Sportzentrum westlich des Kauflands denkbar

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Das westlich des Kauflands gelegene Gelände hinter der bestehenden Skater-Anlage ist der Favorit der Stadtleitbild-Projektgruppe für den Bau eines neuen Sportzentrums.

Dieburg ‐ Hat Dieburg Bedarf für ein neues Sportzentrum? Wie könnte dieses aussehen, wo entstehen und wie viel kosten? Eine Stadtleitbild-Projektgruppe ist dieser Frage nachgegangen.    Von Jens Dörr

Ulrich Bausch, Bauingenieur und Vorsitzender des TV Dieburg, stellte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe mit dem Titel „Bedarf und Planung für eine mittelfristige Umsetzung eines neuen Sportzentrums für Dieburg“ im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport vor.

Zunächst wollte die Gruppe, der neben Projektpate Bausch auch Ingrid Reuscher, Anne Dreieicher, Dr. Gerald Grohe, Karin Ruf, Susanne John und von städtischer Seite Sylvia Tautz angehören, eines genau wissen: Wie könnte ein neues Sportzentrum für Dieburg aussehen?

Die Ideensammlung brachte viele Anregungen hervor: Ein Sportplatz mit Tartanbahn und anderen wettkampftauglichen Leichtathletikanlagen könnte den größten Teil eines zu bebauenden Areals einnehmen. Denkbar sei daneben auch ein Kleinfeld für Ballsport, zudem eine weitere Sporthalle mit Kraft- und Gymnastikraum. Sanitäre Anlagen, Parkplätze in ausreichender Anzahl sowie ein offenes, jederzeit für jedermann zugängliches Freizeitsportgelände sind weitere niedergeschriebene Anregungen.

Auch ein Trainingsbad wäre denkbar

Anschließen an die Halle könnte man unter Umständen auch ein Zentrum für Physiotherapie, hörte am im Ausschuss von Physiotherapeut und Ausschussvorsitzendem René Exner (CDU).

Überdies könnte am Sportzentrum ein Trainingsbad – offen auch für Nicht-Vereinsmitglieder – entstehen und so die ungewisse Zukunft der Hallenbadsituation in Dieburg angegangen werden, regte die Gruppe an.

Um zu wissen, wie groß und wie geartet der Bedarf der Dieburger Vereine vor allem an einer weiteren Halle ist, befragte die Gruppe zehn Vereine. „Auch die Prinzengarde haben wir nicht vergessen, denn die müssen ihren Tanz ja auch irgendwo einstudieren“, sagte Bausch. Sechs Vereine meldeten den genauen zusätzlichen Bedarf – der SV Blau-Gelb (Judo und Tanzen), Karate Dojo, der ASV, die Dance Company, der SV DJK Viktoria und die Handballer der SG Grün-Gelb. Turnverein, SV Blau-Gelb und OWK hatten zudem schon 2008 Bedarfsermittlungen durchgeführt.

Unter der Annahme, dass jeder Verein die genannte Kapazität je ein- bis zweimal pro Woche in Anspruch nimmt, ergab sich, dass eine weitere Halle mit 30 mal 15 Metern Nutzfläche sowie eine zweite mit 15 mal 15 Metern Nutzfläche das Dieburger Sporthallenproblem lösen würden.

Entschärfung durch Zweifeldsporthalle

Schon vom jetzigen Bedarf ausgehend – ohne vollständige Rückmeldung aller Vereine und ohne neue Angebote, wäre mit den Wünschen der Vereine die Kernzeit zwischen 18 und 21 Uhr voll belegt. Mancher Verein wünschte sich unterdessen Zeiten auch schon ab 15 oder bis 22 Uhr.

Bausch wies allerdings darauf hin, dass die Entschärfung der Situation durch die neue Zweifeldsporthalle auf der Leer noch nicht einkalkuliert sei. Dort erhoffen sich viele Dieburger Vereine neue Perspektiven. Die könnten allerdings auch enttäuscht werden, verdeutlichte Bausch an einem Beispiel: Die Tischtennisspieler der DJK könnten dorthin etwa nicht zum Training gehen, weil zu wenig Platz für das Unterbringen der Platten vorhanden sei. Dennoch werde man die Bedarfsermittlung unter Berücksichtigung der Leer-Halle noch anpassen.

Den Gesamtflächenbedarf inklusive aller oben aufgeführten Teile eines Sportzentrums taxiert die Gruppe auf etwa 29.000 Quadratmeter. Den Löwenanteil nimmt der Sportplatz mit angenommenen 20.000 Quadratmetern ein.

Sieben Freiflächen, die in Dieburg groß genug für einen Bau wären, untersuchte man im Hinblick auf die Standort-Findung. Aus diversen, naheliegenden Gründen schieden das Sportgelände des SC Hassia, der bisherige Leer-Sportplatz und ein Standort an der Altheimer Straße im Dieburger Osten frühzeitig aus. Anhand der angelegten Kriterien verdichteten sich der Standort auf dem Campus-Areal, der städtische Sportplatz neben dem Schwimmbad sowie Standorte nördlich und westlich des Kauflands als ernsthafte Optionen.

Bau auf Campus-Gelände nicht realisierbar

Aufgrund des bereits vorhandenen Bestands käme ein Zentrum inklusive des Baus zweier neuer Hallen auf dem Campus-Areal am günstigsten: Die Netto-Kosten (alle Beträge sind Schätzungen und keine Kostenberechnungen nach DIN) lägen dort bei 1,6 Millionen Euro. Der Grunderwerb allerdings könnte mit sechs Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die anderen Vorschläge lagen bei Gesamtkosten (Grundstück plus Bau) von 4,2 Millionen Euro (städtischer Sportplatz) und 4,8 Millionen (Kaufland-Standorte). Den Bau auf dem Campus-Gelände erachtete die Stadtleitbildgruppe als nicht realisierbar, den städtischen Sportplatz empfahl man ebenso nicht. Sowohl Bausch als auch der Grünen-Abgeordnete Herbert Nebel bezeichneten diesen als „totes Kapital“.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas – am Montag abwesend - hatte bei einer Begehung den Umbau des städtischen Sportplatzes durchaus als Option betrachtet und bereits Kostenschätzungen eingeholt. Die Erschließung des Geländes nördlich des Kauflands sei derweil schwieriger als die des westlichen Areals, so Bausch. Letzteres erscheint aktuell als der bestmögliche Standort für ein neues Dieburger Sportzentrum.

Mit einigen Ergänzungen soll die Arbeit der Gruppe bald als Arbeitsgrundlage für weitere Planungsprozesse der Stadt Dieburg dienen.

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