Sonderausstellung im Museum bis Mitte August verlängert

Steinzeitmord Talheim: bislang 2000 Besucher

Hinter der Beschreibung Fundnummer 83/3a, männlich, 1,69 groß, verbirgt sich eine Persönlichkeit. Das rund 60-jährige Sippenoberhaupt der steinzeitlichen Familie starb an seinen Schädelverletzungen. Die Anthropologen konnten ihm mit Hilfe moderner Technik wieder ein Gesicht geben.

Dieburg (eha) - Als sie vor über 7000 Jahren nach einem feigen Überfall aus dem Hinterhalt verscharrt wurden, stand niemand an ihrem Grab. Kein Stein oder Dokument verrät der Nachwelt ihren Namen, ihr Alter oder ihr Geschlecht.

Doch Archäologen und Anthropologen haben ihnen ihre Identität wieder gegeben.

Bei den 34 Opfern im Alter von einem bis 60 Jahren handelt es sich um die Sippe eines steinzeitlichen Dorfes, dessen archäologischen Überreste seit Anfang April im Dieburger Museum Schloss Fechenbach zu sehen sind. Über 2 000 Gäste haben das 1,69 Meter große Sippenoberhaupt mit tödlicher Schädelverletzung oder die 20 Jahre alte Mutter, die seit geraumer Zeit an einer Krücke ging, besucht. Die steinzeitlichen Opfer stammen aus dem heutigen Talheim bei Heilbronn und wurden vor fast 30 Jahren per Zufall von einem Landwirt bei der Anlage eines Frühbeetes gefunden. Seitdem liegen ihre Gebeine im Landesdenkmalamt Stuttgart und ihre Fundgeschichte ist fester Bestandteil der Dauerausstellung des Archäologie-Museums Heilbronn.

Aktionstage in Dieburg

Dr. Christina Jacob und Professor Dr. Joachim Wahl, die seinerzeit die Grabungen vornahmen, erinnern sich noch an die Nachtfröste während der Arbeiten und die unheimliche Stimmung am Einsatzort. Erst im Labor stellte sich heraus, dass sie Endecker eines Massenmordes geworden waren. Seitdem lässt sie dieser Befund nicht mehr los. Noch einige Wochen werden die beiden Archäologen auf ihre Steinzeitler verzichten müssen, denn die 34 Holz-Silhouetten, die die Familie darstellen, die Schautafeln, die aussehen wie die Notiztafeln eines Krimikommissars und die plastischen Rekonstruktionen kehren noch nicht zurück nach Heilbronn. Nach der Dieburger Ausstellung, die bis Sonntag, 14. August, verlängert wurde, machen sie zunächst Zwischenstopp im Varusschlacht--Museum in Kalkriese im Osnabrücker Land. Dort sucht man nach den Ursprüngen von Gewalt und Krieg im prähistorischen Europa.

In Dieburg näherte man sich bei sechs Aktionstagen und Erlebnisabenden, bei Matinee-Führungen und Ferienspielangeboten nicht nur dem Thema der verbrecherischen Tötung, sondern auch ganz intensiv dem Alltagsleben der steinzeitlichen Menschen. Am kommenden Sonntag, 7. August, lädt das Museum um 11 Uhr zu einer letzten öffentlichen Führung. Im Dieburger Museumsshop ist ein Begleitband und ein Kinderführer erhältlich, die einen noch tieferen Einstieg in das spannende Thema ermöglichen.

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