Wenn die Narretei mörderisch wird

Stadtbücherei verleiht 20 Fastnachtskrimis

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Ute Grimm hat einen erschrockenen, namenlosen Clown (l.) und einen alles andere als anonymen Sitzungspräsidenten Bernd Wolfenstädter (r.) gemalt. Zwei Schritte nebeneinander platziert, ergeben die Leinwände ein stimmiges Ensemble.

Dieburg - Die tollen Tagen werden ausgelassen gefeiert, es wird geschunkelt und gelacht, doch so mancher Narr bleibt auf der Strecke – zumindest in der Welt des Krimis. Von Jens Dörr

Seit Mai 2017 stellt Bernd „Berti“ Grimm, Macher der beliebten Fastnachts-Website www.dibborsch.de, stets zum 11. eines Monats besonderen Lesestoff online: Immer dann erscheint die Rezension eines Fastnachtskrimis, den ein Bekannter Grimms mit Bezug zur Narretei gelesen hat. 20 Bücher hat der Träger der „Holzisch Latern“ ausfindig gemacht und gekauft, neun wurden bereits vorgestellt. Alle 20 hat er nun der Stadtbücherei zum Verleih zur Verfügung gestellt. In einer Feierstunde am Donnerstagabend scharte Grimm nicht nur viele der Laienkritiker um sich; seine Frau Ute präsentierte auch zwei Gemälde, von dem besonders eins jedem Dieburger Äla-Jünger ins Auge stechen dürfte.

Denn einerseits hat Grimm mit Acrylfarben einen namenlosen Clown gemalt. Die Person auf der zweiten Leinwand ist derweil alles andere als anonym: Mit aufgerissenen Augen und Mund, Narrenkappe auf dem Kopf und Saalglocke in der Hand schaut einem Bernd Wolfenstädter entgegen. Der ist bekanntlich stets bestens aufgelegter Präsident der Dieburger Fastnachtssitzungen. Und scheint dem zwei Schritte daneben aufgestellten Clown einen echten Schrecken einzujagen.

Berti Grimm (rechtes Bild, sitzend 2. v. r.) hatte am Donnerstagabend einen Großteils seiner Rezensenten um sich geschart. Ebenfalls dabei: Annette Rüth (stehend 4. v. r.), Leiterin der Stadtbücherei.

Genau das sei die Idee hinter den zwei Bildern, die zusammen ein besonders stimmiges Werk ergeben, gewesen, beschrieb Ute Grimm ihre künstlerischen Gedanken. „Der Clown erschrickt sich vor dem schellenden Sitzungspräsidenten. Das soll witzig sein, ein bisschen auch zur Vitrine mit den Fastnachtskrimis passen und zugleich nicht zu gruselig oder blutrünstig rüberkommen. In die Bücherei gehen ja auch Kinder.“ Dort werden die zwei neusten Gemälde der vielseitigen Malerin in den nächsten Wochen zu sehen sein. Ob sie später verkauft oder für einen guten Zweck versteigert werden, ist noch offen. Während Clown und Wolfenstädter im Eingangsbereich zum Bestaunen gedacht sind, gilt für die 20 närrisch-spannenden Bücher: Anfassen (und Mitnehmen) erlaubt!

Neun der 17 schon verpflichteten Rezensenten (siehe Infokasten) haben ihre Sicht auf den von ihnen gelesenen Krimi bereits im World Wide Web dargelegt – alle dauerhaft nachlesbar auf www.dibborsch.de. 1 200 Abrufe der entsprechenden Seiten hat Berti Grimm bislang registriert. „Überrascht hat mich vor allem, dass die beiden Bücher aus der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht von den Lesern als sehr interessant eingestuft werden“, so Grimm. Die scheint von der Art, wie die fünfte Jahreszeit in Dieburg begangen wird, eigentlich recht weit weg zu sein. Wobei vielleicht genau das die Sache besonders spannend macht.

Galerie zum Kinderumzug in Dieburg

Mit Blick auf die Rezensenten ergebe sich ein recht heterogenes Bild, meint der Website-Betreiber. „Die Leser der Krimis sind fast alles Laien, was Buchbewertungen angeht. Darunter sind welche, die schreiben gut und ausführlich. Das sind dann Leute, die immer und viel lesen und Bücher verschlingen. Der ein oder andere Buchbewerter würde sich hingegen selbst nicht als Leseratte bezeichnen, weil Lesen einfach nicht zu seinen Hobbys zählt. Da fällt die Buchbewertung eher kurz und knapp aus.“

Wenn dieser Leser dann noch ein Buch erwische, bei dem der Klappentext nicht halte, was er verspricht – weil vielleicht der Bezug zur Fastnacht nur eine untergeordnete Rolle spielt oder einfach keine Spannung aufkommen will –, dann mache das die Sache nicht einfacher. „Aber die Leser kriegen von mir keinerlei Vorgaben, was ihre Ausführungen angeht. Dennoch bin ich sicher, dass jeder sein Bestes gibt und sich freut, Teil der Aktion zu sein.“

Närrisch bis tödlich

20 Bücher hat Berti Grimm für www.dibborsch.de und seine Krimirubrik ausgewählt. 17 davon hat er bereits Personen mit Bezug zur Narretei zugeordnet. Neun der Kritiken erschienen bislang, stets eine am 11. eines Monats.

Die ausgesuchten Buchkritiker sind Melvin Haus („Alaaf für eine Leiche“), Astrid Storck („Carneval“), Jens Dörr („Kölner Samba“), Ute Gelfort („Printenprinz“), Friedel Enders („Mörderische Fastnacht), Kirstin Grimm („Weck, Worscht, Mord“), Tanja Suhre („Narrentreiben“), Andrea Bürger („Narrenmord“), Stefan Mann („Der Schoppefetzer und der Narrenwein“), Eva Dick („Rosenmontod“), Jeanette Neumann („Die Maske der Moretta“), Svenja Fink („Pappnasen“), Christel Ludwig („Rosenmordtag in Dottendorf“), Bernd Schneider („Blaues Blut im Carneval“), Nadja Hofmann („Narrenblut“), Monika Dahmen („Mord im Elferrat“) und Markus Fähnrich („Entlarvt“).

Für drei Krimis sucht Berti Grimm noch Leser: „Klaa Pariser Blut“ spielt in der Frankfurter Fastnacht, „Letzter Fasching“ in Österreich und „Narrhalla-Mord“ im hessischen Dilltal. Kontaktmöglichkeit für Interessenten, denen Grimm das Buch zur Verfügung stellt, per E-Mail an info@dibborsch.de.

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