Stars statt Staubfänger: Kunstausstellung in ADS

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Büchner-Villa in blau-weiß: Sebil Ak, Stephanie Kolwinski, Gabriel Pantigny und Christian Franke (v.l.) aus Darmstadt haben viele Stunden Arbeit in ihr Modell investiert.

Dieburg - Es hätte auch anders laufen können für die Zeichnungen, Fotografien und Modelle, die am Montag so viel Aufmerksamkeit erhielten. Sie hätten - wie es den Werken der Vorgängerklassen durchaus erging - als Jackenablage fehlinterpretiert werden können. Oder sie wären in Ehren, aber unbemerkt ergraut. Von Barbara Hoven

Doch diesmal lief es besser, da sich die Kunstlehrer der Alfred-Delp-Schule etwas Neues ausgedacht haben: Was aktuell in den Kunstkursen der Jahrgangsstufen 11, 12 und 13 entstanden ist, soll angemessen gewürdigt werden. Zumal diesmal mehr entstanden ist als sonst.

Entsprechend beeindruckt war Peter Brunner bei der großen Eröffnungsfeier zur Ausstellung von Schülerkunstwerken. „Ich bin absolut geplättet. Was die Jugendlichen hier geleistet haben, ist unglaublich“, staunte der Mann aus dem Pfungstädter Magistrat. Doch nicht nur die große Feier lockte Brunner nach Dieburg. Sein besonderes Interesse galt den vielen Architekturmodellen, die die Schulflure schmücken.

Sie sind das Ergebnis eines schulübergreifenden Projekts: Die Kunst-Leistungskursler der Stufe 13 von ADS und Justus-Liebig-Schule in Darmstadt haben ihrer stadtplanerischen Kreativität gemeinsam freien Lauf gelassen. Die Aufgabe: Ein Gestaltungskonzept für die Umgebung der Pfungstädter „Villa Büchner“ zu entwickeln. Seit 2006 wird das denkmalgeschützte Gebäude saniert. Was mit dem öden Drumherum passieren soll, ist noch unklar.

Um ihre Vorschläge aus Pappe, Karton und Schaumstoff zu modellieren, haben Dieburger und Darmstädter Schüler viel Hirnschmalz, Herzblut und Freizeit investiert. „Die Aufgabe war eine tolle Herausforderung und hat Spaß gemacht, aber ich hätte nie gedacht, dass das Projekt so viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagte ADS-Schülerin Laura Hitzel. In ihrem Entwurf verbindet sie Form und Funktion, hat dem Denkmal eine üppige Parkanlage mit Café spendiert. Stephanie Kolwinski, Sebil Ak, Christian Franke und Gabriel Pantigny dagegen würdigen in ihrem illuminierten Entwurf eine der Leistungen, für die Hausherr Wilhelm Büchner (1816-1892) bekannt war: die Produktion künstlicher blauer Farbe. Über 80 Arbeitsstunden pro Kopf haben die Justus-Liebig-Schüler in ihr Modell investiert, fast zwei Wochen ihrer Ferien geopfert.

Die große Feier für die Schülerkunstwerke fand in der ADS in dieser Form zum ersten Mal statt. Aber sicher nicht zum letzten Mal. „Wir wollen den Schülern zeigen, dass wir stolz auf sie sind und dass sie stolz auf ihre Arbeiten sein können“, sagte Schulleiterin Renate Stiebing. Stolz darf die Schulleiterin auch darauf sein, dass ihre Schule ungewöhnlich gute Bedingungen für die Kunsterziehung bietet: In einer Zeit, in der viele andere Gymnasien gar keine Kunst-Leistungskurse mehr anbieten (können), gibt es davon an der Alfed-Delp-Schule gleich drei Stück. Dies ermöglichen mit Katrin Eisenhauer, Kai Müller, Jürgen Walz und Rolf Peters „vier ausgeprägte Lehrer- und Künstlerpersönlichkeiten“, so die Schulleiterin.

„Trotz guter Bedingungen wissen die Schüler, dass es eine große Belastung ist, Kunst zu wählen“, fügte Kunstlehrer Müller hinzu. „Zwar hat der Kunst-LK pro Woche fünf Unterrichtsstunden, aber die Schüler erledigen einen Großteil der praktischen Arbeit nach Schulschluss in ihrer Freizeit, weil der Lehrplan so theorie-überfrachtet ist.“

Auch am Montag war der Nachwuchs im Stress: Noch wenige Minuten vor der großen Feier zur Ausstellungseröffnung brütete ein Kunst-LK über Klausuren. Die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit genossen dennoch alle genauso bereitwillig wie das Buffet, die Filmsequenzen der Film-AG und die Beschallung durch die ADS-Akustik-Combo.

Interessierte Bürger, die sich die diversen Kunstwerke und dazugehörigen Reflektionen und Dokumentationen anschauen wollen, sind im Kunstbereich und in den Schulfluren der ADS willkommen.

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