Sonnengesang im Klostergarten

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Der Sonnengesang im Klostergarten - so könnte er aussehen. Mareike Völp präsentiert ihren Entwurf. Mit dabei Bruder Berthold Oehler und OWK-Vorsitzender Franz Zoth.

Dieburg ‐ So sichtbar wie die Adelsgeschlechter Ulner, Groschlag und Fechenbach Spuren hinterlassen haben, so deutlich sind in Dieburg auch die Zeugnisse der Kirchen- und Klostergeschichte erhalten. Von Laura Hombach

Das erste Dieburger Kapuzinerkloster gegenüber der Wallfahrtskirche wurde zwar im Zuge der Säkularisierung 1822 in ein Gefängnis - heute Justizvollzugsanstalt - umgewandelt. Aber als 1860 die Kapuziner wieder nach Dieburg zurückkehrten und das Kloster im Minnefeld bauten, orientierten sie sich wieder an der Jahrhunderte währenden Tradition der Gartenarchitektur.

Der Klostergarten wurde in Gemüsegarten, Baumgarten, Weingarten und Kräuter- oder Arzneigarten unterteilt. Der Gemüsegarten musste eine gewisse Größe aufweisen, da er Sommer wie Winter einen großen Teil der Nahrung lieferte. Der Baumgarten war ebenso wichtig wie der Gemüsegarten. Die Ernährung folgte dem Rhythmus der Jahreszeiten und den technischen Möglichkeiten der Konservierung. So wurde von den Früchten der Bäume viel Kompott hergestellt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts Wein erzeugt

Ebenso bedeutsam war der Weingarten, dem es zu verdanken ist, dass sich regionale Sorten entwickelten. Urkundlich belegt ist, dass im Dieburger Klosterweinberg Ende des 18. Jahrhunderts zwischen 2000 und 3000 Liter Wein pro Jahr erzeugt wurden. Im Kräuter- oder Arzneigarten, in der Fachsprache „Herbarius“ genannt, wuchsen Heilpflanzen, Kräuter und ausgesuchte Blumen. Der Duft und die Farben eines solchen Gartens besaßen in der ganzheitlichen Sichtweise ebenfalls heilende Bedeutung.

Die Prinzipien der damaligen Gartenarchitektur gelten auch heute noch, so Mareike Völp, die sich in ihrer Bachelor-Arbeit mit dem Garten des Dieburger Kapuzinerklosters befasst hat: „Ihre Gärten wiesen geometrische Formen auf, in denen das Symbol des Kreuzes die Felder gliederte.“ Das ist auch im Garten des Kapuzinerklosters in Dieburg der Fall, obwohl das Kreuz hier nicht mehr mittig angeordnet ist. Nachdem in den 60er Jahren ein Teil der Anlage Parkplatz geworden ist, wurde das symmetrische Ordnungsmuster hinter der Klostermauer nicht umgestaltet, sondern zur Straßenseite hin um die Stellplatzfläche verkleinert.

Ursprüngliche Struktur der Anlage wieder freigelegt

Seit Mai dieses Jahres haben Mitglieder der Initiative St. Wendelin im Odenwaldklub und des Freundeskreises der Kapuziner zusammen mit Guardian Bruder Berthold kräftig Hand angelegt, um die ursprüngliche Struktur der Gartenanlage wieder freizulegen. Das Gartenkonzept soll sich dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus widmen. Mit dem „Franziskusgarten“ soll dem theologisch-ökologischen Ansatz Rechnung getragen werden, der auf dem Fundament der Bewahrung der Schöpfung basiert. Im Gebet des Sonnengesangs besingt Franz von Assisi die Schöpfung in Form von Sonne, Mond und Sternen, die Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde sowie die Menschen als Friedensstifter.

Am Donnerstag, 23. September, um 19.30 Uhr wird Mareike Völp anlässlich des „Ersten Hessischen Tages der Nachhaltigkeit“ in der Klosterkirche ausgewählte Kapitel ihrer Bachelor-Arbeit vorstellen. Bei einem Rundgang durch den Garten besteht die Möglichkeit, vor Ort die Gestaltung der Themenfelder in den Blick zu nehmen. Ausgewählte Passagen werden hierfür mit Kerzenlicht illuminiert.

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