Römerfest der Museumsfreunde

Da staunen auch die Germanen

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Massive Pfeile verschossen diese römischen Soldaten mit einer stattlichen Armbrust.

Dieburg - Zwischen Soldaten und Schuhmachern, Münzprägern und Schmuckkünstlern spazierten am Samstag beim Römerfest auch zwei wild anmutende Germanen durch den Fechenbach-Park. Von Jens Dörr 

Germanen auf dem „Römerfest“, mit dem die Freunde und Förderer Museum Schloss Fechenbach ihr zehnjähriges Bestehen als eingetragener Verein feierten? Christine Klostermann, Vorsitzende und am Samstag selbst in historischem Gewand auf den Beinen, sorgte für Aufklärung: Man habe nicht nur die Römer selbst lebendig werden lassen wollen, sondern durchaus auch den ein oder anderen Vertreter jenseits des Limes’. Die modernen Germanen aus Dieburg und Umgebung sahen’s am Samstag trotz einiger Schauer zahlreich: Es waren zwar keine Legionen, die durch den Fechenbach-Park zogen - unter der Heereseinheit versteht man eine Soldatenzahl zwischen 3 000 und 6 000 -, aber über die sieben Feststunden verteilt doch mehrere hundert Besucher.

Was auffällig war und die teils eingekauften, teils gratis angereisten Schau- und Darsteller bestätigten: Es war ein sehr interessiertes und altersmäßig recht gemischtes Publikum, das es ans Schloss zog. Erläuterungen des Cornubläsers führten schnell zu einer Fachdiskussion über die Rolle der Musik in der Antike und die Entwicklung der Notensprache. Die Soldaten im nachgestellten Zeltlager erzählten detailliert, wie ihre Armbrust mit Pfeilen geladen und abgefeuert werden musste - ohne dass es zum Sturm aufs nahe Rathaus oder gar aufs Schloss gekommen wäre. Bei der Münzprägung waren neben filigranem Handwerk auch Kraft und Ausdauer gefragt. Verlieren konnte man sich leicht auch im Zelt der Odenwälder Historiker, die sich dort in einer Präsentation näher mit dem Kastell Lützelbach beschäftigten.

Für die Römer kein Buch mit sieben Siegeln

Aufmerksam sein musste auch, wer wissen wollte, wie man am besten eine Wachstafel beschriftet. Weder dort Eingekratztes noch auf Papyrus Geschriebenes habe im Römischen Reich wegen vieler Fälschungsversuche allerdings großes Vertrauen genossen, weshalb zum Beispiel Gerichtsurteile von sieben Personen besiegelt wurden. Was nach den munteren Ausführungen des Darstellers den Erwachsenen wie den vielen Kindern im Park kein „Buch mit sieben Siegeln“ mehr war.

Eher berieseln lassen durfte man sich akustisch beim Spiel des Cornusbläsers, der sein kurios aussehendes, aus mehreren Bronzeröhren zusammengefügtes Instrument beherrschte, und visuell bei den Modenschauen im Zelt und auf der Schlosstreppe. Die Museumsfreunde nahmen dabei sogar Rücksicht auf eine zeitgleiche Trauung, verschoben deshalb eine der Modenschauen. Trotzdem bezeichnete Klostermann den Fechenbach-Park als „wunderschönen Platz für das Fest“. Und spontane Fotos mit strammen Römern und bärtigen Germanen bekommen auch nur die wenigsten Hochzeitsgesellschaften.

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