gibt keine vergleichbare. Deshalb soll auch das Orgelgehäuse möglichst erhalten bleiben.

Vielfach wurde die Orgel in den folgenden Jahrhunderten gesäubert, Pfeifen repariert. Die letzte große Überholung fand im Jahr 1972 statt. Weitere Investitionen waren ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll.

Kosten schwanken im sechsstelligen Bereich

Als dann im Mai der Orgel die Luft weg blieb, wurde das weitere Vorgehen in großer Runde besprochen. Orgelsachverständige haben ein Konzept erstellt, an dem auch die Organisten der Gemeinde mitwirkten. Auch das Denkmalamt des Bistums hat in diesen Fragen Mitspracherecht. Dann wurde die Arbeit ausgeschrieben - ein Angebot ist eingegangen, zwei weitere werden erwartet. Und mit welchen Kosten wird man rechnen müssen? „Eine Orgel, die nicht nur optisch schön ist, sondern auch gut klingt, hat ihren Preis“, sagt Vogl. Gerechnet wird mit einem „sechsstelligen Betrag“, der sich zwischen 100 000 und 500 000 Euro einpendeln soll.

Und da Kosten für Glocken oder Orgeln nicht vom Bistum Mainz übernommen werden, hoffen Vogl und der Pfarrgemeinderat unter Vorsitz von Doris Diefenbach auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Um Benefizveranstaltungen und andere Aktionen zu organisieren, hat sich auch ein Orgelbau-Förderkreis im Rahmen des alten Kapellbauvereins unter dem Vorsitzenden Karlheinz Braun gegründet (wir berichteten).

Digitale Orgel ist keine Option

In letzter Zeit wurde - auch in Leserbriefen - von Gemeindemitgliedern darüber diskutiert, ob nicht eine wesentlich günstigere Lösung, der Einsatz einer digitalen Orgel, möglich wäre. Dieser Idee erteilt Vogl und der Pfarrgemeinderat eine klare Absage: „Das ist übrigens nicht unsere Entscheidung allein“, sagt er. „Der Generalvikar des Bistums Mainz gestattet den Einsatz von solchen so genannten ,Orgamaten' gar nicht. Ganz abgesehen davon, dass sie auch nicht wie eine echte Orgel klingen.“

Zudem gehe es in dem speziellen Fall nicht um einen einfachen Ersatz für das Instrument, sondern um eine möglichst genaue Rekonstruktion. Allein das aber ist schon schwierig, da es nur wenige aussagekräftige Quellen über das ursprüngliche Aussehen gibt. „Es muss aber wieder eine richtige Pfeifenorgel sein“, betont Vogl, „und kein digitaler Ersatz.“

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