Kunstwerke – ganz nah an den Dingen

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Tiefgefrorene Tintenfische wurden von Peter Heckwolf künstlerisch wieder zum Leben erweckt.

Dieburg - Zwischen die Seiten eines Buches passen nicht nur Worte, das beweist die neue Sonderausstellung in Museum Schloss Fechenbach, die am morgigen Sonntag, 16. Juni, um 16 Uhr eröffnet wird.

Unter dem Titel „Realien“ zeigt der in Dieburg geborene Künstler Peter Heckwolf Grafiken und Künstlerbücher. In seinen Grafiken und Buchobjekten präsentiert er alltägliche Objekte in ungewöhnlichen Sichtweisen. Mit Hilfe selbst entwickelter Abbildungstechniken und in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem Material druckt Heckwolf im Direktdruckverfahren. Durch diese faszinierende Methode erscheinen vertraute Dinge in verblüffender Schönheit. So erweckt Peter Heckwolf etwa tiefgefrorene Tintenfische künstlerisch wieder zum Leben, zeigt Spuren, die ein Borkenkäfer hinterlassen hat, oder gibt Abdrücken seiner eigenen Nase auf Stofftaschentüchern den passenden Rahmen. „Mein Anliegen ist es, meine Kunst möglichst ursprünglich und nah an den Dingen zu entwickeln“, erklärt Heckwolf. In die Entwicklung des Direktdruckverfahrens für Spinnennetze, die ebenfalls in ihrer Vielfalt in der Ausstellung zu sehen sind, hat er so etwa zehn Jahre investiert.

Mit der Ausstellung kehrt Peter Heckwolf zu dem Ort zurück, in dem er in seiner Jugend wichtige Impulse für seine Arbeiten erhalten hat. Die Bibliothek des im Herbst 2012 geschlossenen Dieburger Kapuzinerklosters, die zwischenzeitlich aufgelöst wurde, hat ihn einst zutiefst beeindruckt.

Bibeln im Miniaturformat

Die großen Messbücher und die Bibeln im Miniaturformat durfte er als Messdiener im Kloster noch selbst in die Hand nehmen und darin blättern – ein faszinierendes und prägendes Erlebnis. Auch der damalige Klostergarten war solch ein unverwechselbarer Ort. Er war eine in sich abgeschlossene Welt voller interessanter Ecken, wo es viel zu entdecken gab.

So mögen auch seine Entscheidungen für eine Lehre als Schriftsetzer und, später, für die Fachoberschule für Gestaltung von den Erfahrungen in der Klosterbibliothek beeinflusst worden sein.

Nach seiner Ausbildung als Schriftsetzer und dem Abitur studierte Peter Heckwolf an der Kunsthochschule Kassel für das Lehramt Kunst. Seit 1994 unterrichtet er Freie Graphik an der Bauhaus Universität in Weimar. In seinen künstlerischen Arbeiten sind vielfältige Bezüge zu seiner Kindheit zu entdecken. Denn er „entblättert“ im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Büchern eine Welt, die kaum noch wahrgenommen wird und als Gegenstand künstlerischer Betrachtung wenig Beachtung findet.

Eigenwillige Schönheit

Er lädt die Besucher ein, alltägliche Dinge zu sehen, die aufgrund ihrer scheinbaren Banalität unbeachtet bleiben und zeigt ihre eigenwillige Schönheit. Er spielt mit Fiktion und Wirklichkeit, in dem er einen Teppichklopfer über realen Staub sichtbar macht oder mit echten Schweinerüsseln eine Bratwurst druckt. Der Gegenstand wird nicht einfach abgebildet, sondern über seine realen Attribute dargestellt.

Peter Heckwolfs Künstlerbücher und Grafiken sind in zahlreichen bedeutenden privaten und öffentlichen Buchsammlungen vertreten. Die Präsentation bietet einen umfassenden Einblick in das künstlerische Schaffen des vielseitigen Künstlers.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, 16. Juni, um 16 Uhr statt. Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor-Museums Offenbach wird in die Ausstellung einführen. Geöffnet ist die Ausstellung vom 18. Juni bis zum 30. August. Ein Begleitband wird im Museumsshop erhältlich sein. 

lho

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