Spielregeln beachten

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Forstamtsleiter Helmut Seitel erklärt die Rettungspunkte im Wald.

Dieburg - Viele Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder einfach zum Abschalten - den Wald. Die Erholung wird für alle Nutzergruppen vom Forstamt Dieburg gefördert. Eine Möblierung des Tanns ist jedoch nicht mehr gewünscht. So verzichtet man unter anderem bewusst darauf, den Wald mit Papierkörben oder Bänken zu bestücken. Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER-ANZEIGERs, die heute das Thema Erholung und die Kosten dafür beleuchtet. Von Verena Scholze

„Der Wald stellt uns in seiner Fülle einen immensen Wert zur Verfügung“, sagt Forstamtsleiter Helmut Seitel und erläutert weiter: „Es ist ein riesiger Lebensraum mit vielen ökologischen Aspekten, der uns im hiesigen Ballungsgebiet geboten wird.“ Der Wald ist ein in sich geschlossenes Ökosystem und nicht mit Parkanlagen in den Großstädten vergleichbar.

So bieten die Wälder neben den nachwachsenden Rohstoffen, aus denen Papier, Möbel oder Brennholz gefertigt werden, noch weitere Aspekte der Nutzung. Neben einem Lebensraum für viele heimische Tier- und Pflanzenarten dienen die Waldflächen auch dem Klimaschutz, den Jagdpächtern zur Jagd und den Erholungssuchenden viele Möglichkeiten.

Lauf- und (Nordic-)Walking-Treffs nutzen den Wald gerne für ihren Sport

Das Gebiet des Forstamts Dieburg erstreckt sich über eine Fläche von rund 15 000 Hektar, beginnend von Harreshausen bis zur Neunkircher Höhe, von Messel bis zum Otzberg, während der Dieburger Stadtwald rund 900 Hektar umfasst. Auf der gesamten Fläche sind rund 500 Kilometer und im Stadtwald etwa 30 Kilometer nutzbare Waldwege vorhanden. „Die Waldflächen und Wege im und um den Dieburger Forst und Stadtwald sind stark frequentiert“, sagt Seitel. Hauptsächlich suchen Spaziergänger und Wanderer, Jogger und Radfahrer aber auch Reiter die Erholungsmöglichkeiten des Waldes. „Wenn sie bei Hitze den Wald betreten, empfängt sie dort ein anderes Klima als außerhalb“, erzählt Seitel. „Schon der Geruch ist ein anderer, das liegt an den dort vorhandenen Aerosolen.“ Daher bietet der Wald nicht nur körperliche, sondern auch mentale und soziale Aspekte der Erholungsmöglichkeiten. „Viele Gruppen nutzen den Wald, um gemeinsam Sport zu betreiben“, schildert Seitel. So wandert oder joggt man gemeinsam und nutzt zusammen die vorhandenen Möglichkeiten.

„In Deutschland gilt das freie Waldbetretungsrecht zum Zwecke der Erholung“, informiert Seitel. „Daher führt die Nutzung des Waldes auch zu Belastungen der Natur und der Lebensräume, die wir bedenken und beobachten müssen“, so Seitel weiter. Er appelliert an die Nutzer, die Waldwege nicht zu verlassen. Auch sei es ratsam, Hunde an der Leine zu führen, um unliebsame Vorfälle zu vermeiden. „Wenn ein Hund ein junges Reh aufscheucht, lässt sich dieser meist nicht mehr zurückrufen, sondern nimmt die Witterung und die Jagd auf“, weiß Seitel aus Erfahrung.

Um besondere Sensibilität und verstärkte Rücksichtnahme wird in den Brut- und Schonzeiten von März bis August gebeten. Auch besteht die Notwendigkeit, bei größeren Veranstaltungen eine Genehmigung über das Forstamt einzuholen. Das Forstamt überprüft die Naturverträglichkeit und notwendigen Voraussetzungen wie zum Beispiel bei einem Halbmarathon, der über die Waldwege führt.

Das Waldgebiet Darmstadt-Dieburg umfasst einen riesigen Komplex, für dessen Pflege und Betrieb das Forstamt Dieburg zuständig ist. So werden die Einnahmen, die unter anderem durch den Verkauf von Rohstoffen erwirtschaftet werden, in die Waldpflege investiert. Allein für die Instandhaltung des Wegenetzes fallen jährlich Kosten von rund 150 000 Euro an. 20 Prozent aller Ausgaben in den Kommunalwäldern sind der Erholung zuzuordnen und betragen jährlich eine Summe von rund 300 000 Euro.

Hierzu rechnen sich die Kosten für Wegebau, Verkehrssicherung auf den Wegen, Straßen und Parkplätzen, Försterkosten sowie erhöhte Aufwendungen durch notwendige Wegesperrungen.

„In den engen Zeiträumen im Winterhalbjahr, in denen wir bei Fällarbeiten aus Sicherheitsgründen Wegsperrungen vornehmen müssen, bitten wir um Verständnis bei den Nutzern des Waldes“, sagt Seitel. „Unser dichtes Wegenetz bietet jedem problemlos Ausweichrouten an“.

Auch weist Seitel darauf hin, dass die Förster zwar auf Gefahren wie tiefhängende Äste achten, aber nicht für die Sicherung des Waldes zuständig sind. „Anders als in öffentlichen Parks und Grünanlagen gelten diese waldtypischen Gefahren als allgemeines Lebensrisiko und unterliegen nicht der Verkehrssicherung des Forstamtes“, bemerkt Seitel.

Auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Odenwaldklub Dieburg (OWK) blickt Seitel voller Stolz. So ist das dichte Wegenetz mit vorzüglichen Wanderhinweisen und Rettungspunkten ausgestattet. „Diese sind von großem Nutzen für die Erholungssuchenden“, erläutert Seitel. So kann man in Notfällen an den Standorten die Notrufnummer 112 wählen und die Leitstelle schickt einen Wagen zum entsprechenden Ort. „Diese Rettungspunkte befinden sich unter anderem auf der Moret und am Steinernen Kreuz“, weiß Seitel und ergänzt: „Diese Punkte sollen auch in den neuen Wanderkarten des OWK aufgenommen werden.“

Die Erholung im Wald wird für alle Nutzergruppen vom Forstamt Dieburg gefördert. Eine Möblierung des Waldes ist jedoch nicht mehr gewünscht. So verzichtet man unter anderem bewusst darauf, den Wald mit Papierkörben oder Bänken zu bestücken.

„Man kann seinen mitgebrachten Abfall durchaus wieder mitnehmen und zuhause entsorgen“, erklärt Seitel. „Bei gegenseitiger Rücksichtnahme und Verständnis kann jeder den Lebensraum Wald problemlos nutzen.“

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