Der erste Spatenstich für die neue Stadthalle ist getan. Doch in der nun umso dringenderen Frage, wer im Frühjahr 2011 Hausherr werden soll, zeigt ...

Städtische Eigenregie oder Pächtermodell?

Dieburg (hov) ‐ Städtische Eigenregie oder Pächtermodell - welches Betriebskonzept ist geeigneter für die neue Stadthalle? Gibt die Stadt ihr Prestigeobjekt aus der Hand oder betreibt sie es selbst?

Vorteile hätten beide Varianten. Und Nachteile. Das ist das Problem, das am späten Donnerstagabend den Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport an der Mission scheitern ließ, der Stadtverordnetenversammlung die eine oder die andere Variante ans Herz zu legen.

Einigkeit herrschte jedoch in einem Punkt: Die Zeit drängt. „Wir müssen langsam zu Potte kommen, denn wir haben noch kein Konzept - das ist der Knackpunkt“, mahnte Dr. Harald Schöning (CDU) eindringlich. Bereits im Jahr 2007 sahen die Volksvertreter ein erstes Konzept, mit dem man in der Mehrheit jedoch nicht glücklich war. Seither sei in Sachen Betriebskonzept „nichts mehr groß passiert“. Doch wer auch immer im Frühjahr 2011 die Stadthalle betreiben wird, braucht Zeit für Planung, Vorbereitung und Werbung.

Also warfen die Volksvertreter am Donnerstag eifrig Argumente hin und her. Die einen folgten der Meinung von Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Der sprach sich für das Ende August erstellte und der Stadtverordnetenversammlung vom Magistrat vorgelegte, aber noch nicht am Ende der Runde durch die Entscheidungsebenen angekommene Eigenregie-„Betriebskonzept Neue Halle“ aus, weil die Stadt dann „'nen Finger drauf hat, was in der Halle passiert“. Andere stimmten Dr. Schöning zu, der kritisierte, dass die Politik angesichts des Mangels an einem Konzept für ein Pächtermodell keine Möglichkeit zum Vergleich hätte. Auf dem Tisch liegt nur das Eigenregie-Konzept. Das sieht eine Vollzeitkraft vor, die Vermarktung und Verwaltung der Halle nach städtischen Vorgaben übernimmt. Die Stelle wurde bereits ausgeschrieben, jedoch bisher noch nicht besetzt – auch weil die vorher notwendige Grundsatzentscheidung für ein Betriebskonzept noch nicht gefallen ist.

Um diese zu finden, packten die Ausschussmitglieder am Donnerstag eine Pro- und Contra-Liste aus und wieder ein. Und beschlossen schließlich, dass es „aufgrund der Unkenntnis der Finanzlage“, so Renée Exner (CDU) - der neue Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Kultur und Sport - nicht ihnen, sondern eher den Kollegen des Finanzausschusses mit all seinen Zahlen gelingen soll, dem Parlament für die nächste, spätestens aber die übernächste Sitzung eine objektive Entscheidungsgrundlage zu liefern, um diese konzeptionelle Hürde zu überwinden.

Diese Hürde scheint hoch, denn es geht um viel. Eine 6,3 Millionen Euro teure Stadthalle baut man nicht jedes Jahr und auch nicht alle 20 Jahre. Da will man von vorneherein alles richtig machen und sich später nichts vorwerfen lassen, das nicht zu entkräften wäre. Denn der Bau wird nicht nur das beherrschende Element auf dem Altstadtgelände sein. Er steht schon jetzt für die Hoffnung vieler Dieburger auf eine Heimat für zahlreiche Veranstaltungen. Vorneweg die Fastnacht, aber auch andere unterhaltsame Lockrufe. Im Erdgeschoss – so steht´s im Eigenregie-Betriebskonzept – wird es einen teilbaren Saal für bis zu 500 Gäste geben. Dazu ein zu verpachtendes Restaurant mit etwa 50 Plätzen, das Dieburger Vereinen und karitativen Organisationen seine Dienste anbieten, aber nicht aufzwingen darf. Wer mag, soll sich und die Seinen selbst versorgen dürfen. Untendrunter sind Toiletten, Lager, Besucher- und Künstlergarderoben angesiedelt. Das Obergeschoss bietet einen ebenfalls unterteilbaren Nebenraum mit 75 Sitzplätzen, Regieraum, nochmal Toiletten – und das Büro.

Dass sich in diesem Büro ein Pächter einrichten könnte, der die Halle auf eigene Rechnung vermarktet und somit lukrativeren Mietern den Vorzug gegenüber heimischen Institutionen geben könnte, war im Ausschuss ein dickes Argument gegen die Fremdbewirtschaftung. Wohl und Wehe Dieburger Vereine und Veranstalter, soweit herrschte Einigkeit, sollen nicht bedingungslos dem Gewinnstreben eines Privaten untergeordnet werden.

Eine städtische Kraft kenne dagegen die örtlichen Strukturen und helfe der Stadt, Einfluss auf die Programmauswahl zu nehmen, so Thomas. Andererseits bemängelten einige, dass das Eigenregie-Konzept die Stadt sicher teurer zu stehen komme – schon wegen der Lohnkosten für die städtische Kraft. Die Pacht sei aus finanzieller Sicht für die Stadt die schönere Lösung – „selbst wenn wir´s für einen Euro verpachten“, meint etwa die CDU. Auch mit dieser Frage wird sich nun der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigen müssen. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 26. November, spätestens aber in der darauf folgenden am 14. Dezember soll dann endlich eine Grundsatzentscheidung fallen.

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