Stadt will sich digital rausputzen

Ganz okay, aber nicht mehr zeitgemäß: Der Online-Auftritt der Stadt Dieburg soll besser und nutzerfreundlicher werden. Repro: Enders

Ob Stadtverwaltung, Bibliothek, Museum oder Jugendcafé – der Online-Auftritt städtischer Einrichtungen soll zeitgemäßer und übersichtlicher werden. Vorschläge dazu liegen bald auf dem Tisch. VON RALF ENDERS

Dieburg – Der Online-Auftritt ist ein wichtiges Instrument der Selbstdarstellung, das gilt für Unternehmen ebenso wie für Kommunen. Um „Corporate Identity (frei übersetzt: Gesamt-Erscheinungsbild) und Digitale Präsenz der Stadt Dieburg“ ging es deshalb auch in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Die Fragen lauteten: Wie muss die Stadt digital zeitgemäß aufgestellt sein, vor allem mit Blick auf das Online-Zugangsgesetz, das Bund, Länder und Kommunen ab 2022 zur elektronischen Bereitstellung von Verwaltungsleistungen verpflichtet? Wer kümmert sich um diesen einheitlichen Auftritt? Und was kostet die nahezu unabdingbare professionelle Betreuung dabei?

Experte bei der Dieburger Stadtverwaltung für derlei Fragen ist Jona Ostheimer, Archäologe und Stadtarchivar, aber auch Datenschutzbeauftragter und gelernter Informatikkaufmann. Er räumte in der Ausschusssitzung gleich mal auf: Eine ursprünglich geforderte „Dieburg-App“ für mobile Geräte, Ausgangspunkt der Debatte, wird es kaum geben. Denn alle drei von der Stadt zu einer Vorstellung aufgeforderten Agenturen hätten darauf hingewiesen, dass die Nutzung von Apps rückläufig sei. Die kleinen Anwendungsprogramme seien gerade im Bereich Stadtinformation und –marketing oft unwirtschaftlich. Weitere Nachteile von Apps: Sie werden für nur wenige Funktionen überhaupt benötigt, sie müssen stets für die Betriebssysteme iOS und Android teuer parallel erstellt werden, und sie müssen im Apple- oder Google-Store ständig lizenziert werden, was Verwaltungsarbeit bedeutet. Die Agenturen empfehlen stattdessen einen guten Internet-Auftritt und eine mobile Version davon.

„Übersichtlichkeit ist Trumpf“, betonte Ostheimer mehrmals die wichtigste Anforderung an den neuen Auftritt, der auf allen Geräten und für alle Internet-Präsenzen – Stadt, Museum, Bibliothek, Jugendcafé – einheitlich daherkommen soll.

Die drei möglichen Dienstleister reduzierten sich auf zwei, weil eine Dieburger Onlineagentur Ostheimer zufolge kein Angebot abgeben wollte; der Auftrag sei zu groß für sie. Übrig blieben die deutschlandweit renommierten Agenturen „Schumacher Brand“ (Darmstadt) und „360vier“ (Groß-Umstadt). Die abgegebenen Angebote seien „Richtwerte“, so Ostheimer, denn kreative Leistungen seien im Vorfeld schwer zu beziffern. Schumacher rechnet fürs vereinheitlichende Corporate Identity mit 35 000 Euro, für die Website mit 55 000. 360vier geht von 29 500 und 47 000 Euro aus. Der Ausschuss beschloss nach lebhafter Diskussion einstimmig, dass der Magistrat nicht alleine entscheidet, sondern Vertreter der beiden Agenturen zu einer Präsentation eingeladen werden.

Dann hoffen die Mitglieder auch auf die Vorführung eines gelungenen kommunalen Internetauftritts. Denn Jona Ostheimer hatte sich in seiner Präsentation auf die halbwegs ordentlichen, aber doch verbesserungswürdigen von Dieburg oder Groß-Umstadt beschränkt. „Es geht aber auch schlechter“, meinte er und zeigte die arg antiquierte Website von Groß-Zimmern.

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