Start mit 89 Veranstaltungen

Ein Dutzend Fastnachtsveranstaltungen - hier ein Auftritt des Hofballetts - fand bisher in der Römerhalle statt. - Foto: Dörr

Neue Römerhalle überwindet ihre Kinderkrankheiten / Spitzenwert von 700 Besuchern. Von Jens Dörr

Dieburg - Was lange dauerte, wurde endlich gut - die horrenden Mehrkosten einmal außen vor gelassen: Später als ursprünglich erhofft öffnete die Dieburger Römerhalle am 28. September vergangenen Jahres ihre Pforten. Schon 23 Tage zuvor, in mancher Ecke war die Baustelle noch sichtbar, feierte das erste Brautpaar seine Hochzeit in Dieburgs neuer „gudd Stubb“, die die Ludwigshall ablöste. „Wenige Tage danach hat sich das Paar mit einem begeisterten Brief bedankt“, berichtet Ulrike Posselt, Rathaus-Sprecherin, mehr als ein Jahr später.

Gastronom, Stadtverwaltung und Bauleitung hätten „mit viel Begeisterung und jeder Menge Improvisationstalent“ den guten Start noch vor dem offiziellen Startschuss ermöglicht. Dann ging es auch „richtig“ los - doch wie verlief das erste Jahr? Der DA zieht Bilanz.

Herangezogen für die Statistik werden dabei die Zahlen für die ersten zwölf Monate ab dem Eröffnungstag – also nicht das Kalenderjahr 2012, denn im dem schloss das erste „echte“ Römerhallen-Jahr schon Ende September wieder ab.

In diesen ersten zwölf Monaten also sah die Stadt als Besitzerin unter ihrem Dach folgende Veranstaltungen: zehn Informationsveranstaltungen, drei politische Veranstaltungen, vier Tagungen, vier Blutspende-Termine, vier Bälle, zwölf Fastnachtsveranstaltungen, acht Konzerte, drei Musicals, drei Theaterabende, zwei Kabarettabende, eine Kinoveranstaltung und rund zehn sonstige Veranstaltungen durchgeführt werden. Hinzu kommen rund 25 Familien- und Firmenfeiern im großen Saal, die Gastronom und Römerhallen-Pächter Tobias Niestatek organisierte. Diese Zahlen gab die Stadt auf Nachfrage bekannt.

Die meisten der in der Addition 89 Veranstaltungen fanden im großen Saal statt. Unter anderem Hochzeitsgesellschaften nutzen teilweise allerdings auch nur einen Part des großen Saals, in dem eine Trennwand Unterteilung schaffen kann. Nicht alle Mieter des großen Saals zahlten und zahlen allerdings den vollen Betrag – Dieburger Vereine etwa bekommen großzügige Rabatte.

Regelmäßig genutzt werden auch die Räumlichkeiten im Obergeschoss der Halle - für Besprechungen, Schulungen, kleinere Feiern oder Gesangsproben etwa. Jüngst kam sogar der Hessische Ministerpräsident. Neben Volker Bouffier sah die Halle beispielsweise schon Extremsportler und Musiker Joey Kelly, vor wenigen Wochen Kabarettist Gerd Dudenhöffer. Zu den sieben Fastnachtssitzungen der Erwachsenen kamen in diesem Jahr mehr als 3 000 Zuschauer - mit überwiegend positiven Rückmeldungen trotz langer Gewöhnung an die Ludwigshall. Die meisten Besucher einer einzelnen Veranstaltung verzeichnete die Römerhalle an Silvester 2011: Zur Party von Tobias Niestatek (siehe auch separaten Infokasten) und der Band „Bee Flat“ kamen 700 Menschen verschiedener Altersgruppen.

Teilweise technische Probleme, teils etwas stickige Raumluft und eine ausbaufähige Ausstattung – so sorgte etwa erst ein privater Spender dafür, dass für Konzerte nicht immer ein Flügel herangekarrt werden muss – zählten zu den Kinderkrankheiten der Römerhalle, die sie aber mehr und mehr auskuriert.

„Nicht nur die Halle wurde komplett neu geschaffen, auch die Verwaltung einer neuen Kulturhalle mit eigenem Programm, mit Verpachtung der Räumlichkeiten für Veranstaltungen - und dies mit integrierter Gastronomie - ist ein für die Stadtverwaltung neues Projekt“, macht Stadtkommunikatorin Posselt die Herausforderung deutlich. Vor allem auch, weil ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung bislang einen eigenen, neu eingestellten Hallenmanager ablehnte. 60 000 Euro jährlich wurden für ihn veranschlagt - in mehreren Fraktionen gab es Zweifel, dass sich die Einstellung durch mehr Events und höhere Mieteinnahmen amortisieren würde.

Für die Römerhalle wurde im Haushalt zunächst ein jährlicher Zuschuss von 135 000 Euro vorgesehen. Ob der zu hoch oder zu niedrig kalkuliert wurde, wird die erste Bilanz eines vollen „Röha“-Jahres zeigen. Rein von der Anzahl der Veranstaltungen landete Dieburg in etwa da, wo erste Betriebskonzepte die Halle auf dem Altstadtareal verortet hatten. Die Abweichungen bei der Einnahmensituation können dennoch groß ausfallen, wenn ein sehr großer Anteil der Veranstaltungen durch Dieburger Vereine und damit zu kleinerem Geld durchgeführt werden.

Für 2013 läuft das „Geschäft“ mit der Römerhalle - wie praktisch jeder staatliche Veranstaltungsort ein Zuschussbetrieb - ordentlich an. Posselt: „Bereits jetzt füllt sich der Buchungskalender für das kommende Jahr. Ständig kommen neue Veranstalter hinzu, aber auch zufriedene Stammkunden haben bereits reserviert.“

Höhepunkte im ersten Halbjahr 2013 werden neben den Fastnachtssitzungen des KVD unter anderem die Besuche von „Steiners Theaterstadl“, dem Odenwälder Shanty-Chor und der Schatten- und Lichtshow „Magic Shadows“ sein.

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