„Stehe senkrecht im Bett“

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Die Anwohner des Minnefelds mit seinen mehr als 40 Häusern sind mit dem Status quo in ihrer Straße unzufrieden. Die Situation diskutierten sie mit der „CDU vor Ort“

Dieburg ‐ Als am Samstagvormittag ein riesiger Traktor mit Anhänger durchs Minnefeld brummte, verstummte jedes Gespräch. Wie als Beweis für das, was die Anwohner der viel befahrenen Dieburger Straße soeben den Christdemokraten im Rahmen der Reihe „CDU vor Ort“ geschildert hatten, wurde es so laut, dass für einige Sekunden nicht an eine Unterhaltung zu denken war. Von Jens Dörr

Nachts stehe ich manchmal senkrecht im Bett, wenn wieder ein Lkw vorbeigedonnert ist“, berichtete ein Anwohner beim Rundgang durch die Straße. Peter Mai hat das Treffen mit der CDU stellvertretend für die anderen Anwohner organisiert. Zwei Dutzend gingen am Samstagvormittag bei unwirtlichem Wetter mit und hatten einige Verbesserungsvorschläge in petto. Vor allem dem Schwerlastverkehr müsse begegnet werden, fordern die Minnefeld-Bewohner. Eine Zählung habe ein Aufkommen von 500 Lkw, Bussen und Traktoren ergeben, aktuell auch durch Busumleitungen und die Baustelle an der Bahnunterführung. Lkw über 7,5 Tonnen dürfen die Straße nicht benutzen, doch auch ein Linienbus macht Lärm und ist breit.

Ständiger Begegnungsverkehr sei eine der Folgen – und weil teilweise nur eingeschränktes Halteverbot am Fahrbahnrand gilt, komme es da schon mal zu äußerst beengten Situationen. Ergebnis: Manches Fahrzeug weiche kurzerhand auf den Bürgersteig aus. Das gefährde nicht nur die Fußgänger, monierten die Anwohner. Auch würden die Häuser so beschmutzt und beschädigt. Das erkennt, wer sich die Abwasserrinne neben den Bordsteinen anschaut: Oft ist deren Grenze zur Fahrbahn kaputt oder nur notdürftig mit Teer ausgebessert. So entstehen gerade bei Regenwetter oder wie jetzt bei tauendem Schnee viele größere Pfützen, deren Durchfahrt das Nass kräftig an die Fassaden spritzen lässt. „Da wird ohne Rücksicht einfach in die Gosse gefahren“, meinte eine Anwohnerin.

Tempo 30 könnte Situation entschärfen

An manchen Stellen - gerade am Fahrbahnrand - führen Löcher im Asphalt zur Pfützenbildung.

Dem könne man auf verschiedene Art und Weise begegnen, so Mai. Abweiser auf den Randsteinen könnten die Sicherheit auf den Gehwegen erhöhen, auch Parkbuchten seien sinnvoll. An der Spitalstraße müsse überdies eine Querungshilfe – Ampel oder Zebrastreifen – platziert werden. Gerade dort kreuzen viele, die von der Innenstadt gen Bahnhof und andersherum laufen, das Minnefeld. Dass Busse, Traktoren und Lkw die Straße befahren, lässt sich generell wohl nicht verhindern. Ein Limit bei Tempo 30 könnte Entschärfung bringen, regten die Anwohner an. Auch die Idee, hin und wieder zu blitzen und mit einem Schild auf Geschwindigkeitsmessungen hinzuweisen, wurde genannt. Die Tempobeschränkung nur für die Nacht sei ebenfalls eine Option. Denn im Zuge des Bauens am Schlachthofgelände werde der Verkehr in näherer Zukunft sicher nicht weniger werden, merkten die Anwohner an. Mai äußerte den Wunsch, die Baustellenfahrzeuge über die Darmstädter Straße gen Messel aus Dieburg hinauszuführen, auch wenn unter Umständen ein Umweg die Folge sei.

Rückwärts aus dem Hof fahren, ist lebensgefährlich

Er selbst habe außerdem wie viele andere Anwohner ein weiteres Problem: „Wenn man in seinen Hof fahren will, braucht man schon Nerven. Rückwärts auf die Straße hinausfahren ist lebensgefährlich, deshalb fahre ich rückwärts in meinen Hof hinein. Da kriegt man dann den Vogel gezeigt.“

Dr. Harald Schöning, Bürgermeisterkandidat der CDU, versprach zum Abschluss des Austauschs, die notierten Probleme und Verbesserungsvorschläge an die Stadt Dieburg und das Amt für Straßen- und Verkehrswesen heranzutragen. Zunächst will sich die Partei aber innerhalb der eigenen Fraktion auf ein gemeinsames Vorgehen im Hinblick aufs Minnefeld verständigen.

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