Stammzellen aus dem St. Rochus retten Leben

Dieburg ‐   Das St. Rochus Krankenhaus engagiert sich seit 1997, damals als erste Klinik in Hessen, für die Nabelschnurrestblutspende und bietet seinen Schwangeren an, an dieser lebensrettenden Spende teilzunehmen.

Mit der Einverständniserklärung der Schwangeren wird nach der Geburt im Anschluss an die Versorgung des Neugeborenen aus der übrig bleibenden Nabelschnur das restliche Blut entnommen. Für Mutter und Baby sind mit der Spende weder Risiken noch Unannehmlichkeiten verbunden. „Das Neugeborene wird dadurch nicht früher abgenabelt oder bekommt weniger Blut“, sagt Beleghebamme Susanne Benke, die die Aktion vor zwölf Jahren auf der Geburtsabteilung mitinitiierte. Das Plazentarestblut ist reich an blutbildenden Stammzellen, die nicht nur für die Transplantation bei Leukämien verwendet werden, sondern auch bei Erkrankungen des Immunsystems und bei Stoffwechsel- und Speichererkrankungen meist die letzte Hoffnung auf Heilung darstellen.

Um das Nabelschnurrestblut auf Krankheitserreger untersuchen zu können, wird zusammen mit der Spende eine kleine Blutprobe von der Mutter benötigt. Beides geht per Kurier nach Mannheim ins Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie. Dort werden die Stammzellen aus dem Nabelschnurrestblut isoliert und bei Eignung und unter Zugabe von Konservierungsmitteln tief gefroren.

Viele Präparate sind jedoch für die Konservierung nicht geeignet, weil sie die Eingangskriterien nicht erfüllen“, sagt Dr. med. Stephanie Lauber, Assistenzärztin am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie. Mindestens 60 Milliliter gesammeltes Blut mit ausreichend blutbildenden Stammzellen müssen vorhanden sein. „Der zu geringe Gehalt an nukleären Stammzellen führt meist dazu, dass das Präparat nicht in die Nabelschnurblutbank eingespeist werden kann“, sagt Lauber.

Erfüllt das Präparat alle Kriterien, bekommt die Spenderin nach sechs Monaten eine Nachricht des Institutes, in der noch einmal die Entwicklung des Kindes abgefragt wird. „Eine zweite Blutprobe, die wir von der Mutter erbitten, sichert die Testergebnisse der ersten Probe weiter ab. Sie ist aber keine unbedingte Voraussetzung für die Freigabe des Präparates an einen Patienten.“ Das eingelagerte Plazentarestblut kann dann von jedem Transplantationszentrum der Welt, für die Spenderin völlig anonym, abgerufen werden.

St. Rochus mit überdurchschnittlich vielen Spenden

Über das St. Rochus Krankenhaus wurden bisher 3156 Nabelschnurrestblutspenden an das Mannheimer Institut gesandt. Davon konnten überdurchschnittlich viele (858) für die Spenderdatei aufbereitet werden.

Seit 2001 wurden aus dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) 36 Präparate des DRK Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen zur Transplantation abgerufen; 24 davon stammten von Spenden aus dem St. Rochus. So wurden in diesem Jahr zwei Patienten in den USA und Spanien - ein 33-jähriger an Leukämie erkrankter Erwachsener und ein Neugeborenes mit einem Immundefekt - mit Plazentarestblut aus Dieburg behandelt.

Ob die Transplantation zu einer dauerhaften Genesung führt, wird sich jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres sagen lassen, sofern wir Rückmeldungen seitens des jeweiligen Transplantationszentrums bekommen“, sagt Lauber. Erste positive Rückmeldungen gibt es aber unter anderem aus dem Jahr 2008, wo ein zweijähriges Baby in Tschechien mit einem sehr seltenen Immundefekt erfolgreich mit Dieburger Nabelschnurrestblut behandelt wurde.

Während man früher meist nur Babys und kleine Kinder bis rund 30 Kilogramm Körpergewicht behandeln konnte, wird seit 2006 vermehrt auch Erwachsenen Plazentarestblut erfolgreich transplantiert. Auf diese Weise konnte eine Spende aus dem St. Rochus Krankenhaus 2007 einem 54-jährigen Patienten aus den USA mit Lymphdrüsenkrebs helfen. Seit zwei Jahren ohne Rückfall vermerkt ist auch eine Transplantation aus dem Jahr 2006, wo ebenfalls in den USA einem 43-jährigen Patienten Stammzellen aus Dieburger Nabelschnurrestblut gegen Leukämie transplantiert wurden.

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