Spaßiger Sister Act, aber Arbeit wird schwieriger

+
Turbulentes Hoffest: In Anlehnung an die Kino-Komödie „Sister Act“ flitzten beim Fest des gemeindepsychiatrischen Zentrums der Caritas Nonnen über den Hof.

Dieburg ‐  „Der Caritas-Verband hat keine Kosten und Mühen gescheut, ihnen heute Spezialgäste aus den USA zu präsentieren: Hier ist Sister Act!“, geht die Ansage über den Lautsprecher. Von Michael Just

Danach tanzen mehrere Frauen in Nonnenkostümen über den Hof des gemeindepsychiatrischen Zentrums in der Aschaffenburger Straße. Bei Elisabeth Rank-Kuhn fallen ihre knallroten Schuhe ins Auge, die noch mehr Farbe in die Aufführung bringen. Die Caritas-Mitarbeiterin hängt sich mit besonders viel Hingabe ins Zeug. So verwundert es nicht, dass den meisten schnell warm in ihren schwarzen Roben wird. „Zugabe, Zugabe!“ schallt es trotz der schweißtreibenden Angelegenheit.

„Wir hatten das schon einmal zur Weihnachtsfeier gemacht. Da kam das richtig gut an“, erzählt Dienststellenleiterin Claudia Bock über den gemeinsamen Auftritt von Klienten und Mitarbeitern. In diesem Fall ist es ein Spiegel der Arbeit: „Wir machen in unserer Tagesstätte auch Tänze und viele andere kreative Sachen“, so Bock weiter. Beim „Hoffest“ gab es davon einen kleinen Abriss. Dazu wurde den Bürgern die Gelegenheit geboten, die Einrichtung kennen zu lernen - und das bei bester Unterhaltung. Dass man keine Kosten und Mühen gescheut hatte, bewies nicht zuletzt die Band „ Faena“, die im Stile der „Gipsy Kings“ spanische Rhythmen schmetterte.

„Unsere Arbeit ist mehr geworden“

Das gemeindepsychiatrische Zentrum der Caritas gliedert sich in drei Bausteine: Zum einen die psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle, die Tagesstätte und das Betreute Wohnen. Zusammen mit der Außenstelle in Reinheim deckt man mit 22 Mitarbeitern den gesamten Ostkreis ab.

„Unsere Arbeit ist mehr geworden“, hebt Bock heraus. So steige die Zahl psychischer Erkrankungen derzeit, vor allem bei jungen Leuten mit drogeninitiierten Psychosen. Das mache die Lage schwierig: „Viele sind noch gar nicht in das Arbeitsleben integriert. Das ist eine große Herausforderung, diese überhaupt zum ersten Mal in den Arbeitsmarkt zu bekommen.“ Nicht leicht macht die Aufgabe zudem, dass es bei den Betroffenen oft an sozialer Kompetenz mangelt, dazu sind viele durch ihre Verhaltensauffälligkeit gesellschaftlich ausgegrenzt und besitzen keine Kontakte. Hier greift dann die Tagesstätte und die Beschäftigungsprojekte der Caritas. Zuerst wird versucht, den Betroffenen einen grundlegenden Tagesrhythmus zu geben. Die jungen Menschen sollen raus aus ihrem „Nest“, dafür müssen sie vermittelt bekommen, dass es einen Sinn macht aufzustehen.

Die engmaschige Betreuung in einer Gemeinschaft fördert dann Selbstsicherheit und das Vertrauen, mehr im Leben auszuprobieren. Ideal ist es, wenn am Ende die Integration in das Berufsleben gelingt. In ihrem Domizil in der Aschaffenburger Straße kann die Caritas für den weiten Weg zu diesem Ziel ideale Räumlichkeiten bieten. Hier gibt es Frühstück, Mittagessen, Gesprächsrunden und zahlreiche Gruppen- und Freizeitangebote unter anderem von Ergotherapeuten oder einer Schneiderin.

Starker Kostendruck

Derzeit werden in den beiden Tagesstätten in Dieburg und Reinheim 40 Personen unterschiedlichen Alters betreut.

Wie Bock bedauert, werde der Kostendruck immer größer und damit die Finanzierung der Angebote immer schwieriger. So reichten die Mittel aus Kirchensteuer sowie den Zuschüssen vom Kreis, den Kommunen und dem Landeswohlfahrtsverband kaum noch aus - und das bei einer steigenden Zahl von Bedürftigen.

„Die Versorgung wird nicht besser“ kündigt Bock für die Zukunft an: „Während wir in den letzten Jahren das Angebot noch ausbauen konnten, werden in absehbarer Zeit wohl keine weiteren Plätze hinzukommen.“

Kommentare