„Sprachentwicklung ist unser Alltagsgeschäft“

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Stehen für enge Vernetzung und einen erfolgreichen Übergang in die Grundschule: die Vertreterinnen des Kooperationsvertrags Dieburger Grundschulen und Kindergärten.

Dieburg (db) ‐ „Es wird einfach immer noch zu wenig mit den Kindern geredet“, meint Ina Karl, Leiterin der Kindertagesstätte „Muggelburg“. Dabei stellt zwischenmenschliche Kommunikation und Sprache eine fundamentale soziale Kompetenz dar. Ganz besonders für Kindergartenkinder, die kurz davor stehen, in die Grundschule versetzt zu werden.

Welche Fähigkeiten benötigt ein Kindergartenkind überhaupt für seinen späteren Wechsel auf die Grundschule? Diese grundlegende Frage beschäftigt seit Jahren die eng zusammenarbeitenden Dieburger Grundschulen und Kindertageseinrichtungen. Um diesbezüglich einheitliche und verbindliche Handlungsanweisungen und Standards offiziell formulieren und umsetzen zu können, wurde am Montag ein Kooperationsvertrag zwischen den beiden Dieburger Grundschulen und acht Kitas sowie der Kinderkrippe „Dreikäsehoch“ geschlossen.

Neben einer intensiveren Vernetzung der einzelnen Institutionen werden sich die Kooperationspartner mit den Zielrichtungen des Hessischen Bildung- und Erziehungsplans (HBEP) intensiver auseinander setzen.

Sprachdefizite sollten bis Schulanfang beseitigt sein

In diesem Zusammenhang soll ein Thema aus dem HBEP schwerpunktmäßig differenziert ausgearbeitet werden. In diesem Jahr beschäftigen sich die Pädagoginnen mit dem Bereich Kommunikation und Sprache: „Sprachentwicklung zu fördern, ist unser Alltagsgeschäft“, erläutert Juliane Brechtel von der Kita St. Josef. Ihre Einrichtung verwendet das so genannte Kindersprachscreening (KiSS). Hierdurch ist es möglich, vorhandene Sprachdefizite im Wortschatz, in der Grammatik oder Artikulation zu beseitigen. Allerdings finden sich durchaus auch andere Methoden, wie Claudia Moosdorf von der Kita Odenwaldstraße bemerkt: „In unserer Einrichtung haben wir eine Kollegin, die auf interkulturelle Pädagogik und Kommunikation spezialisiert ist und ihr Wissen auf unser Team projiziert. Dadurch haben wir neue Handlungsansätze für die Beobachtung und Dokumentation von sprachlichen Defiziten.“

Denn die müssen weitestgehend bis zum ersten Schultag beseitigt sein. Schon jetzt wurden die Einladungen für die Kennlerntage an den Grundschulen verteilt. „Sowohl der bisherige Stand der Sprachkompetenz, als auch Auffälligkeiten in der Sprache werden bei potenziellen Schülern vorab getestet“, erklärt Birgitt Schmidt-Walter, Leiterin an der Gutenbergschule. Dieser Test ist Bestandteil des Entscheidungsprozederes für oder gegen die Einschulung eines Kindes.

Vertrag an alle Träger und Eltern verschickt

Moosdorf ergänzt: „Auch wenn einheitliche Maßstäbezum Erreichen sprachlicher Kompetenz vorliegen; die Kindertagesstätten setzen diese Vorgaben im Rahmen ihrer Modelle ganz individuell um.“

Den vertraglichen Zusammenschluss sehen die Pädagoginnen als weiteren Schritt zu einer gezielten Sprachförderung für Kinder und damit zu einer erfolgreichen Einschulung. Der Kooperationsvertrag wurde zudem an alle Träger der Kindergärten und Schulen, sowie an betroffene Eltern verschickt. Außerdem wurde dem Vertrag eine Liste beigefügt, in welcher weitere Fähigkeiten aufgeführt sind, über die ein Kind zu Schulbeginn verfügen sollte. Die Verantwortlichkeit, dass diese Grundlagen eingehalten werden, liegt bei den Kitas und den Grundschulen, aber auch bei den Eltern.

Darunter finden sich neben einem gewissen Maß an sprachlicher und sozialer Kompetenz auch Vorgaben zum geistigen (Erinnerungsvermögen, Begeisterungsfähigkeit) und körperlichen (Grob- und Feinmotorik) Niveau.

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