Sorgenfrei am Wasserbecken

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Die Kinder von St. Josef können wieder unbekümmert mit Wasser experimentieren.

Dieburg ‐ Die Kinder in Sankt Josef toben als sei nie etwas gewesen. Kreischend rennen sie durch die Räume oder tollen in dem kleinen Turnraum umher. Der Alltag ist in die Kindertagesstätte zurückgekehrt. Von Dirk Beutel

Dabei herrschten hier noch vor wenigen Wochen zum Teil chaotische Zustände. Ein Rückblick: Bei Routineuntersuchungen entdeckte das Gesundheitsamt Darmstadt im April 2008 Konzentrationen von Legionellen in den Wasserleitungen der Kita. Sowohl die schlechte Isolation der langen Wasserleitungen, als auch der zentral angebrachte Verbrühschutz im Keller, der das Wasser auf etwa 30 Grad regulierte, begünstigten das Entstehen der stäbchenförmigen Bakterien, die erst ab einer Temperatur von rund 60 Grad abgetötet werden. „Nach der Hochwasserüberschwemmung 1994 war das unsere zweite schwere Bewährungsprobe“, sagt Kita-Leiterin Juliane Brechtel, die bestätigt, dass sich kein Kind mit dem Krankheitserreger infiziert habe.

Nachdem das Durchspülen der Leitungen und thermische Desinfektionen keinen Erfolg brachten, entschied sich der Träger, die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, im Oktober 2009 alle Wasserleitungen komplett zu erneuern.

Sanierung kostete 120 000 Euro

Während der Planungsphase wurden elf Entnahmestellen trockengelegt. Für jede der vier Kindergruppen stand jeweils nur noch ein Wasserbecken zur Verfügung. Deren Wasserhähne wurden mit zusätzlichen Filtern ausgestattet, die alle 28 Tage ausgewechselt wurden. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Juni dieses Jahres. Die Verantwortung übernahm Hans Herz aus Dieburg, Fachplaner für Heizungs- und Sanitäranlagen. Architekt Hans Hix, der ansonsten für alle baulichen Bereiche der Pfarrei St. Peter und Paul zuständig ist, übernahm begleitend die Bauplanung.

Neue Wasserrohrleitungen wurden verlegt und nach aktuellem Standard isoliert, an jedem Wasserhahn wurde ein separater Verbrühschutz eingebaut. Die Sanierung kostete die Diözese und die Pfarrgemeinde 120 000 Euro.

Keine Aufnahme von Schulkindern mehr

Kita-Leiterin Juliane Brechtel ist sichtlich erleichtert: „Monatelang gehörten Bauarbeiter und Baulärm zu unserem Alltag. Ich bin froh, dass wieder Ruhe einkehrt.“ Aber nicht sofort. Denn in dieser Woche haben sich noch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, des Brandschutzes und des Veterinäramtes angekündigt.

Während der Sanierungsarbeiten wurde die Einrichtung gleichzeitig für Kinder unter drei Jahren ausgerüstet. Für 45 000 Euro, die das Land Hessen übernimmt, wurde unter anderem ein neuer Wickelraum geschaffen, niedrigere Waschbecken und Toiletten installiert. Denn ab sofort wird die Kita St. Josef keine Schulkinder mehr aufnehmen, da die Grundschulen ihre Betreuungszeiten ausweiten. Statt dessen stehen neun Plätze für Kinder ab einem Jahr zur Verfügung. Für acht von ihnen gibt es bereits Anmeldungen. Auch die Kita St. Wolfgang bereite sich für die Aufnahme von unter Dreijährigen vor. Geplant seien zehn Plätze, sagte Pfarrer Alexander Vogl.

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