Stadt braucht neues Rezept

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Ob er hier das richtige Rezept für Dieburg findet? Bürgermeisterkandidat Ferdinand Böhm in seiner Bibliothek voller Kochbücher und kulinarischer Reiseführer.

Dieburg (eha) ‐  Locker steht er da auf seinem Wahlplakat - eine Hand in der Hosentasche, die andere kraftvoll geballt: Locker und immer einen eben solchen Spruch auf den Lippen, so kennen ihn die Dieburger.

Der 58-jährige Ferdinand („Ferdi“) Böhm serviert den Zuhörern - wenn er im Parlament in die „Bütt“ geht - meist eine geschliffene Rede mit ironischen Zwischentönen. Mit dem Stadtverordnetensitz für die SPD, den er seit rund 20 Jahren inne hat, will er sich aber nicht mehr begnügen. Am 27. März setzt er zum Sturm aufs Rathaus an. „Was Dieburg fehlt, ist in vielen Dingen das Gesamtkonzept, der Masterplan“, ist einer seiner Hauptkritikpunkte am gegenwärtigen „Herumgewurstel“. „Als logische Konsequenz meines Engagements möchte ich jetzt an vorderster Stelle lenken und gestalten“, sagt er.

Böhm weiß, wie die Dieburger zu nehmen sind, er lebt seit über 40 Jahren in der Gersprenzstadt, hat mit seiner Frau zwei Kinder groß gezogen und freut sich über seinen Enkel. Seine Verbindung nach Dieburg geht aber noch viel weiter zurück: Die letzte „von Fechenbach“ war eine Tante seiner Mutter, Vorfahren mütterlicherseits (geb. von Nordeck zur Rabenau) sind noch heute namentlich an der Gnadenkapelle zu finden. Vor den „Altvorderen“ erstarrt der freie Produktionsberater im grafischen Gewerbe aber nicht in Ehrfurcht, obwohl er als Gründungsmitglied des Museumsfördervereins Interesse für die Heimatgeschichte beweist. „Bewährtes bewahren, aber auch ausgetretene Pfade verlassen“, ist sein Motto.

Freund klarer Worte

Zur Dieburger SPD kam Böhm durch seine Beteiligung an einer Bürgerinitiative gegen die Bahnunterführung. Dazu steht er heute auch noch. „Es gibt kein Verkehrskonzept dafür“, sagt er. „Der Tunnel allein ohne eine Umfahrung ist die schlechteste aller Lösungen“, ist er nach wie vor überzeugt. Eine Nordumfahrung werde es nicht geben und die Westumfahrung hält er aus ökologischen Gründen auch nicht für genehmigungsfähig.

Er ist ein Freund der klaren Worte, will den Wählern keine Dinge versprechen, die er nicht für realisierbar hält. Aber als überzeugtem Sozialdemokraten liegen ihm die sozialen Aspekte naturgemäß besonders am Herzen. „Was vor allem fehlt, sind Generationen übergreifende Wohnkonzepte“, sagt er. Die Bedürfnisse älterer Menschen müssten mehr Beachtung finden. „Ärztehaus, Krankenhaus, Alten- und Pflegezentrum, altersgerechter Wohnraum - dafür muss mehr getan werden“, meint er. Parallel dazu gelte es, bezahlbaren Baugrund und Wohnraum für junge Familien zu schaffen. „Dieburg ist ein außergewöhnlicher Schulstandort und deshalb für Familien besonders attraktiv. Aber nicht jedes junge Paar kann sich ein Einfamilienhaus beispielsweise auf dem künftigen Campus bauen“, meint er, der für das Gebiet den Begriff „Millionärsviertel“ geprägt hat.

Ferdinand Böhm beantwortet Fragen von Bürgern gerne jederzeit per E-Mail unter: fragen@ferdiboehm.de. Wer Näheres wissen möchte, kann sich auch auf der SPD-Internetseite umschauen.

Eines seiner Ziele, die Schaffung eines „Hauses der Vereine“ - beispielsweise im alten Amtsgericht - will er vehement weiterverfolgen. „Denn die neue Römerhalle wird kein Vereinsdomizil werden können, da muss ja wirtschaftlich gearbeitet werden“, womit er bei einem seiner Lieblingsthemen wäre. Sie sei ein Beispiel dafür, wie kurzfristig und zu wenig „nachhaltig“ in Dieburg gedacht und kommunalpolitisch gehandelt werde. „Dass die Mehrheit im Parlament glaubte, auf ein professionelles Management für die Halle verzichten zu können, ist der größte Fehler bei der Geschichte“, sagt er. „Avanti dilettanti“, meint er dazu nur. Er würde sich als künftiger Bürgermeister dafür einsetzen, einen „Hallenprofi“ im Rathaus anzusiedeln. „Hier zu sparen, ist falsch gespart“, sagt er. Und: „Bislang gibt es kein Programm für die Halle, die im Sommer eröffnen soll. Und wenn sie nicht ausgebucht ist, wird sie uns das doppelte Defizit einbringen.“ Eine schlanke Verwaltung sei gut und schön, aber sie dürfe nicht magersüchtig werden.

An vielen anderen Stellen dagegen - und da hat er den Haushalt im Blick - hätte das Geld der Dieburger sinnvoller eingesetzt werden können. Gegen die große Lösung auf dem Schlossgartenfestplatz habe er immer gekämpft. „Man sieht ja, was bei dieser Luxuslösung für eine Million Euro herausgekommen ist.“

Die richtige Rezeptur für Dieburg finden, das will der passionierte Hobbykoch und begeisterte Wanderer. Übung hat er jedenfalls: Als Mitglied der Naturfreunde bereitet er zweimal im Jahr für rund 40 Gäste ein literarisches Menü auf der Moret zu. Und die Begleitmusik dazu kann er selbst an der Gitarre und mit singenden Freunden anbieten - wobei er wieder beim sozialen Miteinander angekommen ist: „Den Zusammenhalt in der Stadt zu fördern - auch zwischen Jung und Alt - erscheint mir das Wichtigste. „Und das über die Fastnacht hinaus.“

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